Abschied von Ausbilder Udo Nesch aus Dortmund
Meister-Ausbilder und Derby-Sieger Udo Nesch verstorben
Udo Nesch mit Woyzeck, der später und Harry Boldt Olympiagold und -silber für Deutschland gewann.
Foto: Archiv von Spiess Udo Nesch wurde als Sohn eines Gestütsleiters in Pommern geboren. Sein Vater war im Krieg gefallen und er kam mit 14 Jahren in russische Gefangenschaft. Mit viel Glück und eisernem Willen gelang es ihm, über Polen nach Deutschland zu entkommen und er landete mit 19 Jahren an der Reit- und Fahrschule Verden, wo er eine Ausbildung zum Bereiter begann. Nach erfolgreichem Abschluss nahm er eine Anstellung bei Otto Meyer in Hoya an.
Mehr als 60 Jahre für den Dortmunder Reiterverein
1954 übernahm Udo Nesch in Dortmund die Betreuung der Pferde des Mäzens Otto Schulte-Frohlinde. Nachdem er sich schnell einen Namen als Ausbilder junger Pferde gemacht hatte, holte ihn der damalige Präsident Günter Jucho zum Dortmunder Reiterverein an der Westfalenhalle.
Dort wirkte er über 60 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung. Auch danach gab er sein Wissen bis ins hohe Alter weiter. Im Jahr 2000 wurde er mit dem goldenen Verdienstabzeichen als Berufsreiter des Deutschen Reiter- und Fahrerverbandes ausgezeichnet.
Reitlehrer alter Schule
Udo Nesch war ein Reitlehrer „alter Schule“. Er achtete konsequent auf korrekten Sitz, präzise Einwirkung und den respektvollen Umgang mit dem Pferd. Disziplin und Achtung vor dem Geschöpf Pferd prägten seine Ausbildung ebenso wie seine fachliche Klarheit.
Als einer der wohl bekanntesten Reitlehrer Dortmunds bildete er viele Reiterinnen und Reiter aus und begleitete sie über Jahre hinweg in ihrer Entwicklung.
Schüler und prägende Ausbildung
Zu Udo Neschs bekanntesten Schülern zählen Reitmeister Karl-Heinz „Kalli“ Streng sowie die Reiterin und Richterin Anke Frömming. In seinen letzten aktiven Jahren gab er sein Wissen unter anderem an die Para-Bayerische Meisterin Marieluise Heigl weiter.
Seine große Zeit als Dressurreiter erlebte Udo Nesch in der Ära Klimke, Boldt und Theodorescu. 1967 gewann er das Deutsche Dressurderby, das damals noch mit Pferdetausch ausgetragen wurde.
Auch im Springsattel war er erfolgreich: Mit Granat gewann er u.a. ein SB-Springen über zwei Meter, und im Großen Preis der Bundesrepublik in der Westfalenhalle erreichte er mit Smoky den dritten Platz. Damit gehörte Udo Nesch zu den vielseitigsten Reitern seiner Zeit.
Ausbildung herausragender Pferde
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Ausbildung von jungen Pferden bis zur schwersten Klasse. In Erinnerung bleibt besonders das Heranführen des Pferdes Woyzeck zur Olympiareife, das 1976 in Montreal mit Harry Boldt im Sattel zum Gewinn der Gold- und Silbermedaille beitrug.
Da Berufsreiter damals nicht an Olympischen Spielen teilnehmen durften, wurde Woyzeck von Harry Boldt vorgestellt.
Auch an der Entdeckung und Ausbildung des Silbermedaillenpferdes Vayron, das 2024 in Paris mit Olympiasilber unter Daniel Bachmann Andersen für Dänemark erfolgreich war und inzwischen von Ingrid Klimke geritten wird, war Udo Nesch maßgeblich beteiligt.
Dankbare Erinnerung
Wir werden Udo Nesch in großer Dankbarkeit in Erinnerung behalten: für die Reitausbildung, die er uns gegeben hat, und für die Werte, die er uns beim Umgang mit Pferden vermittelt hat.
Gerd von Spiess