Interview mit Dressur Co-Bundestrainer Hendrik Lochthowe

Interview 10.03.2026
Hendrik Lochthowe. Foto: sportfoto-lafrentz.de Hendrik Lochthowe. Foto: sportfoto-lafrentz.de
Seit rund einem halben Jahr ist Pferdewirtschaftsmeister Hendrik Lochthowe Co-Bundestrainer an der Seite von Monica Theodorescu. Zuvor kannte man ihn vor allem als Reiter. Wie es zu diesem Rollenwechsel kam, wie sein Alltag heute aussieht und welche Schwerpunkte er als Trainer setzt, erzählt er im Gespräch.

Wie ist es dazu gekommen, dass du Co-Bundestrainer geworden bist?


Monica hat mich eines Abends angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, und ich habe mich sehr über ihr Vertrauen gefreut. Für mich war schnell klar, dass ich mir diese Aufgabe sehr gut vorstellen kann. Ich hatte den Umzug zurück in die Heimat ohnehin schon geplant.


Was heißt „zurück in die Heimat“?


Ich bin nach 21 Jahren wieder nach Recklinghausen gezogen – zurück zur Familie. Für mich persönlich war das ein absolut richtiger Schritt.


Ich habe einen Stall ganz in der Nähe, nur fünf Minuten mit dem Fahrrad entfernt, in dem meine Pferde stehen. Das macht vieles im Alltag einfacher.


Mein Vater und meine Schwester unterstützen mich, und das ist etwas ganz Besonderes. Wir sind inzwischen ein kleiner Familienbetrieb. Wenn ich ab Mittwoch zum Turnier fahre, hält mir meine Familie komplett den Rücken frei.


Du hast jetzt also eine feste Homebase, von der aus du unterwegs bist?


Genau. Das hat viele Vorteile. Nach Warendorf fahre ich nur knapp eine Stunde. So kann ich problemlos an Lehrgängen teilnehmen und sehr eng mit Monica zusammenarbeiten. Insgesamt hat sich alles so entwickelt, dass es einfach gut passt.


Früher bist du vor allem selbst geritten. Wie ist es jetzt für dich, so viel Unterricht zu geben?


Das stimmt, früher lag mein Schwerpunkt klar auf dem Reiten. Aber ich habe eigentlich schon immer viel Unterricht gegeben. Inzwischen liegt mein Schwerpunkt mehr im Training als im Reiten.


Was genau begeistert dich daran?


Mich fasziniert es, die Entwicklung von Reitern und Pferden zu begleiten. Zu sehen, wie sich ein Paar verbessert und gemeinsam wächst – das erfüllt mich.


Wie sieht eine typische Woche bei dir aus?


Wenn ich zu Hause bin, reite ich morgens meine Pferde und gebe vor allem nachmittags Unterricht. Dazu kommen Lehrgänge, für die ich auch mal zwei Tage unterwegs bin.


Am Turnierwochenende bin ich von Mittwoch bis Sonntag unterwegs.


Was ist stressiger: der Alltag oder das Turnier?


Das lässt sich schwer vergleichen. Auf dem Turnier beginnt der Tag früh – meist stehe ich um sechs Uhr in der Halle und begleite die Reiter.


Zu Hause ist es anders. Ohne selbst zu reiten geht es für mich nicht. Wenn ich ein paar Tage unterwegs war, freue ich mich richtig darauf, montags wieder im Stall zu stehen und auf meinen Pferden zu sitzen. Dann denke ich: Jetzt geht’s wieder los.


Die Abwechslung für die Pferde hat einen ganz großen Stellenwert.


Und deine Pferde – sind die dann genauso motiviert?


Ich glaube, keines meiner Pferde nimmt es mir übel, wenn ich ein paar Tage nicht da bin. Dann gehen sie an der Doppellonge, machen Stangenarbeit, ganz viele verschiedene Dinge. Mit meinem Team zu Hause klappt das hervorragend.


Ist das eine Erfahrung, die du deinen Schülern nun auch weitergibst?


Absolut. Sechs Tage am Stück Dressur reiten, üben, üben noch mal noch mal üben, das bringt es nicht. Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Ich mache Dinge heute anders, als noch vor sieben, acht Jahren. Ich mache mir mehr Gedanken über viele Dinge. Das habe ich auch von Jonny Hilberath gelernt, die Dinge nicht mehr einfach zu tun, weil man es schon immer so getan hat. Die Abwechslung für die Pferde hat einen ganz großen Stellenwert.


Lernt man als Bundestrainer selbst noch dazu?


Absolut – und zwar von allen Seiten. Bei der Arbeit mit Pferden lernt man eigentlich jeden Tag etwas Neues dazu. Ich versuche überall etwas Positives mitzunehmen.


Hattest du bei der Zusage für den Bundestrainer-Posten eine klare Vision?


Eine konkrete Vision hatte ich nicht. In erster Linie hatte – und habe – ich großen Respekt vor der Aufgabe. So eine Position übernimmt man nicht nebenbei.


Dieser Weg stand ursprünglich nicht auf meinem Plan. Aber ich habe große Lust auf die Aufgabe. Es macht mir Freude, mich weiterzuentwickeln und mein Wissen weiterzugeben.


Also hast du das Gefühl, in die Rolle hineinzuwachsen?


Definitiv. Das habe ich von Anfang an gesagt. Es ist ein Prozess, und ich wachse Schritt für Schritt hinein.


Wie teilt ihr euch die Zuständigkeiten für die Reiter auf? Ist das von Vornherein festgelegt?


Wir besprechen uns im Vorfeld und stimmen uns ab. Generell haben wir alle Reiter und Pferde im Blick, beobachten sie und tauschen uns darüber aus. Am Turnier selbst muss man natürlich flexibel sein. Am Ende versuchen wir immer, das zu machen, was wir in der jeweiligen Situation für die beste Lösung für Reiter und Pferd halten.




Über Hendrik Lochthowe


Seine Ausbildung absolvierte der heute 46-Jährige im Stall seines Onkels Norbert Lochthowe in Recklinghausen. Anschließend war er 21 Jahre lang in verschiedenen renommierten Dressurställen als Ausbilder im Sattel tätig.


Seine Stationen führten ihn zunächst zu Harli Seifert, später in die Schweiz zu Silvia Iklé. Es folgten Anstellungen auf dem Georgihof der Familie Meggle in Wasserburg sowie auf dem Gestüt Riedmühle in Butzbach. Im Juni 2025 machte er sich selbstständig und übernahm kurze Zeit später das Amt des Co-Bundestrainers.


Als prägende Lehrmeister nennt der Pferdewirtschaftsmeister insbesondere Jonny Hilberath, Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, Wolfram Wittig und Silvia Iklé.


Hendrik Lochthowe war selbst international erfolgreich im Dressursport aktiv und ist darüber hinaus als Dressurrichter bis zur Klasse S** im Einsatz.


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