Pommery Look gewinnt Bundeschampionat der vierjährigen Stuten und Wallache 2026

Pommery Look erste Reitpferde-Bundeschampionesse nach neuem Format

Zucht
Vierjährige Bundeschampionesse 2026: Pommery Look OLD mit Alina Schneider.
Foto: Rebecca Thamm Vierjährige Bundeschampionesse 2026: Pommery Look OLD mit Alina Schneider. Foto: Rebecca Thamm
Erstmals wurde das Bundeschampionat der vierjährigen Reitpferde in Form einer Dressurpferdeprüfung Kl. A ausgetragen. Pommery Look ist die Premieren-Siegerin.

Schon in der Qualifikation für das Bundeschampionat der vierjährigen Stuten und Wallache hatte die Oldenburger Stute Pommery Look OLD aus der Erfolgszucht von Christine Arns-Krogmann die Nase vorn gehabt. Und auch heute war die Stute mit ihrer Ausbilderin Alina Schneider das Pferd, das die Ehrenrunde anführte.


Pommery Look ist eine Tochter des Florida TN. Ihre Sir Donnerhall-Mutter vertritt den zweiten Arns-Krogmann Erfolgsstamm neben dem der Weihegold, nämlich den der Anglo-Araber Stute Primera X v. Inshallah AA. Das Edelblut kann Pommery Look nicht verleugnen. Sie ist eine feingliedrige Ballerina und genauso bewegt sie sich auch – leichtfüßig und anmutig. Alina Schneider verstand es meisterhaft, genau das heute in der Dressurpferdeprüfung Klasse A zur Geltung zu bringen.


Pommery Look wirkte mit der Aufgabe, die Prüfung allein auf dem Viereck absolvieren zu müssen, nicht überfordert. Schneider kam zum Reiten, ohne treiben zu müssen. Sie konnte weich Kontakt halten und der Hand hinterherreiten. In Kombination mit dem engagierten Hinterbein war das Ergebnis eine Kopf-Hals-Einstellung, wie man sie sich bei einem vierjährigen Pferd wünscht. Die Übergänge gelangen weich durch den Körper und gut ausbalanciert. Das Dehnen beim Zügel aus der Hand kauen lassen war geradezu mustergültig. Was man bemängeln kann: Die Vorderhufe landen im Trab nicht dort, wohin sie zeigen.


Kommentierung


Die Kommentierung für die Richter hatte Katrin Burger übernommen. Die Grand Prix-Ausbilderin erklärte:


„Ein sehr leichtfüßiger, sehr federnder Trab. Das Pferd bewegt sich wie auf Daunen geschmeidig ins Bergauf. Auch die Verstärkung in schönem Gleichmaß, auch von der Reiterin im Tempo nicht überfordert, sondern das gefragt, was das Pferd vierjährig leisten kann. Insgesamt ein sehr guter Trab, 9,0.“


Im Schritt lobte Burger das klar geregelte Gleichmaß und das losgelassene Schreiten über den Rücken, die Dehnungsbereitschaft und den „guten bis sehr guten Vor- und Übertritt“ – 8,7.


Was die bergauf angelegte und schon sehr getragene Galopparbeit anging – hier gab es sogar eine 9,5. Und in Sachen Durchlässigkeit hieß es: „Zur Rittigkeit ist zu sagen, das Pferd schon weit gefördert, gut geradegerichtet. Zu Beginn vielleicht noch ein klein wenig unsicher in der Anlehnung, aber das hat sich schon nach der ersten Runde gegeben. Das Pferd fand zur inneren Losgelassenheit mit sehr guter Anlehnung, ruhigem Maul, immer geschlossen kauend, ganz sicher über den Rücken arbeitend, sehr gut herausgearbeitete Übergänge – 9.0.“


Zusammen mit dem Gesamteindruck eines Pferdes „mit viel Potenzial“ von 9,2 ergab das ein Endergebnis von 9,08. Das reichte für den Titel.


