CCI4*-S und mehr aus Strzegom

Felix Etzel und TSF Polartanz Vier-Sterne-Zweite und noch viel mehr aus Strzegom

Felix Etzel und Polartanz. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de Felix Etzel und Polartanz. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de
Die Strzegom Spring Open haben die Buschsaison in Polen eingeläutet. Highlight war der CCI4*-S, der aus deutscher Sicht vor allem für Felix Etzel super lief. Aber hier, wie auch in den anderen Prüfungen gab es auch einige Entdeckungen.

Der Sieg im CCI4*-S ging nach Australien an die 26 Jahre junge Olivia Barton auf dem zehnjährigen APH Sodoku. Der väterlicherseits auf Ramiro zurückgehende Wallach war achtjährig als Olivia (die schon Zweite beim CCI5*-L in Adelaide war) ihn erstmals auf Vier-Sterne-Niveau vorstellte. Seither haben sie mehrere Prüfungen auf diesem Niveau beenden können, aber noch nie auf den vorderen Plätzen. Bis heute.


Mit einer 33,9 Minuspunkte-Dressur begannen sie ihr Wochenende im Mittelfeld. Im Springen blieben sie null und im Gelände waren sie eines der schnellsten Paare mit 4,4 Zeitfehlern. Das reichte, 38,3 Minuspunkte bedeuteten den ersten Vier-Sterne-Sieg für die beiden.


Polartanz in Bestform


15-jährig ist Felix Etzels langjähriger Partner TSF Polartanz nun. Der Trakehner des Jahres 2025 v. Konvoi und sein Reiter haben reichlich gemeinsame Turniererfahrung. Es ist ihre achte gemeinsame Saison im internationalen Sport. Letztes Jahr waren sie unter anderem siegreich in Wiesbaden. Diese Saison begannen sie mit einem dritten Platz im CCI3* in Kronenberg (mit Dressurergebnis) und reisten so gut vorbereitet nach Strzegom.


Das Dressurergebnis von 35,9 Minuspunkten war deutlich schlechter, als man es eigentlich von den beiden kennt. Sie haben auch schon Vier-Sterne-Dressuraufgaben mit unter 30 Minuspunkten bewältigt. Aber der Rest verlief dann in gewohnter Form – null in Springen und an den Hindernissen im Gelände, lediglich 5,5 Zeitfehler, Rang zwei mit 41,1 Minuspunkten in der Endabrechnung.


Um zwei Zehntel geschlagen geben mussten sich die Zweitplatzierten des CCI5*-L in Luhmühlen 2025, Samantha Lissington und Ricker Ridge Sooty GNZ. Sie waren Vierte nach der Dressur, kassierten aber nicht nur 5,2 Zeitfehler im Gelände, sondern auch 4,4 Strafpunkte im Parcours.


Vier weitere Deutsche unter den Top Ten


Arne Bergendahl und seine 14-jährige Schimmelstute Luthien NRW v. La Calido aus familieneigener Zucht sind das einzige deutsche Paar, das dieses Jahr auf der Teilnehmerliste für Badminton steht. Dieses Wochenende haben sie gezeigt, dass sie bereit sind. Für langweilige Dressurarbeit fehlt es der Schimmelstute ganz sicher nicht an Talent, wohl aber an Geduld. Mit 37,1 Minuspunkten starteten sie von Rang 18 ins Wochenende. Aber im Parcours und im Cross zeigte sie ihre ganze Qualität mit souveränen null Fehlern an den Sprüngen und nur 4,4 Zeitfehlern. Mit 41,5 Minuspunkten wurden die beiden am Ende Vierte.


Ein viel versprechendes Pferd hat Ben Leuwer mit dem neunjährigen Holsteiner Schimmel Zuccini MN v. Zuccero unter dem Sattel. Im Oktober hatten die beiden in Strzegom ihr Vier-Sterne-Debüt gegeben. Damals hatten sie noch einen Vorbeiläufer im Gelände. Dieses Wochenende lieferten sie mit 28,6 Minuspunkten das beste Dressurergebnis aller Teilnehmer. Im Parcours hatten sie einen Abwurf, aber im Cross waren sie fehlerfrei an den Hindernissen, kamen lediglich mit zehn Zeitfehlern ins Ziel. 42,6 Minuspunkte in der Endabrechnung bedeuteten im Gesamtergebnis Rang sechs.


Mannschaftseuropameisterin Libussa Lübbeke war mit ihrer Topstute Caramia FRH in Dressur und Springen wie immer souverän unterwegs. Im Gelände mussten Libussa und die 16-jährige Comte-Tochter aus der familieneigenen Zucht sich jedoch neun Strafpunkte für eine „missed flag“ zusätzlich zu sechs Zeitfehlern anrechnen lassen. Das bedeuteten 45 Minuspunkte in Summe und Platz sieben.


