FEI plant Neuregelung DoD: Was sich in der Dressur bei der Kür ändert
Diskussion um Kür-Schwierigkeitsgrad – mehr Harmonie, weniger Kringel
Katharina Hemmer und Denoix – Harmonie in höchster Versammlung. Foto: sportfotos-lafrentz.de Der Weltreiterverband (FEI) strebt eine Reform im internationalen Dressursport an: Das Bewertungssystem für den Schwierigkeitsgrad der Dressur-Kür, der Degree of Difficulty (DoD), soll umfassend überarbeitet werden. Ziel der geplanten Änderungen ist es, die Bewertung von Dressur-Küren klarer, transparenter und gerechter zu gestalten. Dazu gab es Im November ein Webinar mit den wichtigsten Interessenvertretern des internationalen Dressursports, Richtern, Trainern, Reitern und Offiziellen.
Es ist ein hehrer Vorsatz, den die FEI sich vorgenommen hat – und eine Reaktion auf die Bilder von Reiterinnen/Pferd-Kombinationen, die überfordert sind mit dem, was sie sich für ihre Kür ausgedacht haben. Seit längerem schon muss der „Floorplan“, also die Lektionsabfolge, der Jury vorliegen. Darin ist auch der Schwierigkeitsgrad (DoD) errechnet. Es gibt klare Definitionen, wie die Aneinanderreihung von Lektionen in Bezug auf den DoD von Richterseite einzuschätzen ist. Als schwierig gelten beispielsweise Lektionen wie ein Anreiten aus dem Halten in die Passage, fliegende Galoppwechsel auf gebogenen Linien mit Wechsel zwischen Einer- und Zweierwechseln. So etwas bringt Punkte.
Problem DoD – überfordert wirkende Pferde und Reiter
Dass jede Athletin und jeder Athlet möglichst viele Punkte erzielen möchte, liegt in der Natur der Dinge. Theoretisch kein Problem, in der praktischen Umsetzung aber nicht immer so, wie man sich Dressur vorstellt. Die Harmonie musste schon mal hintenanstehen, wenn eine Lektionsabfolge nicht auf Anhieb funktionierte. Unsaubere Ausführungen, übertrieben engagierte Hilfengebung und immer die Angst im Nacken, das ambitionierte Programm, mit hohem DoD, nicht passend zur Musik abliefern zu können – das hat die FEI auf den Plan gerufen, in Sachen „Floorplan“ und DoD Änderungen zu diskutieren. Mit dem Ziel, neue Ideen dann auch schnell umzusetzen. Schließlich stehen die Weltmeisterschaften in Aachen im August auf dem Kalender.
DoD Dressur FEI: Was steckt hinter den neuen Bewertungskriterien?
Im Fokus der FEI-Initiative steht eine Überarbeitung der bisherigen DoD-Regeln. Künftig soll die Bewertung schwieriger Lektionen wie Varianten von Pirouetten, Passagen oder Piaffen, anspruchsvollen Kombinationen und Übergängen noch klarer definiert werden. Es gibt wie bisher bei gelungener Ausführung Bonuspunkte, aber auch Abzüge, wenn technisch komplexe Abläufe der Harmonie geopfert werden. Diese Abzüge fallen in dem u.a. von Daniel Göhlen, dem Mann hinter vielen technischen Änderungen im Dressursport (beispielsweise dem „Spectator Judging“), erarbeiteten Vorschlag deutlich härter ins Gewicht. Insgesamt, so Göhlen, muss davon ausgegangen werden, dass die Kürnoten zukünftig etwas niedriger ausfallen werden als in den vergangenen Jahren.
Trainer sehen das Harmonie-Problem
Der Brite David Hunt, Vorsitzender des Internationalen Dressurtrainer Clubs (IDTC), schlug vor, die (Schluss-)Note für Harmonie einfach noch höher zu bewerten. Sein berechtigter Einwand: Man sähe immer wieder Paare, die im „Running Score“, also die vom Publikum während des Ritts einsehbaren Zwischenergebnisse, hinter der Konkurrenz liegen. Wenn alle (Schluss-)Noten vergeben sind, seien diese Kombinationen aber doch wieder die, die vorne lägen. Das sei nicht leicht nachzuvollziehen.
Die FEI will vor allem eines: bessere Bilder und transparent nachzuvollziehende Richterurteile. Hunt brachte es klar auf den Punkt. Auch in der aktuellen Weltcup-Saison habe man herausragende Leistungen gesehen. Aber eben auch viele offene Mäuler. Deswegen seine Forderung, die Harmonie-Note zu stärken.
Ein Statement, dass den Vertreter der Reiter, den Deutschen Klaus Roeser, der als Generalsekretär des Internationalen Dressurreiter Club (IDRC) am Webinar teilnahm, aufs Tableau rief. Aus Sicht der Reiter, so Roeser, habe er mit dem Ansatz „Harmonie und offene Mäuler“ ein kleines Problem. In Bern, wo man sich 2025 bereits über Dressurthemen ausgetauscht hatte, seien offenen Mäuler ein Thema gewesen. „Gerade wegen des neuen Messgeräts (um die nicht zu enge Verschnallung der Nasenriemen zu überprüfen). Inwiefern ändert sich das Richten, wenn es um offene Mäuler geht? Offenes Maul meint: wie lange ist es offen, wie weit ist es geöffnet etc. Mein Eindruck ist, dass es innerhalb der Richterschaft bis heute keine klare Leitlinie gibt und wie es tatsächlich Einfluss auf die Richterurteile nimmt. Der Punkt ist für mich nach wie vor ungeklärt.“
„Harmonisch reiten reicht“?
Hunt verwies auf den Kern der Diskussion und die Kompetenz der Richter einschätzen zu können, „ob ein Pferd unglücklich ist oder nur mal gelegentlich das Maul öffnet“. Der Brite weiter: „Ich glaube nicht, dass wie eine Regel für jedes noch so kleine Detail haben können“. Und: „Letztendlich wollen wir doch alle, dass die Pferde „easy“ gehen“. Von der von Hunt angeregten Änderung der Gewichtung der Harmonie-Note wollte Ronan Murphy, der FEI Dressur Direktor, nichts wissen mit Verweis auf die ausstehende generelle Regelüberarbeitung, die im kommenden Jahr vorgesehen ist.
Neue DoD-Bewertung in der FEI-Dressur möglichst noch im Frühjahr
Raphaél Saleh, Chefrichter der Olympischen Spiele von Paris 2024, stand den Änderungen äußerst positiv gegenüber: Lektionsfolgen, die „einfacher, aber harmonischer sind, bekommen mehr Punkte, so dass es nicht nach Überforderung aussieht“. Diese Tendenz liege sehr im Interesse der Richter.
Zeitlich wolle man sich noch abstimmen, so der FEI Dressur Direktor. Die neue Regelung, wie auch immer sie ganz genau definiert ist, solle so schnell wie möglich kommen. Aber solange die noch laufenden Weltcup-Qualifikationen nicht abgeschlossen sind, kann nichts an den Regeln verändert werden – Chancengleichheit. Am 15. März wird im niederländischen ‘s-Hertogenbosch das letzte Qualifikationsturnier in der Western European League ausgetragen. Vier Wochen später findet dann das Weltcup-Finale in den Disziplinen Dressur, Springen und Voltigieren im texanischen Fort Worth (USA) statt.