Silber an den Spezialeffekt


Auch auf Rang zwei änderte sich nichts gegenüber der Qualifikation. Thomas Schulze platzierte hier die Westfalen Stute mit dem schönen Namen Spezialeffekt, eine Segantini-Tochter aus einer Lemony’s Nicket-Mutter. Sowohl Vater als auch Muttervater waren also Schärpenträger auf dem Warendorfer Reitpferdeviereck. Ihre Tochter bzw. Enkelin hat nun eine Silbermedaille.


Spezialeffekt mag eher klein von der Statur sein, aber wenn sie sich bewegt, wird sie groß. Elastisch und fleißig federte sie in Trab und Galopp ins Bergauf. Im Trab hätte man sich vielleicht noch ein bisschen mehr Fluss vorstellen können. Mit dem Tritte verlängern auf der Diagonalen schien sie sich die ersten paar Tritte kurz schwerzutun, aber dann fand sie den Vorwärtsgang und begann sehr gut an die Hand heranzuarbeiten. Insgesamt zeigte sich auch Spezialeffekt über weite Teile der Aufgabe schön in der Anlehnung.


Der Schritt war fleißig und geregelt, dabei mit vorbildlicher Dehnung an die Hand. Beim Angaloppieren schien noch etwas Spannung aufzukommen, jedenfalls schlug die Stute während der Galopptour einige Male mit dem Schweif. Aber sie entwickelte ein sehr schönes Galoppsprünge verlängern, die Übergänge gelangen sicher und beim Zügel aus der Hand kauen lassen suchte die Stute den Weg in die Tiefe.


Kommentar Katrin Burger


Im Trab erhielt Spezialeffekt heute mit 9,2 die höchste Bewertung von allen. Katrin Burger: „Eine Stute, die hier durch ganz viel Dynamik und Motorik aus dem Hinterbein überzeugt. Im Trabe ganz sauber und energisch duschfußend. Die Stute immer beim Reiter mit einer sehr guten Vorderbeinmechanik. Eine ganz sichere Trabverstärkung aus dem Hinterbein über den Rücken nach vorne entwickelt.“


Im Schritt hätten die Richter sich „vielleicht noch etwas mehr Vor- und Übertritt“ zusätzlich zu all den guten Attributen gewünscht, 8,2.


Auch im Galopp hob Katrin Burger das energische Hinterbein hervor. Für eine noch höhere Note als „heute 8,6“ hätten die Richter sich noch mehr Raumgriff, noch mehr Durchsprung ins Bergauf gewünscht.


In Sachen Durchlässigkeit lobten die Richter die Mitarbeitsbereitschaft der Stute. „Ein Pferd, das immer zuhört, immer fleißig ist, immer versucht alles richtig zu machen.“ Außerdem hoben sie die geschmeidigen Übergänge ebenso hervor wie das Zügel aus der Hand kauen lassen. 9,0 wurden es hier.


Die 8,7 im Gesamteindruck war nicht nur dem Talent der Stute geschuldet, sondern auch den Eigenschaften, die schon in der Durchlässigkeit erwähnt wurden: der Einstellung der Stute. „Das ist ja etwas, was wir Reiter nicht hoch genug schätzen können, wenn die Pferde hier in dieser Atmosphäre als Vierjährige so eine Runde abliefern, muss man sagen, das ist schon beeindruckend.“ Als Wertnote formuliert: 8,7 für die Perspektive, 8,74 für das Gesamtpaket.


Zweimal Fair Deal


Der im Landgestüt Moritzburg stationierte Fair Deal v. Franklin stellte mit der Bronzegewinnerin Fenya-Fae unter ihrer Besitzerin Laurien Martin und dem viertplatzierten Fair Game unter Mette Sejbjerg Jensen für Helgstrand Dressage gleich zwei Finalisten bei den Stuten und Wallachen.


Die Bronzemedaillengewinnerin ist eine DSP-Stute aus einer Millennium-Mutter, gezogen von Dirk Schmidt. Millennium hat bei ihr optisch einen großen Beitrag geleistet, edel aufgemacht wie Fenya-Fae ist. Laurien Martin hatte sie schon in der Qualifikation sehr vorsichtig und gefühlvoll vorgestellt. Das gelang ihr auch heute. Die Stute ist ebenfalls die Sorte „Primaballerina“, bewegt sich leichtfüßig mit großer Elastizität.


