Statistik Pferdezucht in Deutschland: 2025 abermals weniger Fohlen registriert, Westfalen trotzt Trend

Fohlenstatistik 2025: So steht es um die Pferdezucht in Deutschland

Zucht
Flaute in Deutschlands Fohlenherden – der rückläufige Trend bei der Anzahl registrierter Warmblutfohlen war auch 2025 nicht zu stoppen. Foto: tofi-images.de Flaute in Deutschlands Fohlenherden – der rückläufige Trend bei der Anzahl registrierter Warmblutfohlen war auch 2025 nicht zu stoppen. Foto: tofi-images.de
Auch im vergangenen Jahr war die Zahl geborener Warmblutfohlen in Deutschland rückläufig. EQUI PAGES liegen die Pferdezucht-Daten der großen Zuchtverbände vor. Auffällig: Die Rückgänge der 2025 registrierten Fohlen variiert stark. Zwischen weniger als einem und über 30 Prozent in den einzelnen Zuchtgebieten betragen die Einbußen.

Deutschland, einige Pferdeland? Das war einmal, so könnte man befürchten. Der Jahresbericht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) wird traditionsgemäß erst im Mai des Folgejahrs im Rahmen der FN Tagungen vorgestellt. In ihm sind die Eckdaten der deutschen Pferdezucht wie sie die Zuchtverbände der FN gemeldet haben, dargestellt.


EQUI PAGES hat schon vorab die Zahlen bei den deutschen Warmblutzuchtverbänden angefragt. Das heißt, dass die hier betrachteten Zahlen sich marginal von denen unterscheiden können, die von der FN veröffentlicht werden. In der Grundaussage werden sie aber keine andere Interpretation zulassen.


2025 noch einmal knapp 8,4 Prozent weniger Fohlen als im Vorjahr


Nach Aussagen der Zuchtverbände aus dem März 2026 wurden im vergangenen Jahr 22.995 Warmblutfohlen bei deutschen Zuchtgebieten registriert (ausgenommen ist ein auch für Deutschland relevanter Player, das Studbook Zangersheide, das zwar in Deutschland agiert, aber seinen Sitz im belgischen Lanaken hat).


Diesen 22.995 Warmblutfohlen aus 2025 steht die Zahl von 2024 gegenüber: Da waren es noch 25.100, über acht Prozent mehr. Im Jahr 2023 verzeichneten die Statistiker sogar stolze 28.049 Warmblutfohlen in deutschen Züchterställen. Das stellt allerdings gleichzeitig einen Höchstwert im Zehn-Jahres-Vergleich dar. Es heißt aber auch, dass die Zahl registrierter Warmblutfohlen innerhalb von nur zwei Jahren um 18 (!) Prozent geschrumpft ist. Knapp ein Fünftel in nur zwei Jahren – dagegen wirkt selbst die kränkelnde deutsche Automobilindustrie im direkten Vergleich noch gesund. Und selbst wenn man den Mittelwert der vergangenen Jahre zugrunde legt, zeigt sich kein deutlich positiveres Bild: Der liegt bei 25.602 und damit immer noch ziemlich genau zehn Prozent (10,18%) höher als der Wert von 2025.


Westfalen stabil


Gut zwei Drittel aller 2025 in Deutschland geborenen Warmblutfohlen (15.699) sind in Hannover, Westfalen oder den beiden Oldenburger Verbänden (OL für Dressur-, OS für Springpferde) registriert. Der unter den drei Dickschiffen zahlenmäßig kleinste Verband, das Pferdestammbuch Westfalen, weist die niedrigste Abweichung auf: Nur 32 Fohlen weniger (3.916) als 2024 kamen dort 2025 zur Registrierung. Das sind 0,8 Prozent. Zahlen, von denen die Mitbewerber nur träumen können. In Hannover gingen die Vergleichswerte um 8,9 Prozent zurück, von 6.335 auf 5.772 im Jahr 2025. Bei den Oldenburgern summiert sich die Anzahl (6.011) weniger registrierter Fohlen zum Vorjahr in Summe um 9,25% (OL = 3.350 [-11,4%] und OS = 2.661 [- 6,4%]). Gerade bei der Betrachtung der Zahlen des Springpferdezuchtverbandes Oldenburg International (OS) muss man im Hinterkopf haben, dass der mit Abstand größte Züchter in dieser Organisation das Gestüt Lewitz von Paul Schockemöhle ist.


