Newsletter Editorial 19. Oktober 2026: Zügel aus der Hand kauen lassen ab 2027 im Grand Prix – warum Richter gefragt sind
Die Sache mit den Zügeln … (aus-der-Hand-kauen-lassen)
Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de Wer ab dem 1. Januar 2027 einen Grand Prix reitet, der wird etwas länger im Dressurviereck zubringen als bislang. Ein Zirkelbogen mit Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen wird Bestandteil im Grand Prix, Überstreichen im Galopp ist Pflicht im Grand Prix Special. Auch in den niedrigeren Prüfungen wird das eine oder andere zukünftig zum Programm gehören.
Die Regeländerung stößt auf viel Zustimmung. Der Artikel mit den Stimmen aus der Dressurwelt ist der wohl längste, den wir bislang veröffentlicht haben. Lesestoff zu einem, wie ich meine, wichtigen Thema. Unsere Datenanalysen zeigen uns immer wieder, dass EQUI PAGES Leserinnen und Leser sich die Zeit nehmen, umfassende Informationen bis zum Ende zu lesen. (worum es in der Regeländerung geht, ist hier zu finden, was Reiterinnen und Reiter, Trainerinnen und Trainer, Richterinnen und Richter dazu sagen, haben wir hier zusammengefasst).
Nicht selbstverständlich?
Die Recherche war lehrreich. Ich muss etwas naiv in den vergangenen Jahrzehnten in der Pferdewelt unterwegs gewesen sein. Denn ich hätte nicht für möglich gehalten, was mir von ganz unterschiedlicher Seite bestätigt wurde: Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen ist mitnichten die Selbstverständlichkeit im täglichen Training wie ich gedacht habe. Immer wieder kam der Hinweis, ja, die Guten, die können das – aber die anderen, die sind nun gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen. „Geübt wird, was geprüft wird.“
Deswegen, so sagen die Befürworter, profitierten die Pferde von den neuen Aufgaben. Aber es gibt auch andere Stimmen. Solche, die meinen, der Sport ließe sich hier von äußeren Einflüssen in eine Richtung drängen, die falsch sei. Wieder andere argumentieren inhaltlich. Man sieht, das Thema ist groß. Und deswegen werden wir selbstverständlich dranbleiben.
Richtig richten
Meine persönliche Meinung, Stand heute, Montag, 19. Oktober: Ich glaube nicht, dass es sich um eine Feigenblatt-Aktion handelt. Ich bin mir sicher, dass das Richten den Ausschlag geben wird. Noch ist – zumindest nicht öffentlich einsehbar, vielleicht gibt es schon Entwürfe – nicht klar definiert, wie diese „Lektion“ zu bewerten ist. Reitmeister Martin Plewa hat die Kriterien klar benannt. Ich habe für mich daraus geschlussfolgert, dass klipp und klar festgelegt werden müsste: Wenn die Nase auch nur leicht hinter der Senkrechten ist, nicht mehr als eine 6 (befriedigend). Wenn die Nase klar hinter die Senkrechte kippt, aber alles andere gegeben ist, nicht mehr als eine 5 (genügend/ausreichend). Wenn sich der Bewegungsablauf des Pferdes deutlich verändert, wenn es an Schwung verliert oder eiliger wird, nicht mehr als eine 5 – wenn überhaupt. Wenn der Kandarenzügel ansteht, nicht mehr als eine 5. Treffen mindestens zwei der, nennen wir es mal „schlechten“ Ausführungen ein, nicht mehr als eine 4 (mangelhaft).
Das mag für einige drakonisch klingen und ich höre schon den Satz, „reite das erstmal selbst“, aber nur, wenn diese Überprüfung der Durchlässigkeit und der Selbsthaltung wirklich auch als solche seitens der Jury verstanden, beurteilt und beim Misslingen auch geahndet wird, kann die Lektion wirklich der Weiterentwicklung des Sports dienen.
Promis
Es ist ja nicht so, dass man nicht schon Momente genug hätte, in denen konsequentes Richten Ausbildungsfehler aufzeigen könnte. Das Rückwärtskriechen manch eines Promipaars, das immer noch eine 6 bekommt, auch wenn es für alle auf den Publikumsrängen nach einer 5 oder 4 ausgesehen hätte. Der Schritt, vorne oder hinten kontinuierlich kurz-lang getreten mit fester Schulter, unausbalanciert, und damit eben eindeutig nicht im Gleichmaß, vorbei an der Skala der Ausbildung – 7 bei Promis, 6 bei denen, die „so mitreiten“ (eine 4, zu Recht, auf einem ländlichen Turnier in einer L-Dressur). Wenn das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen sich in diese Phalanx einreiht, dann wäre es tatsächlich das, was Kritiker sagen: reine Zeitverschwendung.
Ich habe aber Hoffnung, dass dem nicht so sein wird.
Danke!
Etwas ganz anderes: Es ist schon wieder an der Zeit, danke zu sagen. Nach dem dritten Quartal stand bei uns eine Betrachtung an: Wo stehen wir mit EQUI PAGES? Wir stellen fest, wir sind (sehr) weit vorn im Ranking der deutschsprachigen Webseiten rund um Pferdesport und -zucht, mehr als 100.000 unterschiedliche Quellen (Unique User) haben im Schnitt monatlich mindestens einmal auf EQUI PAGES* zugegriffen. Monatlich werden mehr als eine halbe Million Seiten bei uns angeklickt. Unser im Januar gestartetes kleines Pflänzchen hat sich gut entwickelt. Im Ranking ALLER deutscher Webseiten nehmen wir Platz 12.280 ein – ich sag mal so, Spiegel, Welt, DIE ZEIT, Tagesschau und Co: Zieht euch warm an. 😉
Und wir sagen: Danke! Danke für das Vertrauen in unsere Arbeit. Das ist unser täglicher Ansporn.
In diesem Sinne – bis kommenden Montag!
Jan Tönjes
jan.toenjes@equi-pages.de
*statistische Auswertung Similar Web Juli bis September 2026
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Dieser Text wurde erstmals am 19. Oktober 2026 veröffentlicht. Immer montags kommentiert Jan Tönjes auf EQUI PAGES das Geschehen in unserem wöchentlichen Newsletter.
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