Für noch höhere Noten als 8,2 (Trab), 8,3 (Schritt), 8,5 (Galopp), 8,0 (Durchlässigkeit) und 8,4 (Gesamteindruck) hätten die Richter sich im Trab ein noch energischer abfußendes Hinterbein gewünscht. Außerdem bemängelten sie, dass die Stute zeitweilig geringgradig schief wurde nach rechts. Auch im Galopp waren Geschlossenheit und Durchsprung ein Thema. Die Schiefe nach rechts wirkte sich auch auf die Durchlässigkeit aus. Außerdem sollte die Tragkraft der Hinterhand verbessert werden.


Fair Game


Fair Game, ein Hannoveraner aus einer Escolar-Mutter, gezogen von Ingo Könemann und im Besitz von Helgstrand Dressage, gehört was die Qualität der Grundgangarten angeht sicherlich zu den besten Pferden dieses Finales mit einem sehr kraftvollen, akzentuierten Bewegungsblauf bei viel Aktion im Trab (8,8), einem geregelten Schritt, der noch etwas mehr Vor- und Übertritt haben dürfte (8,5) und einem wirklich springenden bergauf angelegten Galopp (8,7).


Doch beim Angaloppieren auf beiden Händen hatten die beiden heute Probleme, und links sprang der Wallach zurück in den Kreuzgalopp. Es kam Spannung auf und Sejbjerg Jensen ritt eine weitere Zirkellinie, um den Wallach wieder zu sich zu holen, was zusätzlich Abzug bedeutete. In der Durchlässigkeit gab es eine 7,7, im Gesamteindruck eine 8,5.


Zusammen mit dem Abzug von 0,2 für den Extra Zirkel bedeutete das ein Endergebnis von 8,24 und Rang vier für Fair Game.


Be my Sunshine nur Achte


Letztes Jahr Siegerin, in der Qualifikation Dritte – man war gespannt, ob die Westfalen-Stute Be My Sunshine v. Benicio-For Dance unter ihrer Züchterin und Besitzerin Christiane Ulmker auch dieses Jahr eine Medaille gewinnen würde.


Die Stute präsentierte sich im Trab mit lehrbuchreifem Seitenbild, wirkte aber zum Teil etwas abgelenkt und daher nicht immer ganz gleichmäßig ausbalanciert. Das Zügel aus der Hand kauen lassen wurde heute kaum gezeigt. Im Schritt schaute sich Be my Sunshine interessiert um und hob sich dabei etwas heraus. Aber sie hatte insbesondere im Galopp auch ganz tolle Momente und die ganze Parade auf der Mittellinie zum Schluss war noch mal ein Highlight.


Es gab großen Applaus, aber die Richter konnten sich heute nur bedingt für die Stute erwärmen. Sie lobten Geschmeidigkeit und Losgelassenheit sowie die ansprechende Anlehnung. Aber sie wünschten sich mehr Abdruck aus dem Hinterbein über den Rücken ins Bergauf, mehr Durchschwingen und merkten eine Schiefe nach rechts an.


Im Trab gab es eine 7,8, im Schritt eine 7,6, im Galopp 8,3, in der Durchlässigkeit – wo noch einmal die Schiefe sowie das verbesserungswürdige Arbeiten von hinten nach vorne über den Rücken betont wurde – eine 7,8 und im Gesamteindruck 8,0. Das ergab eine Endnote von 7,9, in diesem Jahr Platz acht von acht Finalisten.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


Ähnliche Beiträge

Perfect Ritme, Real Dream und So You Can Dance sind die „niederländischen Bundeschampions“
Perfect Ritme, Real Dream und So You Can Dance sind die „niederländischen Bundeschampions“ Zum Artikel
18-jährige Sina Brügger siegt nach Videobeweis im Bundeschampionat der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde mit Westfale Hallox
18-jährige Sina Brügger siegt nach Videobeweis im Bundeschampionat der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde mit Westfale Hallox Zum Artikel
Bundeschampionat sechsjährige Springpferde: Im Sattel des Winners (Cincinnati) – die Hinners!
Bundeschampionat sechsjährige Springpferde: Im Sattel des Winners (Cincinnati) – die Hinners! Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing