Wendy de Fontaine

Wendy de Fontaine und Isabell Werth im Grand Prix Special bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Foto: sportfotos-lafrentz.de
- Name: Wendy de Fontaine
- Geschlecht: Weiblich
- Jahrgang: 2014
- Rasse: Dänisches Warmblut
- Vater: Sezuan
- Muttervater: Soprano
- Züchter: Kurt Gosmer
- Größte Erfolge: Mannschaftsgold und Einzelsilber Olympische Spiele 2024, Teamgold und zweimal Einzelbronze bei der EM 2025, Siegerin im Großen Dressurpreis von Aachen 2024.
Eines der letzten Fohlen, die bei dem dänischen Pferdezüchter Kurt Gosmer das Licht der Welt erblickten, war eine langbeinige schwarze Stute, eine Tochter des Sezuan aus der damals achtjährigen Soprano-Tochter Skovens Vanilla v. Soprano-Solos Landtinus-Lobster. Das Fohlen erhielt den Namen Queenparks Wendy, heute besser bekannt als Wendy de Fontaine. Es war eine auffällige Erscheinung mit sehr guten Bewegungen, so hatte Gosmer keine Schwierigkeiten, die kleine Wendy schon als Fohlen zu verkaufen. Doch sie blieb nicht lange in ihrem neuen Heim. Aus persönlichen Gründen musste die neue Besitzerin, Züchterin Annette Bugge, das Fohlen wieder verkaufen. Sie schickte Pferdehändler Andreas Helgstrand ein Video. Der erkennt ein gutes Pferd, wenn er es sieht. So wuchs Queenparks Wendy auf den Wiesen von Voskov in Nord Jütland auf.
Schon als Remonte war Queenparks Wendy ein außergewöhnliches Pferd. Als Dreijährige wurden sie und ihr Züchter Kurt Gosmer mit der Goldmedaille des Dänischen Pferdezuchtverbandes ausgezeichnet. Fünfjährig gewann die Stute das dänische Jungpferdechampionat. Sie gehörte zu den Pferden, die Andreas Helgstrand selbst ritt und auf Turnieren vorstellte. Fünf- und siebenjährig vertrat Wendy den Dänischen Warmblutzuchtverband bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Beim ersten Auftritt gewann sie Bronze. Siebenjährig belegte sie Rang sechs.
Grand Prix-Karriere
Andreas Helgstrand brachte die Stute bereits achtjährig in den Grand Prix-Sport. Sie war national siegreich und international hoch platziert. Doch so richtig Fahrt nahm die Karriere der Stute erst auf als sie zu Isabell Werth kam und umbenannt wurde. Zwar war Bolette Wandt vom Château de Fontaine auch schon bei Helgstrand Mitbesitzerin der Stute, aber umgetauft von Queenparks Wendy auf Wendy de Fontaine wurde die Stute erst bei Isabell Werth. Im Januar 2024 war Andreas Helgstrand noch Mitbesitzer der Stute. Seit Juli 2024 gehört sie auch offiziell allein Isabell Werths langjähriger Mäzenin Madeleine Winter-Schulze und Bolette Wandt.
Der Grund für den Reiterwechsel Anfang 2024 war die Fernsehreportage über die Trainingsmethoden im Stall Helgstrand, die im Herbst 2023 im dänischen TV ausgestrahlt wurde. Daraufhin wurde Andreas Helgstrand vom dänischen Verband aus dem Kader gestrichen. Das führte dazu, dass die Olympischen Spiele 2024 in Paris ohne ihn stattfanden. Er gab daraufhin seine beiden besten Pferden – neben Wendy auch den inzwischen verstorbenen Jovian – zu anderen Reitern: Jovian zu Patrik Kittel, Wendy zu Isabell Werth.
Diese neue Paarung bedeutete nicht nur eine neue Ära für Wendy und Werth, sondern war auch der Beginn der engen Zusammenarbeit zwischen Isabell Werth und Helgstrand, die dazu geführt hat, dass Helgstrand Germany seit Anfang 2026 auf der Anlage von Isabell Werth in Rheinberg stationiert ist.
