Großbritannien hat die umkämpfte League of Nations Etappe von Rotterdam gewonnen, Deutschland nicht im zweiten Umlauf

League of Nations-Showdown zwischen USA, GBR und SUI, Deutschland verpasst zweite Runde

Springen
Das neue Dreamteam für Großbritannien: Harry Charles und LT Holst Freda.
Foto: FEI/Leanjo de Koster Das neue Dreamteam für Großbritannien: Harry Charles und LT Holst Freda. Foto: FEI/Leanjo de Koster
Spannender als die League of Nations-Etappe in Rotterdam kann ein Nationenpreis nicht sein. Erst ging es um den Einzug in Runde zwei, dann um den ins Stechen und dann um die Entscheidung zwischen drei Sieganwärtern – zu denen Deutschland diesmal nicht gehörte.

Schon der erste Umlauf der League of Nations Etappe in Rotterdam war ein Thriller. Brasilien oder Deutschland, wer schafft es als achtbestes der zehn Teams in die zweite Runde? Das war die Frage, die die Schlussreiter zu klären hatten. Beide Nationen hatten zwölf Fehlerpunkte auf dem Konto. Vier davon kamen von René Dittmer und Corsica X, acht von League of Nations-Debütant Michael Jung mit seinem erst neunjährigen Fischerheros Z. Das Streichergebnis lieferten Mario Stevens und Starissa, die allein mit zwölf Fehlern aus dem Parcours kamen.


Für Brasilien waren zuvor Marlon Modolo Zanotelli auf Jana Wargers‘ Dorette OLD, Yuri Mansur mit Elano de Laubry Z, Eduardo Pereira de Menezes im Sattel von Londontime und Rodrigo Pessoa mit dem lange im internationalen Sport vermissten Major Tom unterwegs gewesen und hatten alle vier jeweils einen Abwurf. Damit herrschte Strafpunktgleichheit, was bedeutet, die kumulierte Zeit der drei Paare in der Wertung musste über die Platzierung entscheiden.


Schlusspaar für Deutschland, die beiden, an denen alles hing, waren Richard Vogel und Cloudio. Dass der Europameister, s‘-Hertogenbosch- und Aachen-Sieger Nerven hat, steht außer Frage. Schon häufiger entschied seine Runde über Wohl oder Wehe. Und Cloudio sprang wie sein Name es vermuten lässt, nämlich als wollte er die Wolken überspringen – auch und gerade am Wassergraben, wo Richard Vogel ihn sehr dicht heranbrachte. Doch der zwölfjährige Casall-Sohn demonstrierte all seine Qualität und rettete sich fehlerfrei über die weiße Linie. Auch ansonsten blieb alles liegen. Doch was sagte die Zeit? Vielleicht war es der Moment am Wassergraben, jedenfalls hatte Deutschland 211,47 Sekunden auf dem Konto und Brasilien 210,22. Damit war Deutschland raus und konnte sich den zweiten Umlauf von der Tribüne aus ansehen.


Showdown Nummer zwei


Die Niederlande und die Schweiz waren fehlerfrei in den zweiten Umlauf eingezogen. Jeweils vier standen auf den Konten der Iren, der Italiener und der Belgier. Acht schlugen für die Briten und die USA zu Buche. Zwölf waren es wie gesagt bei den Brasilianern. Doch im Laufe der zweiten Runde sollte sich das Blatt ganz erheblich wenden.


Ben Maher auf Marco Kutschers Catelly machte den einen Abwurf aus Runde eins mit einer Nullrunde wett. Ebenso war es bei der 23 Jahre jungen Britin Sienna Charles im Sattel von Chawton. Siennas Bruder Harry hingegen war schon im ersten Umlauf fehlerfrei gewesen, und zwar auf einem Pferd, das er erst seit sechs Wochen unter dem Sattel hat, und das beim Weltcup-Finale in Texas noch spektakuläre Runden unter der neuseeländischen Außenseiterin Julie Davey sprang: die zwölfjährige Colman-Tochter LT Holst Freda. Die beiden waren die Helden des Tages im britischen Team. Die Nummer vier des britischen Teams, die im zweiten Umlauf, wo nur noch drei Reiter pro Nation antreten dürfen, nicht mehr dabei war, war Jessica Mendoza auf Summerhouse. Sie hatten zwei Abwürfe im ersten Umlauf.


