
Becky Moody. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Becky Moody, Jahrgang 1980, war der Shooting Star der Dressurszene, als sie beim Weltcup-Turnier in London 2023 Dritte hinter den championatserprobten Paaren Charlotte Dujardin/Imhotep und Charlotte Fry/Evedale wurde. Dabei ist ihr Dante Weltino-Sohn Jagerbomb auf den ersten Blick nicht unbedingt ein Eyecatcher – brauner Wallach mit wenig Weiß, kräftig, Punkt. So denkt man jedenfalls, wenn man ihn im Stall trifft. Und so dachte auch Becky Moody, als sie ihr Zuchtprodukt heranwachsen sah. Er war so normal, dass sie schon überlegte, ihn zu verkaufen. Ihre Schwester überredete sie dann, „Bomb“ zu behalten. Welch Weitsicht!
Denn heute muss man sagen: Wenn Moody im Sattel sitzt und Bomb zu tanzen beginnt, ändert sich das Bild. Der auf den ersten Blick etwas plumpe Wallach ist das Paradebeispiel dafür, was klassisch gute Dressurarbeit aus einem Pferd machen kann – einen leichtfüßigen, athletischen Tänzer, der am Zwirnsfaden zu reiten ist. Das ist im Wesentlichen der Verdienst von Becky Moody, Bombs Züchterin, Besitzerin, Ausbilderin und Reiterin in Personalunion.
Becky Moody wuchs als jüngste von drei Schwestern auf, und ist der festen Überzeugung, dass dieser Umstand dazu geführt hat, dass sie eine äußerst ehrgeizige Person ist. Zusammen mit ihrer Schwester Hannah hat sie die Reiterei inzwischen zu ihren Beruf gemacht und führt einen Ausbildungsstall in Sheffield.
Bereits in ihrer Kindheit waren die Schwestern Moody lieber im Stall als in der Schule. Becky war neun Jahre jung, als sie sich zum ersten Mal für die nationalen Meisterschaften der Ponyclubs qualifizierte und nahm hier zehn Jahre in Folge mit fünf verschiedenen Ponys teil. Mit 14 war sie Reservistin für die Pony-Europameisterschaften und wie auf ihrer Website zu lesen steht:
„Das alles bedeutete, dass sie die Schule schwänzte und wunderbare Entschuldigungsbriefe verfasste – alles vergebens – die Lehrer waren sich der Situation vollkommen bewusst und billigten sie entweder oder waren der Ansicht, dass sie ihre akademischen Fähigkeiten ,an Pferde‘ verschwendete.“
Was ihr mit 14 nicht gelang, klappte mit 15: die Qualifikation für die Euro, nun schon bei den Junioren mit dem Pferd ihrer Schwester, Sir Fred. Später nahm sie auch an den U21-Europameisterschaften teil. In ihrer Nachwuchszeit gewann sie zweimal Bronze mit der Mannschaft.
Seit 2002 trainiert Moody mit David Hunt, ehemals Präsident der International Trainers Foundation und Teil des Judging Supervisory Panels bei zwei Olympischen Spielen. Außerdem hat Carl Hester Moody bei der Arbeit mit Jagerbomb unterstützt.
Der Wallach war das Pferd, das Moody 2023 ihren internationalen Durchbruch bescherte. Im gleichen Jahr war sie Reservistin für die EM in Riesenbeck. Doch auf dem Kontinent kannte man sie bis dato noch nicht wirklich, da sie ihre CDI-Ergebnisse sämtlich in England erritten hatte. Das änderte sich in den folgenden Monaten. Und spätestens als sie 2024 zur Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Paris beitrugen, hatten sie die Herzen auf ihrer Seite.
2025 wurde es Mannschaftssilber bei der EM in Crozet – und ein knapp geschlagener vierter Platz in der Kür. Ergo: Da geht noch was!