Die besondere Geschichte von Tobias Nabbens Forster
Vom Wanderpokal zum internationalen Grand Prix-Pferd
Tobias Nabbens Forster – vom Kandidaten für den Schlachter zum internationalen Grand Prix-Pferd. Foto: sportfotos-lafrentz.de Heimlich, still und leise haben sich Pferdewirtschaftsmeister Tobias Nabben und der Hannoveraner Wallach Forster in den letzten Monaten in den Vordergrund getanzt. Wer es schafft, im Dezember beim Louisdor-Preis Finale in Frankfurt dabei zu sein, zählt zur ersten Garde von Deutschlands Nachwuchsdressurpferden. Nabben und Forster waren dabei. Nach einem tollen dritten Platz in der Einlaufprüfung meldeten sich in der Entscheidung in Frankfurt allerdings die Geister der Vergangenheit zurück. Schade, aber nur Stolperstein auf einem Weg, der noch lange nicht zu Ende ist.
Vergangenes Wochenende hatte das Paar beim CDI3* in Lier sein internationales Debüt. Sie erzielten in Grand Prix und Special knapp 70 Prozent und wurden damit Siebte und Dritte. Das klingt vielleicht noch nicht nach Weltstar. Aber Tobias Nabben ist sich sicher, das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange – und wer Forsters Entwicklung verfolgt hat, versteht sofort, was er meint. Forster hat eigentlich alles, was ein überdurchschnittliches Grand Prix Pferd braucht: drei sehr gute Grundgangarten und dazu ein seltenes Talent für Piaffe und Passage. Für ihn scheinen dies die vierte und fünfte Grundgangart zu sein. Er wechselt so mühelos von einem ins andere wie einst eine Dalera BB. Dabei ist es fast ein kleines Wunder, dass dieses Pferd nun da ist, wo es ist. Seine Geschichte ist die berühmte „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Story
Forster – „schwierig“ und „nur für Profis“
Forster ist ein Finest-Sohn aus der erfolgreichen Zucht von Ulla Kazorke in Essen. Aus seinem Stamm ging unter anderem auch die Burg-Pokal Finalistin Bohemian Rhapsodie von Kira Wulferding hervor. Forsters Mutter ist eine Tochter des Boston. Dieser Teil des Pedigrees war es, was Tobias Nabben auf den Wallach aufmerksam werden ließ. Denn eines seiner erfolgreichsten Pferde war ebenfalls ein Boston-Nachkomme.
Eine Anzeige auf ehorses bewarb den damals fünfjährigen Forster – wobei „bewarb“ die Sache nicht recht trifft. „Nur für Profis“ und „schwierig“ war dort zu lesen. Und der Preis ließ auch vermuten, dass an der Sache ein Haken sein musste. Doch Nabben ist ein Profi. Mit 16 begann er seine Ausbildung zum Pferdewirt bei Jo Hinnemann, mit 23 hatte er seinen Pferdewirtschaftsmeister in der Tasche und führt seither zusammen mit seiner Mutter und seiner Frau den elterlichen Betrieb, den Stall „Zur Linde“ in Bottrop. Er traute sich also durchaus zu, den Anforderungen, die die Anzeige an Interessenten für den Wallach stellte, gerecht zu werden. Also fuhr er los.
Was er sah, war schlimmer, als er erwartet hatte: „Forster war rappelmager, hatte kaum Muskulatur. Beim Reiten war er unstet in der Anlehnung und man merkte, dass ihn schon einige ausprobiert hatten. Er war total verunsichert.“ Doch Nabben fand Gefallen an dem elastischen Rappen. Er kontaktierte die Besitzerin und bot ihr an, Forster drei Wochen zur Probe zu nehmen. Die war erst einmal nicht begeistert. Aber auf Anraten der Familie Schult in Hünxe, bei der Forster aufgewachsen war und die der Besitzerin erklärten, Nabben habe ein Händchen für schwierige Fälle, ließ sie sich überzeugen.