Von null auf Olympiagold
Für Werth kam Wendy zur rechten Zeit im Vorfeld der Olympischen Spiele. Zwar hatte die erfolgreichste Reitsportlerin aller Zeiten mit Quantaz noch den Mannschaftseuropameister des Vorjahres im Stall, doch die Chance auf eine Einzelmedaille war mit Wendy größer – und die auf eine Titelverteidigung mit der Mannschaft ebenfalls. Innerhalb weniger Wochen hatten die beiden so weit zusammengefunden, dass sie auf Anhieb in Aachen siegreich waren. Die Stute veränderte sich in dieser Zeit sehr, muskelte auf, wurde runder und bewegte sich geschmeidiger. Piaffieren und Passagieren konnte sie schon immer wie eine Weltmeisterin.
Nach ihrem Erfolg in Aachen – wo das damals dominierende Paar Jessica von Bredow-Werndl und Dalera nicht zugegen waren – wurde das Paar Werth/Wendy neben den Doppelolympiasiegerinnen aus Tokio sowie Frederic Wandres und Bluetooth für Paris nominiert. Womit niemand gerechnet hat: Sie lieferten nicht nur ein Personal Best (das sie inzwischen überboten haben) in Grand Prix und Special, sondern auch eine so gute Kür, dass sie Silber in der Einzelwertung gewannen. Wobei sie hier auch davon profitierten, dass das beste Paar aus dem Grand Prix, Cathrine Laudrup Dufour und Freestyle, nicht in der Form war, wie noch zu Beginn des Turniers.
Ein Jahr später, bei den Europameisterschaften in Crozet, wendete sich das Blatt zugunsten des dänischen Paares, das Silber holte, während Werth und Wendy Bronze gewannen. Und beide mussten sich der belgischen Dressur-Sensation Justin Verboomen auf seinem bildschönen Zonik Plus geschlagen geben. Die Geschichte von Werth und Wendy ist indes noch lange nicht auserzählt.
Mehrfache Mutter
Wendy sorgt nicht nur sportlich für Schlagzeilen, sondern auch züchterisch. Sie hat bereits sieben Nachkommen, alles Hengste, drei davon gekört. Einer der jüngsten, der 2020 geborene Franklin-Sohn Ferdinand de Fontaine, vertrat 2025 die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde, qualifizierte sich mit der Finnin Merita Hagren im Sattel als Drittplatzierter der Qualifikation fürs große Finale, wo er Elfter wurde.
Das Talent ihrer Nachkommen ist ebenso wenig ein züchterischer Zufall wie Wendy selbst. Die Stute kommt aus einem erfolgreichen dänischen Mutterstamm. Ihre Großmutter, die Elitestute Viola Stensvang v. Solos Landtinus, brachte drei Fohlen, zwei Hengste und eine Stute. Der Conteur-Sohn Royal Flush wurde ein in 1,50 Meter-Parcours erfolgreiches Springpferd, der Romanov-Sohn Skovens Rosselli ein S***-Dressurpferd. Und die Stute wurde Mutter von Wendy.
Aus Wendys Mutterstamm ging unter anderem auch noch eine andere Stute hervor, die Dänemark mehrfach bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde vertreten hat und schon allein deshalb zu den besten Nachwuchsdressurpferden der Welt gehört: die Revolution-Tochter Valerie B. Auch sie wurde im Stall Helgstrand ausgebildet, vertrat das DWB fünf- und sechsjährig unter Anne-Mette Strandby Hansen bei der WM, gewann beide Male die Qualifikation und wurde Vierte im Finale. Inzwischen siebenjährig, steht die Stute nun bei Patrik Kittel und hat ihre erste S-Dressur auf Anhieb mit deutlichem Vorsprung gewonnen.
Valerie B und Wendy haben mit Vanessa Stensvang v. Lobster eine gemeinsame Urahnin. Bei Wendy ist diese DWB-Goldmedaillenstute die Urgroßmutter, bei Valerie B die Großmutter.