Damit blieb es für die Briten bei acht Fehlern, während sich bei den Konkurrenten die Abwürfe häuften. Die Niederlande, die Gastgeber, wurden vertreten durch Bas Moerings auf Ipsthar, Willem Greve mit Grandorado, Harrie Smolders auf Mr. Tac und Sanne Thijssen im Sattel von Cupcake Z. Außer letztere mit acht Fehlern waren alle drei null in Runde eins. Doch beim zweiten Mal forderte vielleicht auch die Hitze ihren Tribut. Allen dreien unterlief je ein Springfehler. Nicht schlecht, aber nicht gut genug. Die Enttäuschung im Stadion von Rotterdam, als bei Schlussreiter Harrie Smolders die entscheidende Stange fiel, war mit Händen zu greifen.


Showdown Nummer drei


Schlussendlich waren es drei Nationen, bei denen jeweils acht Fehler zu Buche schlugen: Großbritannien, die USA und die Schweiz. Sie waren die Führenden nach den beiden kräfteraubenden Runden und mussten nun jeweils ein Paar benennen, das zum dritten Mal antreten sollte. GBR Teamchefin Di Lampard entschied sich für Harry Charles. Gute Wahl. Auch wenn er und LT Holst Freda sich erst seit kurzem kennen, schienen sie bereits bestens aufeinander abgestimmt. Die Stute sprang auch beim dritten Auftritt noch kraftvoll und mit Zug. In fehlerfreien 31,18 Sekunden legten sie die Messlatte für die Konkurrenz hoch.


Als nächstes waren die USA an der Reihe. Robert Ridland schickte die einstige Weltklassevielseitigkeitsreiterin Marilyn Little und ihre elfjährige Stute La Contessa ins Rennen. Die beiden taten, was sie konnten, aber es reichte nicht. 0,07 Sekunden trennten sie von Charles.


Nun lag die Entscheidung in den Händen von Jason Smith und seinem wunderbar springenden elfjährigen Hengst Picobello van’t Roosakker Z für die Schweiz. Der Schimmel springt gewaltig und blieb ebenso fehlerfrei wie seine Konkurrenten. Die Zeit: 31,64 Sekunden. Damit waren die Würfel gefallen: Sieg für Großbritannien vor den USA und der Schweiz.


Aufholjagd und abnormale Pferde


Die Briten waren nachvollziehbarerweise ganz aus dem Häuschen. Harry Charles sagte: „Das ist das Schöne an diesem Format! Wir waren nach der ersten Runde ziemlich im Abseits. Aber in der zweiten Runde haben alle super Leistungen gezeigt!“ Allen voran er selbst. Etwas, was ihn selbst erstaunte. „Freda und ich sind erst seit sechs Wochen ein Team. Eigentlich kann man nach so einer Zeit ein solches Stechen gar nicht reiten. Das geht eigentlich gar nicht. Aber mit Freda schon! Ich bin so froh, sie zu haben!“


Harrys Schwester Sienna betonte, dass sie und ihr Bruder voll an einem Strang ziehen, wenn sie zusammen im Team reiten. „Aber im Großen Preis ist das etwas anderes“, schob sie gleich eine kleine Warnung an den älteren hinterher. Stolz war sie auf ihren Hengst Chawton v. Typhoon aus familieneigener Zucht: „Er wollte einfach null springen. Er ist ein Kämpfer.“


Darauf angesprochen, ob er seinen Mitstreitern Tipps geben konnte, erklärte Auftaktreiter Ben Maher: „Catelly und ich lernen uns gerade erst kennen. Außerdem ist er ein ganz anderes Pferd, als die anderen drei. Von daher konnte ich da nicht wirklich einen Rat geben.“ Geklappt hat es ja trotzdem – etwas, woran Equipechefin Di Lampard auch nach dem durchwachsenen ersten Umlauf nicht gezweifelt hat. „Da hatten wir einfach Pech. Aber ich war zuversichtlich, dass wir in der zweiten Runde das Blatt würden wenden können.“ Zu recht, wie sich dann ja gezeigt hat.


Ranking


Rotterdam war die dritte von nur vier Qualifikationsmöglichkeiten für das League of Nations Finale in Barcelona (1. bis 4. Oktober). Nur die besten acht der zehn Teams aus der Liga dürfen hier antreten.


Kleiner Trost für Deutschland: Auch nach dem heutigen Ausscheiden liegen Otto Becker & Co. mit 230 Punkten an der Spitze der Wertung, allerdings nur noch fünf Punkte vor den Briten. Die Niederländer hätten den Sieg heute bitter nötig gehabt. Sie rangieren momentan an zehnter Stelle auf dem Schleudersitz, ebenso wie Italien auf Rang neun.


Alle Ergebnisse sowie das Ranking in Gänze finden Sie hier. 


 


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