Die nächste Hürde war die Ankaufsuntersuchung. Forster fiel durch. Doch nach Gesprächen mit mehreren Tierärzten riskierte Familie Nabben es trotzdem mit ihm. „Die Tierärzte meinten, das sei eine Frage des Managements. Er sei einfach zu schlecht bemuskelt. Ihm fehle es an Kraft“, so Tobias Nabben. Also zog Forster nach Bottrop. Ein Schnäppchen, aber auch ein „Risikokauf“, wie Nabben sagt.
„Der brauchte richtig viel Liebe“
Das Reiten gestaltete sich zunächst als schwierig. Nabben legte es auch gar nicht darauf an. In den ersten Wochen ging Forster vor allem an der Longe. Er war zwar schon fünfjährig, aber er hatte den Ausbildungsstand einer Remonte. „Er ist ständig durchgegangen“, erinnert sich Tobias Nabben. „Mein Bereiter wollte sich schon gar nicht mehr draufsetzen.“
Dabei war Forster niemals böse, im Gegenteil. „Im Stall war er zuckersüß. Er brauchte einfach richtig viel Liebe.“ Und Zeit. Die gab die Familie Nabben ihm. Forster sollte erkennen, dass der Reiter keine Bedrohung war. „Er musste erst einmal lernen, losgelassen unter dem Sattel zu gehen“, so Nabben. Weder fünfjährig noch sechsjährig ging der Finest-Sohn Turniere. Ganz allmählich fasste er Vertrauen zu seinen Menschen.
Je mehr das Vertrauen wuchs, desto größer wurden die Fortschritte, die Forster unter dem Sattel machte. Nachdem die Basis gelegt war, ging alles rasend schnell. Forster musste man nichts zweimal erklären, er verstand sofort. Inzwischen schien ihm die Zusammenarbeit mit seinem Reiter Spaß zu machen. „Man sagt das ja immer schnell, dass das Pferd für einen kämpft und alles für einen gibt. Aber bei Forster ist es wirklich so“, sagt Nabben. „Er will einem alles recht machen.“
Von null auf Grand Prix
Zwei Jahre nachdem Nabben Forster als schwierigen Fall übernahm („Ich könnte mir vorstellen, hätten wir ihn nicht genommen, wäre er früher oder später zum Schlachter gegangen.“), ging er bereits die ersten M**- und S-Prüfungen. Neunjährig konnte er das Grand Prix-Programm. Den Dreh mit Piaffe und Passage hatte er sofort raus. „Dafür sind wir damals zu Familie Balkenhol gefahren“, berichtet Nabben.
Klaus Balkenhol meinte auch, der wird mal richtig gut.
Der Reitmeister und ehemalige Bundestrainer sollte Recht behalten, wie spätestens in den letzten Monaten immer deutlicher wurde. „Das Schöne ist, ich habe das Gefühl, da ist noch viel mehr Potenzial in ihm. Ich kann noch nicht alles abrufen, aber es wird immer besser. Alles, was er braucht, ist noch mehr Kraft und Selbstbewusstsein.“
Zum Verkauft steht er übrigens nicht. „Natürlich, als er sich letztes Jahr für das Louisdor-Preis Finale qualifiziert hat, gab es viele Anfragen. Aber ich möchte ihn selbst weiter reiten. Außerdem weiß ich nicht, wie das woanders mit ihm funktionieren würde. Er ist ein Sensibelchen. Er braucht seine vertrauten Partner.“
Ausblick
Seit letztem Jahr wird Nabben auch von Bundestrainerin Monica Theodorescu im Training unterstützt. Das will er unbedingt fortsetzen. „Ich weiß, da gibt es noch massig Stellschrauben, an denen wir arbeiten können. Aber das ist ja auch schön! Nun können wir an den Feinheiten feilen.“
Wie genau die Turniersaison für Forster aussehen soll, stimmt Nabben mit der Bundestrainerin ab. Aber fest steht schon jetzt, dass er in Hagen und bei den Deutschen Meisterschaften in Balve reiten soll – zwei Turniere, bei denen schon die Teilnahmeerlaubnis ein Ritterschlag ist.



