Don Hitmeyer: Warum das Scheren menschliche Abgründe offenbart und das weltweit
Don Hitmeyer: Über Scheren und die Niedertracht der menschlichen Spezies
Don Hitmeyer ist kein Fan des Scherens. Neiiiiiiin! Da ist es wieder. Dieses Geräusch, das den blanken Horror verspricht. Hört ihr es auch? Schrill. Penetrant. Durch Mark und Bein geht dieses Stakkato, das sich anhört wie das Produkt einer Kettensäge, die einer Nähmaschine mal sehr viel nähergekommen ist, als es sich gehört.
Erbarmungslos rattert, stottert, sirrt es. Schlimmer als ein Hornissengeschwader oder eine Tausendschaft besoffener Mücken im Attackemodus.
Es ist soweit – die Schermaschinen werden wieder hervorgekramt. Ich meine, es ist ja nicht so, dass wir Pferde uns ein dickes Fell zulegen, weil wir uns nichts besseres vorstellen könnten. Ich meine, let’s face it: Das Verhältnis zwischen Pferd und Pferdemensch funktioniert nur nach den Prinzipien einer guten Ehe. Man muss halt einiges ertragen können. (Und nun frage sich bitte niemand mehr, warum so viele von uns trageerschöpft in der Box stehen …). Deswegen eben auch das dicke Fell. Da perlt nicht nicht nur der Regen auf dem Paddock ab – also an den nicht von Decke und Halsteil mit Waterstop bedeckten Bereichen. Sondern auch manch eine Unzulänglichkeit, selbstredend eine menschliche, die einem als zivilisierter Kreatur, die nicht in King Kong-Manier im aufrechten Gang auf zwei Beinen unterwegs ist, die Haare zu Berge stehen lässt.
Meine These: Weil die Menschen ja immer noch dem Irrglauben nachgehen, sie seien besonders, uns überlegen, die Kirsche auf der Sahnehaube der Schöpfung, lassen sie keinen Moment verstreichen, ihre vermeintliche Vorzugsstellung uns sensiblen Geschöpfen spüren zu lassen. Und sei es mit einer Höllenmaschine, die wahlweise am Kabel oder per Akku ihre Schandtaten unterstützt.
Die Menschenverraten sich. Ihre Sprache spricht, kleiner Kalauer, Bände – Kommunikationsexperte Dr. Don Hitmeyer darf das mal kurz erläutern: Wie nennt man jemanden, der sein Gegenüber mit Peitschen schlägt und in die Seite sticht und sich abstruser Metallkonstruktionen bedient, um jemand gefügig zu machen? Wie bitte? Reiterin? Nein. Das wäre zu einfach. Man muss genereller denken. Ich gebe mal ein paar Stichworte: Streckbank, glühende Metallspieße, Water Boarding … Genau, Folterschergen. Ein Wort, das man richtig aussprechen muss: FolterSCHERgen. Da haben wir es.
Die Menschen schrecken grenzübergreifend vor nichts zurück. Beispiel Frankreich: Dort scheren sie ja sogar ihre Freunde. Und das jeden Tag. SCHER Amie! So sprechen die sich gegenseitig an. Noch unverständlicher, was man im angelsächsischen Bereich mit Autos macht. Die haben ja schon eine mehr als blanke Oberfläche. Dennoch gibt es viele Anbieter von Car SCHERing-Angeboten. Besonders clevere Geschäftsleute, Big Business, you know, gehen für den Erfolg bekanntlich über Leichen. Alles nur wegen des SCHERholder Value. Wenn sie sich abends dann in ihrem Büro im 37. Stock mit der Vollverglasung, die einen Blick auf die Skyline von New, York, London, whatever zulässt, belohnen wollen, öffnen sie verstohlen die unterste Schublade ihres Schreibtischs und gönnen sich ein Mon SCHERie. Genau – Ih! Unfassbar!
Wenn Vertreter solch einer niederen Spezies sich dann an meiner, ähm, wie sage ich’s, „Bikinizone“ zu schaffen machen, soll ich stillstehen und das über mich ergehen lassen? Sorry, so nicht. Ich meine, mal ganz ehrlich, das maschinengewordene Säbelrasseln in der Körpermitte – na, da möchte ich mal meinen Reitmenschen sehen. Obwohl… Nein. Lieber nicht. Bitte den letzten Gedanken steichen – wo sind denn die Bilder von Hundewelpen, wenn man sie braucht?
Ich habe mich gegen das Säbelrasseln an der Schnur geweht. Vergeblich. Der SCHERge hat sich Verstärkung geholt. Ich war chancenlos. Ich musste Wolle lassen, auch wenn ich das nicht wollte.
Und mein Reitmensch? Der pfiff ein fröhliches Liedchen, während er meine Bauchnaht barbierte. „Strong enough“. Sehr witzig. Und, natürlich, von Cher …


