Malin Hansen-Hotopp und Quidditchs Dressur bei der WM in Aachen – nicht ganz, was möglich gewesen wäre

WM Dressur von Malin Hansen-Hotopp und Quidditch – „Ritt auf dem Vulkan“

The Floor is lava … Malin Hansen-Hotopp hatte heute das Gefühl, sie sitzt auf einem Vulkan.
Foto: sportfotos-lafrentz.de The Floor is lava … Malin Hansen-Hotopp hatte heute das Gefühl, sie sitzt auf einem Vulkan. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Malin Hansen-Hotopp und Quidditch haben eine gute Dressur gezeigt bei der WM in Aachen – aber nicht so gut, wie sie hätte sein können.

Gestern bei der Auftaktpressekonferenz zur Vielseitigkeits WM in Aachen hatte Geländespezialist Andreas Dibowski noch gesagt, für die Buschpferde seien die heißen Außentemperaturen (wegen der sich morgen die Startzeiten im Grand Prix Special ändern, dazu kommt noch eine gesonderte Meldung) eher von Vorteil – in der Dressur wären sie ruhiger, im Gelände mache das Wetter ihnen nichts aus. Das mit dem „ruhiger“ mag auf einige Pferde zutreffen, nicht so auf Malin Hansen-Hotopps 14-jährigen Holsteiner Schimmel Quidditch K. „Es war ein Ritt auf dem Vulkan“, lautete das Fazit der Mannschaftseuropameisterin 2025. Und damit meinte sie weder die Außentemperaturen über 30° noch den Boden („Der Boden ist ganz, ganz, ganz toll. Großes Lob an den Veranstalter!“).


36 Grad und Quidditch wird noch heißer


Zu Anfang war alles super – Quidditch trabte toll, ausdrucksvoll in schöner Selbsthaltung, kandenziert in den Seitengängen, durchlässig in den Rückführungen. Das Halten kam etwas abrupt. Aber das Rückwärtsrichten sieht man bei keinem Grand Prix Pferd besser. Da hagelte es bereits 7,5er und 8er-Noten. Die Platzziffer (1) leuchtete mehrfach auf der Anzeigetafel auf. „Er ging wirklich gut. Ich konnte ihn richtig schön nach vorne-oben in der Anlehnung halten und vorschieben. Die Trabtour war wirklich toll“, beschrieb Malin ihr Gefühl im Sattel.


Dann kam der Schritt – auch noch alles fein. Eine der Tücken der Aufgabe ist aber das Angaloppieren bei C im Außengalopp. Hier sprang Quidditch falsch, sprich im Handgalopp an. „Er stand da wohl so unter Strom und war fixiert auf andere Dinge. Darum hatten wir da das Missverständnis.“ Ab diesem Moment brauchte es gar nicht mehr die Außentemperaturen, um Quidditch  „on fire“ zu bringen. Er war auch so heiß genug. Trotzdem schaffte Malin es, ihn weitgehend fehlerfrei durch die Galopptour zu lavieren und auch noch richtig ausdrucksvolle fliegende Wechsel zu zeigen. Alles ging gut bis zur letzten Mittellinie. Nach dem Abwenden baute Quidditch einen Wechsel ein, der nicht im Drehbuch steht.


„Ich wollte ihn nach oben schieben, aber er war nicht richtig durch. Das habe ich gemerkt in der letzten Wendung. Da hab ich einmal ein bisschen doll gesessen, was ich die ganze Zeit vermieden habe. Das war total ärgerlich. Aber mit allem anderen bin ich superzufrieden und total happy, dass wir das so trotz der Spannung hingekriegt haben und leben.“ Allerdings muss sie auch zugeben, dass sie lieber eine andere Zahl vor dem Komma stehen gehabt hätte. „Ich hätte schon lieber mit 25 oder 26 gerechnet. Er ist wirklich sensationell gut Dressur gegangen diese Saison. Aber gut, ich bin stolz, dass wir mit den Fehlern unter 30 geblieben sind.“


Kein Dressurturnier


Und eines ist auch klar: Dieses Turnier wird nicht in der Dressur entschieden. „Richtig reeller Weltmeisterschaftskurs“, meint Malin zum Cross. „Das wird auf jeden Fall tough!“ Einmal ist sie die Strecke bereits abgegangen, mit den direkten Wegen ist sie vertraut. Schritt zwei ist es nun, die Alternativen auswendig zu lernen. „So fünfmal werde ich den Kurs wohl abgehen.“ Einmal abgehen ohne Besprechung dauert ca. eineinhalb Stunden.


Der Zwischenstand: Top-Teams auf Tuchfühlung


Nach den ersten beiden Reitern Liegen die Top-Teams nur wenige Punkte auseinander – beziehungsweise gleichauf, denn Neuseeland und Großbritannien haben beide jeweils 55,9 Minuspunkte auf dem Konto und führen das Ranking damit gleichauf an. Für Neuseeland haben Jonelle Price und Senor Crocodillo (27,2 Minuspunkte) und Clarke Johnstone auf Rocket Man (28,7) gepunktet. Morgen gehen für die Kiwis Monica Spencer auf Artist und Tim Price mit Falco ins Viereck.


Die britischen Farben haben heute Gemma Stevens auf Flash Cooley (29,3) und Tom McEwen mit JL Dublin (26,6) würdig vertreten. Morgen reiten Laura Collett auf London und Ros Canter mit Lordships Graffalo.


Deutschland – wo neben Malin Hansen-Hotopp Libussa Lübbeke heute im Einsatz war – liegt mit 59,9 Minuspunkten dicht hinter den Top-Teams auf Rang drei. Dichtauf (61,6) folgt die Schweiz vor Frankreich (64,1) und den USA (64,9). Insgesamt sind 16 Teams am Start.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


 


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