Interview mit den Voltigierern Kathrin Meyer und Thomas Brüsewitz

Thomas Brüsewitz und Kathrin Meyer – WM in Aachen als Schlusspunkt glanzvoller Karrieren

Interview 24.06.2026
Kathrin Meyer sieht in Aachen ihrem letzten Championat entgegen.
Foto: ALRV/Jasmin Metzner Kathrin Meyer sieht in Aachen ihrem letzten Championat entgegen. Foto: ALRV/Jasmin Metzner
Für die Voltigierer Kathrin Meyer und Thomas Brüsewitz wird die Weltmeisterschaft in Aachen das letzte Highlight großer Karrieren. Ein Interview.

Der gastgebende Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) hat im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Aachen ein Gespräch mit den beiden deutschen Medaillenkandidaten bei den Voltigierern geführt, Kathrin Meyer und Thomas Brüsewitz.


Meyer ist die erfolgreichste deutsche Voltigiererin der letzten Jahre. Zweimal, 2023 und 2025, wurde sie Europameisterin. Dreimal gewann sie das Weltcup-Finale – etwas, was vor ihr noch keine andere Voltigiererin geschafft hat. Auch in Aachen war sie schon zweimal siegreich.


Da hat Thomas Brüsewitz ihr zwei Siege voraus. Er blieb viermal ungeschlagen in Aachen, von 2016 bis 2019. Das war vor ihm bis dato nur Kai Vorberg, dem heutigen Bundestrainer gelungen. Nicht nur das verbindet „Thommy“ Brüsewitz mit Aachen. Hier turnte er 2015 sein erstes Championat bei den Senioren, die EM, wo er auf Anhieb Silber holte. Er kennt also das Gefühl, im überdachten Dressurstadion auf Weltklasseniveau abzuliefern.


Darüber und über das Gefühl, mit dem sie nun der WM (für die Voltigierer vom 13. bis 16. August) entgegenblicken, haben Brüsewitz und Meyer mit dem ALRV gesprochen. Für beide wird es das letzte Championat ihrer Karriere. Meyer wird Ende Oktober 26 Jahre alt, Brüsewitz hat im Mai seinen 32. Geburtstag gefeiert.


Interview


Was macht für euch ein WM-Jahr besonders, noch dazu mit einer Heim-WM? Welche Erwartungen habt ihr?


Kathrin Meyer: Es ist für uns jedes Jahr etwas Besonderes, nach Aachen zu kommen und dort starten zu dürfen. Jetzt sind wir gleichzeitig mit den anderen Disziplinen vor Ort, da kommt nochmal ein ganz anderes Feeling auf und man kann sich viel mehr mit allen Sportlern connecten. Und Aachen ist ein Gelände, wo die Bedingungen einfach perfekt sind, da kann es nur cool werden.


Thommy Brüsewitz: Ich kann mich dem nur anschließen. Eine WM im eigenen Land und dann auch noch bei meinem Lieblingsveranstalter – das ist etwas ganz Besonderes, auf das wir alle hinfiebern. Es ist ja mehr als zehn Jahre her, dass in Deutschland ein Championat stattgefunden hat. Genau deswegen träumt da eigentlich jeder Voltigierer von. Ich hoffe, dass wir unseren Sport auf so einer Bühne bestmöglich präsentieren können. Voltigieren ist ein Sport, der Menschen echt begeistern kann und das wollen wir nach außen transportieren. Das schaffen wir hoffentlich, indem wir zeigen, was wir können und was wir lieben.


Thommy, du hast die Europameisterschaften 2015 angesprochen. Damals bist du hier schon dabei gewesen, kennst die Atmosphäre im überdachten Stadion. Wie ist das Gefühl im Zirkel?


Thommy Brüsewitz: 2015 war von der Atmosphäre her der Hammer. Wir sind quasi in den Zirkel reingetragen worden, es gab eine Flut an deutschen Fahnen und die Kulisse war einfach Wahnsinn. Das war wirklich beflügelnd, da einzulaufen. Ehrlich gesagt kam da auch in den vergangenen Jahren nichts mehr dran. Ich hoffe, dass auch dieses Mal wieder viele Zuschauer da sind und deutsche Fahnen für uns schwingen werden.


