Die dreifache Europameisterin in der Para-Dressur, Heidemarie Dresing, im Interview mit dem ALRV
Para-Dressurreiterin Heidemarie Dresing vor der WM: „Ich möchte natürlich Edelmetall holen“
Zwei, die sich bestens verstehen: Heidemarie Dresing und Poesie, auf der ihre Medaillenhoffnungen für die WM ruhen.
Foto: ALRV/Jasmin Metzner Frau Dresing, Sie reisen als Weltranglisten-Zweite der Para-Dressur und sogar als Weltranglisten-Erste in Ihrem Grade in den Allianz Park. Was möchten Sie bei den FEI World Championships in Aachen erreichen?
Heidemarie Dresing: Ich möchte natürlich Edelmetall holen. Bei meinen ersten Weltmeisterschaften 2022, bei den Paralympics 2021 und bei den Europameisterschaften 2019 bin ich sehr häufig auf dem vierten Platz gelandet. Ich durfte zwar bei der EM vergangenes Jahr in Ermelo mit drei Goldmedaillen nach Hause fahren, aber der Wunsch, bei der Heim-WM in Aachen auf dem Treppchen zu landen, ist schon sehr groß. Darüber hinaus möchte ich aber auch ältere Menschen inspirieren und ein Vorbild sein, denn „Geht nicht, gibt’s nicht“! Wenn man sich anstrengt und in Bewegung bleibt, kann man auch im Alter noch Großes erreichen.
Sie werden mit ihrer Stute Poesie an den Start gehen. Gemeinsam haben Sie schon tolle Erfolge gefeiert, sich gemeinsam an die Weltspitze der Para-Dressur gesetzt. Was charakterisiert Ihr Pferd?
Poesie ist genauso verrückt wie ich. Sie ist eine Kämpferin und hat schon ihren eigenen Kopf – sie ist halt ein Mädchen (lacht). Aber genau das ist auch der Reiz. Sie ist ein ganz besonderes Pferd und wir beide haben eine außergewöhnliche Harmonie und sehr feine Kommunikation.
Wie macht sich Ihre Krankheit im Alltag und im Training bemerkbar?
Ich bin an Multipler Sklerose erkrankt, das heißt, ich leide an neurologischen und muskulären Beeinträchtigungen wie Gleichgewichtsproblemen, Fatigue und weniger Muskelkraft. Ich bin gehbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen, auch wenn ich es schaffen kann, einige Meter ohne zu gehen. Bewegung hält mich fit.
Wie sind Sie zum Reitsport gekommen?
Mit acht Jahren hatte ich das erste Mal Kontakt zu Pferden. Meine Mutter war schon immer eine Pferdefreundin und irgendwann habe ich dann mal auf einem Pony gesessen. Dann folgte Reitunterricht beim Reitverein Hagen, der klassische Weg mit Schulpferden und ersten Turnieren, zunächst im Springsport. Vom ersten richtigen Geld habe ich mir dann ein Pferd gekauft, anschließend nahm das alles seinen Lauf.
Welche Bedeutung haben die Pferde in Ihrem Leben, vor allem seit der Diagnose Multiple Sklerose?
Pferde sind mein Leben, ich kann mir keins ohne sie vorstellen. Mein Training hat sich seit der Erkrankung natürlich verändert, aber ich bin immer noch ganz begeistert von der Einheit und der Harmonie, die wir kreieren können. Manchmal kommen mir wirklich die Tränen, wenn ich sehe, was die Pferde alles für mich tun und wie rücksichtsvoll sie sind. Sie reagieren auf feinste Hilfen und verzeihen auch Fehler, das ist etwas ganz Besonderes.
Wie war Ihr Weg in den Para-Sport?
Zu meinem Leben gehörte schon immer der Wettkampf, weil ich sehr ehrgeizig bin. Als ich dachte, dass ich wegen meiner Krankheit keine Turniere mehr reiten können werde, wollte ich erst aufhören. Doch dann habe ich von Hanne Brenner (erfolgreiche deutsche Para-Dressurreiterin, Anm. d. Red.) von der Existenz des Para-Sports erfahren, und plötzlich konnte ich wieder Wettkampf bestreiten, wenn auch anders als vorher. Die Pferde sind jeden Tag aufs Neue meine Motivation, sie sind die beste Medizin. Es ist wirklich großartig, dass wir Para-Sportler jetzt in Aachen dazugehören. Es ist schön, dass wir diese Möglichkeit erhalten, uns auf der ganz großen Bühne zu präsentieren.
Wer dabei sein möchte, wenn die Para-Dressurreiter um die Medaillen reiten – der Zutritt zu den FEI Para Dressage World Championships in Stadion 3 ist mit einem tagesaktuellen Ticket für das Hauptstadion, das Stadion 2 sowie dem Village Ticket möglich, solange die Kapazität dies erlaubt (freie Platzwahl).
Tickets gibt’s im Onlineshop, an der Tickethotline unter 0241-9171111 oder in der Geschäftsstelle des Aachen-Laurensberger Rennvereins.