Womöglich noch mehr als über den zweiten Platz mit Routinier Polartanz hat sich Felix Etzel vermutlich über den neunten Platz mit seiner Zukunftshoffnung Benoit Bold gefreut. Für den neunjährigen Hannoveraner v. Bonaparte AA war es der zweite Vier-Sterne-Auftritt. Ihre Premiere hatten die beiden letzten September beim Nationenpreis in Lignières, Frankreich, wo die Reise im Gelände allerdings nach einem Reitersturz endete. Jetzt in Strzegom lief es im Cross sehr viel besser mit nur 7,6 Zeitfehlern. Die addierten sich zu 41 Minuspunkten nach Dressur und Springen hinzu. Endergebnis also 48,6 Minuspunkte, ein neunter Platz.


Wahler und sein Neuer


Seit letztem Jahr hat Mannschaftsweltmeister Christoph Wahler Verstärkung für sein Toppferd D’Accord in Gestalt des zehnjährigen Selle Français-Wallachs Gainsbourg de Bedon im Stall. Der war von Stephane Landois ausgebildet worden. Der CHIO Aachen 2025, den sie mit 12,4 Zeitfehlern im Cross und zwei Abwürfen beendeten, war das letzte gemeinsame Turnier der beiden. Inzwischen gehört der Schimmel der Familie von Paepcke. Der 15-jährige Justus von Paepcke ist der Glückliche, der von Wahlers früherem Championatspferd Carjatan S lernen darf.


Und Christoph Wahler ist der Glückliche, der mit Gainsbourg de Bedon einen neuen Schimmel mit Starpotenzial unter dem Sattel hat, wie er dieses Wochenende im CCI3*-S von Strzegom demonstrierte. Mit 29,2 Minuspunkten nach der Dressur hatten sie ihr Turnier begonnen, mit 29,2 Minuspunkten ging es auch zu Ende.


Besser waren nur die Niederländerin Merel Blom-Hulsman und ihr achtjähriger OS-Wallach Checkpoint, die mit ihrem Dressurergebnis von 27,4 Minuspunkten beendeten.


Mit dem neunjährigen Stolzenberg-Sohn Steppke konnte sich Wahler zudem über Rang sechs freuen. Die Dressur war noch ausbaufähig, 34,1 Minuspunkte. Aber da sie es in Gelände und Parcours dabei beließen, konnten sie sich um zehn Plätze nach vorne arbeiten.


Direkt dahinter reihte sich Arne Bergendahl auf der achtjährigen Westfalen-Stute Call Me Pucky ein. Hier waren zu 31,9 Minuspunkten aus der Dressur 2,4 Zeitfehler im Gelände hinzugekommen.


Doppelsieg für Siemer mit Zukunftshoffnungen


Seit dieser Saison hat Anna Siemer ein viel versprechendes neues Pferd im Stall: den Trakehner Hengst Sturmpfeil v. Under Fire. Man kannte den Kostolany-Urenkel bislang unter Jérôme Robiné, der ihn unter zweimal zu Silber beim Bundeschampionat ritt. Auch die ersten internationalen Erfolge feierte Sturmpfeil mit Robiné im Sattel, war mit ihm siegreich bis CCI2*-S. Doch die Saison 2025 endete bei zwei Turnieren in Folge mit Stürzen, erst des Reiters, dann des Pferdes.


Beim CCI2*-S von Luhmühlen Ende März saß denn erstmals Anna Siemer im Sattel des Rappen und ritt ihn auf Rang 13. Dieses Wochenende lief es noch eine ganze Ecke besser. Mit 24,9 Minuspunkten hatten sie die zweitbeste Dressur und im weiteren Verlauf kamen nur 0,8 Zeitfehler im Gelände hinzu. Damit beendeten sie ihr Wochenende auch auf Rang zwei.


Besser war nur Sturmpfeils Stallkollegin Kiss Me, neunjährige Holsteiner Stute v. Diamar, die schon seit 2022 von Anna Siemer turniermäßig vorgestellt wird. Sie hatte 22,3 Minuspunkte für ihre Dressur erhalten und auch bei ihr kamen lediglich 0,8 Zeitfehler im Gelände hinzu.


Komplettiert wurde das deutsche Quartett an der Spitze durch Ben Leuwer auf Hanami auf Rang drei mit ihrem Dressurergebnis von 27,1 Minuspunkten vor Nicolai Aldinger und Giganta, die mit 30,2 Minuspunkten begonnen hatten und damit auch endete.


Es ist übrigens die erste Saison, in der Ben Leuwer die neunjährige zweifache Bundeschampionatsfinalistin Hanami aus der Zucht und im Besitz des Gestüts Fohlenhof vorstellt. Bislang war die Stute stets von seiner Frau Pia geritten worden. Im letzten Herbst waren sie erstmals auf Vier-Sterne-Niveau platziert. Doch das Paar erwartet im Sommer das erste gemeinsame Kind, so dass erst einmal der werdende Vater das Vergnügen mit der westfälischen Tochter des Heraldik xx-Enkels Hambacher hat.


Alle Ergebnisse aus Strzegom finden Sie hier.


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