DSP mit zweistelligen Verlusten


Das Deutsche Sportpferd, DSP, hat fünf Verbände unter seinen Fittichen zusammengefasst. Innerhalb dieser Gruppe wurden 13,5 Prozent weniger Fohlen registriert. Dabei verlieren die beiden Großen elf (Baden-Württemberg) bzw. 13,6 Prozent (Brandenburg-Anhalt). Von den 565 DSP-Fohlen, die 2025 weniger registriert wurden, entfallen allein 219 auf Sachsen-Thüringen, wo die züchterische Zurückhaltung sich in einem Minus von mehr als 30 Prozent massiv niedergeschlagen hat.


Holstein 9,35% weniger


Im Land zwischen den Meeren (bzw. bundesweit) konnte der Holsteiner Verband im vergangenen Jahr 231 Fohlen weniger registrieren, ein Minus von 9,35 Prozent. Dabei zeigen Zahlen der Holsteiner Hengsthaltungs GmbH, dass die Nachfrage über alle Zuchtgebietsgrenzen hinaus durchaus besteht.


Trakehner legen zu


Die „Nische in der Nische“ wird von Marketingexperten häufig als USP, als Alleinstellungsmerkmal im Markt, gelobt. Für den Trakehner Verband, der als einzige deutsche Zuchtorganisation im Warmblutbereich die Reinzucht hochhält, scheint das zu stimmen: 24 Fohlen mehr als 2024 bescheren den Ostpreußen als einzigem Verband in Deutschland ein Plus: 3,4 Prozent. Es wurden 739 Fohlen registriert.


Rückläufig hingegen sind die Zahlen, die der Mecklenburger Verband veröffentlicht: 386 Fohlen, und damit mehr als 15 Prozent weniger als 2024 (456), wurden im Zuchtgebiet, das mit Stolz auf den Stempelhengst Chacco-Blue aus den eigenen Reihen verweisen kann, eingetragen.


Ähnlich die Situation beim Zuchtverband für Deutsche Pferde (TZfDP). Hier sind es 278 , 2024 waren es noch 295, macht 5,7 Prozent weniger.


Wo sind die Turnierpferde von morgen?


2025 wurden 21.326 Turnierpferde neu in Deutschland eingetragen. Darunter sind auch Pferde, die nicht in Deutschland, sondern vor allem in Europa zur Welt gekommen sind. Es war das erste Mal, dass diese Zahl wieder angestiegen ist, um knapp fünf Prozent zum Vorjahr. Man muss kein Prophet sein, dass solche Zahlen in nicht zu ferner Zukunft unrealistisch sind. Aus den ca. 23.000 registrierten Fohlen des Geburtsjahrgangs 2025 werden keine 23.000 Dreijährigen werden (wobei selbstredend nicht nur Pferde dieser Altersklasse erstmalig als Turnierpferd bei der FN registriert werden). Ausfälle gibt es in den Jahren der Aufzucht immer. Die Zahlen der Tierkörperbeseitigung in Niedersachsen, einem traditionellen Pferdezuchtland, sind seit dem sprunghaften Anstieg der Tierarztkosten durch die neue GOT drastisch angestiegen, wie es der Podcast „Erzähl mir was vom Pferd“ dargestellt hat. Fohlen, die kränkeln und deren Perspektive im Krankheitsfall eher schlecht aussieht, sind eine finanzielle Belastung in der ohnehin schon kaum noch profitablen Pferdezucht.


Was tun die Zuchtverbände?


Die deutschen Zuchtverbände sind nicht nur für die Verwaltung ihrer „Produkte“ verantwortlich, sondern auch für deren Vermarktung. Beschränkte man sich früher auf zwei oder vier Auktionstermine im Jahr, hat sich das Bild mittlerweile gewandelt. Gerade im Fohlenbereich gibt es mittlerweile kaum noch ein größeres Turnier, auf dem nicht ein paar Fohlen feilgeboten würden. Der Hammer kreist, virtuell oder real, nahezu an jedem Wochenende auf irgendeinem Turnierplatz. Die Verbände wissen: Hoffnung ist ein wichtiger Motivationsfaktor. Bekommt der Züchter sein Fohlen verkauft, vielleicht noch im fünfstelligen Bereich, dann ist der Anreiz größer, (doch) weiterzumachen. Im Fohlenalter sind die Kosten für Mutter und Kind noch überschaubar. Wer aber gezwungen ist, ein Fohlen selbst aufzuziehen, der muss schon eine von Hause aus optimistische Frohnatur sein beim Blick auf die anfallenden Ausgaben.


Dass dies kein ganz neuer Zustand ist, sagen aber diejenigen, die schon länger Pferde züchten. Das Auf und Ab ist in der Pferdezucht so alt, wie die Hoffnung, dass die Stute in der ersten Rosse problemlos aufnehmen möge. Und irgendwie gilt auch die Skifahrerweisheit, wonach auf jeden Hang ein Gegenhang folgt. Und der führt bergauf.


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