Das Gefühl, grundsätzlich in Aachen zu gewinnen, kennt ihr ja beide. Was sind eure Ziele für die WM, was habt ihr euch vorgenommen?


Kathrin Meyer: Natürlich ist mein Ziel, vorne mitzuspielen. Die Konkurrenz schläft aber nicht. Ich würde sagen, es wird ein hartes Rennen, aber wir sind gut vorbereitet und werden auf jeden Fall alles geben, unsere Trainingsleistung abrufen zu können. Das gilt vor allem auch für meine Kür. Sie verkörpert dieses für mich spezielle Jahr beziehungsweise die Gefühle, die hochkommen, wenn man darüber nachdenkt, mit dem Sport aufzuhören. Sie soll meinen ganzen Weg zeigen sowie die Menschen und Pferde, die diesen getragen haben. Das wird auf jeden Fall emotional.


Thommy Brüsewitz: Ich will vor allem genießen. Ich bin so dankbar für die ganze Zeit und möchte nochmal ganz bewusst wahrnehmen, was ich die letzten Jahre erleben durfte. Es ist für mich eine große Ehre, den ganzen Spaß mitmachen zu dürfen. Da möchte ich nochmal innehalten und jeden einzelnen Augenblick, ob er jetzt gut sein mag oder schlecht, für mich mitzunehmen. Sportlich versuche ich natürlich mein Bestes zu geben, aber das probieren wir ja immer.


Für euch beide wird es nach einer langen und erfolgreichen Karriere das letzte Championat. Erzeugt das extra Druck oder gibt es noch mehr Motivation, wirklich nochmal abzuliefern?


Kathrin Meyer: Ich würde schon sagen, dass es nochmal ein anderer Druck ist in diesem Jahr. Ob das jetzt daher kommt, dass es eine WM ist oder ein Heimchampionat oder das letzte Championat – da kommen viele Faktoren zusammen. Aber ich freue mich auf jeden Fall drauf und mit Gesa und Capi (Longenführerin Gesa Bührig mit Capitain Claus OLD) zusammen wird das so oder so etwas sehr Besonderes sein.


Thommy Brüsewitz: Ich habe versucht, da gar nicht zu viel drüber nachzudenken, aber in der letzten Zeit ist mir das tatsächlich nicht mehr so gut gelungen (lacht). Es fällt mir dann doch schwer, mich mit der Frage zu beschäftigen: ‚Was machst du eigentlich, wenn das alles vorbei ist?‘ Da habe ich schon ein bisschen Angst, in ein Loch zu fallen. Das beschäftigt mich natürlich schon, aber ich lasse mich davon auch nicht verrückt machen. Ehrlich gesagt möchte ich vor allem nochmal dankbar sein dafür, dass ich das alles miterleben darf.


Die nominierten deutschen Voltigierer


Die von Meyer angesprochene Konkurrenz kommt unter anderem aus den eigenen Reihen. Folgende Voltigierer wurden für die WM nominiert:


Damen


  • Alice Layher mit FBW Candy und Daniel Zembrot, als Reservepferd Nugat und Michelle Kung

  • Kathrin Meyer mit Capitain Claus OLD und Gesa Bührig

  • Annemie Szemes mit Rubinio und Nina Vorberg

    1. Reserve: Gianna Ronca mit Max und Sarah Krauß


Herren


  • Thomas Brüsewitz mit Belistano HF und Alexandra Knauf

  • Leon Hüsgen mit Rockemotion NRW und Nina Vorberg

  • Bela Lehnen mit Max und Sarah Krauß sowie Formel 1 DC und Alexandra Knauf

    1. Reserve: Jannik Heiland mit Rey Rubino und Lars Hansen


Pas de Deux


  • Kimberly Hyks und Jannik Heiland mit Crashkurs und Andrea Harwardt

  • Philine Lindhorst und Cjell Aaron Richert mit Chagall und Andrea Lindhorst

    1. Reserve: Gisa Sternberg und Linda Otten mit Espresso und Cornelia Ammermann


Teams

Team NORKA Automation des VV Köln-Dünnwald I mit Ecuador (der übrigens einst als Kandidat der Hofauktion von Stephan Borgmann seine sportliche Karriere startete), als Reservepferd Fantomas und Alexandra Knauf


Wer in Aachen dabei sein möchte – Tickets gibt es hier.


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