Viva Gold auch beim zweiten Auftritt in Herning unschlagbar
Viva Gold gewinnt Special Premiere mit über 79 Prozent
Isabell Werth und Viva Gold beim Frankfurter Festhallenturnier. Foto: sportfotos-lafrentz.de Seit der Oldenburger Weihegold-Enkel (v. Vivaldi-For Romance) vor gut einem Jahr in den Stall von Isabell Werth kam, um hier die weiteren Schritte Richtung Grand Prix zu gehen, ist er ungeschlagen. Von seiner ersten S*** bei der Louisdor-Preis Qualifikation in Hamburg über seinen ersten Grand Prix beim Turnier der Sieger, dem Louisdor-Preis Finale in Frankfurt bis zu seinem ersten Grand Prix Special gestern in Herning. Er gewann die Prüfung überlegen mit 79,042 Prozent vor seinem Kollegen aus Frankfurt, Lord Europe unter Leonie Richter. Auch für die beiden war Herning CDI- und Special-Premiere, in der sie sich über 71,915 Prozent freuen konnten.
Viva Golds Special-Debüt in Herning
Die Trabtour von Werth und Viva Gold wirkte schon sehr ausgereift. Piaffen und Passagen sind von außergewöhnlicher Qualität und werden immer sicherer, auch wenn der Hengst in den Piaffen noch dazu neigt, mit den Vorderbeinen rückständig zu fußen. Im ersten starken Trab war deutlicher Raumgriff erkennbar, jedoch wenig Rahmenerweiterung und Schwingen durch den Körper. Das vermisste man auch in den Starker Trab-Sequenzen an der langen Seite, wohingegen die Passagen hier mit außergewöhnlich kadenzierter Erhabenheit, Fleiß und Engagement gelangen. Die erste Traversale nach links war zum Schluss etwas stockend, die zweite fließend. Insgesamt hatte Werth den Hengst stabil vor ihren treibenden Hilfen und schön im Seitenbild, wenngleich die Unterbäume der Kandare oft weit mehr als die geforderten 45° anstanden.
Punkten in Pi und Pa
Der starke Schritt war losgelassen und fleißig mit Dehnungsbereitschaft zur Hand, aber immer offen kauend. Im versammelten Schritt mistete Viva Gold und war gerade rechtzeitig fertig für die erste Piaffe, die Werth noch etwas im Vorwärts anlegte. Ein kurzes Anklopfen mit der inneren Zügelhand, dann ein gelungener Übergang in die Passage, die diesmal nicht ganz so sicher im Gleichmaß war wie die zuvor. Ein schöner Übergang in die Piaffe, die diesmal wirklich am Platz war, daraus dann wieder mühelos in die Passage.
Galopptour mit kleinen Abers
Der Übergang in den Galopp gelang durchlässig, willig und ohne Stocken. In den Galopptraversalen wurde Viva Gold etwas eng. Die Zweierwechsel gelangen sicher, aber auch hier blieb der Hengst deutlich hinter der Senkrechten und dementsprechend gering war der Raumgewinn in den Wechseln. Das gleiche Bild zeigte sich in den Einern, die dennoch sicher durchgesprungen waren – allerdings waren es nur 13 und nicht wie gefordert 15. Der starke Galopp gelang zunächst gut, energisch nach vorne-oben durchgesprungen mit deutlichem Raumgriff, jedoch wechselte Viva Gold in der Rückführung hinten einmal hin und her. Für die Pirouetten bringt der Hengst ebenso großes Talent mit wie für Piaffe und Passage. Wenn erst einmal noch sicherer in der Balance ist, wird er hier Höchstnoten bekommen. Die neun Einerwechsel auf der Mittellinie waren sicher durch-, aber begrenzt im Raumgriff gesprungen. Nach dem letzten Wechsel machte der Hengst einen Hüpfer nach vorne und Werth hatte ihn gerade noch rechtzeitig wieder bei und vor sich, um die zweite Pirouette einzuleiten.
Der Abschluss
In der Trabtour an der langen Seite schien Viva Gold der Ehrgeiz gepackt zu haben und er mehr zu wollen als seine Reiterin, was auf Kosten des Gleichgewichts ging. Auf der Schlusslinie konnte der schöne Fuchs der Welt noch einmal sein ganzes Talent in Pi und Pa zeigen – mit dem Aber des zurückfußenden Vorderbeins. Von Ulrike Nivelle gab es eine 10 für die letzte Piaffe, von ihren Kollegen zweimal 8,5 und zweimal 8,0.
Lord und Leonie
Elegant im Seitenbild und schön in der Anlehnung präsentierte sich Leonie Richters Lord Europe. Nicht nur für den rheinischen Lord Leatherdale-Nachkommen, auch für seine Reiterin war Herning der ersten Grand Prix Special überhaupt – und der gelang schon sehr sicher und harmonisch. Im Schritt kam Spannung auf, was einige Punkte kostete. Aber andere Sachen gelangen sehr schön, wie zum Beispiel die Galopptraversalen. Der Galoppsprung selbst ist elastisch und fleißig gesprungen, jedoch nicht ganz sicher in sechs Phasen, sondern lateral verschoben. Was Lord Europe richtig gut kann, sind die Serienwechsel. Für die Einer erhielt er von drei Richtern eine 8,0. Auch die Mittellinie mit den beiden Pirouetten und den Serienwechseln dazwischen war ein echtes Highlight, die zweite Pirouette vielleicht noch eine Idee zu groß. Aber hier gelang das, was man im Trab und insbesondere in Piaffe und Passage noch vermisst: Der Hengst nahm Last auf und kam zum Tragen. Um noch mehr Punkte zu bekommen, müsste das in der Trabtour noch verbessert werden, nicht nur in der Versammlung, sondern auch in den Verstärkungen
Weitere Platzierte
Werth und Richter waren die einzigen deutschen Reiterinnen des Starterfeldes – sieht man von der mit der finnischen Stute Isabella sechstplatzierten (65,596) Carolina Cordoba Wolf ab, die in Coesfeld zuhause ist, international aber unter mexikanischer Flagge reitet. An dritter Stelle hinter den beiden deutschen Reiterinnen fand sich die Dänin Camilla Lunderskov auf dem hoch motivierten Sir Donnerhall-Sohn Donnerhall’s Son II wieder. Genau 70 Prozent sind ihr bisheriges persönliches Bestergebnis auf internationalem Parkett.
Platz vier ging an das zweifache schwedische U25-EM Paar Cecilia Bergåkra und My Friend mit 68,340 Prozent.
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