Letzte Etappe der FEI League Nations in St. Tropez an die Gastgeber
Heimsieg für Frankreich bei League of Nations in St. Tropez, Rang acht für Deutschland
Dieses Gefühl, wenn deine Nationalhymne vor heimischem Publikum ertönt – League of Nations-Sieg in St. Tropez für Frankreich.
Foto: FEI/Massimo Argenziano Traumtag für Frankreichs Springsportfans bei der League of Nations Etappe in St. Tropez! Mit nur vier Fehlern sicherte sich das Team den Sieg bei der letzten Station vor dem Finale am ersten Oktober-Wochenende in Barcelona. Dabei war der Anfang eher durchwachsen.
Denn die als Zehnte in der Weltrangliste bestrangierte Französin, Nina Mallevaey, hatte mit ihrem zehnjährigen AES-Wallach Destine to Be v. Diamant de Semilly einen Abwurf am drittletzten Hindernis, einer Triplebarre. Doch es sollte der einzige sein, der zählte. Danach machten Antoine Ermann und Floyd de Pres den Lapsus wett. Simon Delestre und Gatsby du Tillard hatten ebenfalls einen Abwurf, waren aber langsamer als Mallevaey und Destine to Be und bildeten dementsprechend das Streichergebnis. Schlusspaar waren Julien Epaillard und Donatello d’Auge, die mit einer souveränen Nullrunde dafür sorgten, dass nur einer der Vier-Fehler-Ritte gewertet werden musste.
In Runde zwei treten nach League of Nations Reglement nur noch drei Paare an. Equipechef Edouard Couperie verzichtete auf das stärkste Paar, Epaillard und Donatello d’Auge und vertraute auf das Trio Mallevaey, Ermann und Delestre. Die dankten es ihm, indem sie alle drei null sprangen.
Die US-Amerikaner, die nach Runde eins ebenfalls bei vier Fehlern lagen, taten Frankreich den Gefallen, im zweiten Umlauf 16 Strafpunkte zu sammeln und endeten als Sechste.
Die Briten waren mit fünf Fehlern viertbestes Team, hatten im zweiten Umlauf aber sogar 20 Fehler, Platz sieben.
Pech für Brasilien
Eigentlich waren es die Brasilianer, die nach Runde eins wie die sicheren Sieger aussahen. Denn hier lieferten die ersten drei Paare allesamt Nullrunden, so dass der vierte Reiter, Stephan de Freitas Barcha mit Chevaux Primavera Imperio Egipcio gar nicht mehr antreten musste. Er konnte seine Kräfte für Runde zwei sparen – hatte hier aber trotzdem einen Abwurf.
Der Mann mit dem langen Namen, João Victor Castro Aguiar Gomes de Lima und sein wunderbarer Holsteiner Casall-Sohn Cashpaid J&F blieben zwar zweimal null, aber den Siegern des Großen Preises, Marlon Zanotelli und Charly Heart, wollte keine zweite fehlerfreie Runde glücken. Mit einer Nullrunde hätte er ein Stechen erzwungen. Doch ein Abwurf am vorletzten Steilsprung bedeutete vier Fehler, die zählten, acht insgesamt, Platz zwei für Brasilien.
Belgien um eine gute Sekunde geschlagen
Peter Weinbergs belgisches Team hatte wie Brasilien acht Strafpunkte und lieferte drei fehlerfreie Ritte im zweiten Umlauf – war aber langsamer als die Brasilianer und fand sich deshalb auf dem dritten Platz wieder.
Zu den Helden des Tages zählte zum einen Jérôme Guery, der in dem zehnjährigen Quito de Mariposa (v. Comme il faut-Air Jordan Z) einen Nachfolger für seinen langjährigen Erfolgspartner Quel Homme de Hus gefunden zu haben scheint, wie zwei Null-Fehler-Runden heute zeigten. Alles andere als eine Überraschung war die Doppelnull von Abdel Said und seiner unglaublich athletischen Wathnan Bonne Amie.
Komplettiert wurde die belgische Mannschaft durch Niels Bruynseels auf Oaky Flandria, die ihre acht Strafpunkte aus Runde eins im zweiten Umlauf wettmachten, sowie Jos Verlooy und Nixon Van’t Meulenhof, die mit zwölf Strafpunkten das Streichergebnis um ersten Umlauf bildeten und im zweiten nicht mehr antraten.
Und Deutschland?
Das deutsche Team hatte unglückliche Fehler. 28 Strafpunkte insgesamt und Rang acht lesen sich schlechter, als es eigentlich war. Richard Vogel machte mit dem zehnjährigen Gangster de Montdesir den Anfang im ersten Umlauf und ließ den Nationenpreis aussehen wie ein Stilspringen. Erst am letzten Oxer erwischte er den Absprung nicht ganz ideal und die Stange fiel.
Maximilian Weishaupt und Zuccero demonstrierten, wie toll sie zueinander gefunden haben. Aber auch ihnen wurde die letzte Linie zum Verhängnis, ebenfalls ein Abwurf.
Janne Friederike Meyer-Zimmermanns elfjähriger sächsischer Colestus-Sohn Cellagon Cascais empfahl sich in St. Tropez ganz klar als ein Pferd für größere Aufgaben – besonders auf der letzten Linie des ersten Umlaufs, wo er nach einem Riesensatz über die Triplebarre viel weiter in der Distanz landete, als Janne es geplant hatte. Dementsprechend dicht wurde es zum nächsten Steilsprung Nummer elf. Doch Cascais zeigte hier, dass er alles hat, was man sich von einem Springpferd nur wünschen kann, und dass er den Fehler am Aussprung der dreifachen Kombination, wo er ebenfalls etwas zu dicht kam und die Stange fiel, nicht wiederholen wollte. so blieb es bei dem einen Abwurf in Runde eins – und einem weiteren in Runde zwei, wo es einen Flüchtigkeitsfehler am Aussprung der zweifachen Kombination 3ab gab.
Diese Kombination war es auch, an der eine Stange beim vierten deutschen Paar, Marcus Ehning und Coolio, fiel. Danach beschloss der Pferdemann aus Borken, es gut sein zu lassen für seinen Mannschaftsweltmeister und hob die Hand, um zu signalisieren, dass er aufgibt. Es war kein Fehler, weil Coolio die Kraft gefehlt hätte etc. Anscheinend lag der Fokus des Wallachs eher auf dem Wasser unter dem Steilsprung als auf der obersten Stange. Er nahm sie voll mit, flog danach aber wieder mit einem Riesensatz über das b-Element der Kombination, einen Oxer, und mit diesem positiven Gefühl schickte Ehning ihn nach Hause. Im zweiten Umlauf mussten die beiden ohnehin nicht mehr antreten.
Den hatten Janne Friederike wie gesagt mit vier Fehlern eröffnet, und Maximilian Weishaupt und Zuccero zogen nach – mit dem wohl ärgerlichsten Grund, den man sich vorstellen kann. Der Hengst sprang fantastisch. Nur am Wassergraben fehlte vielleicht ein Zentimeter Weite, so dass der Zuccero-Sohn auf die Begrenzung trat. Aber auch dieser Zentimeter muss gewertet werden. Also vier Strafpunkte auch für die beiden.
Richard Vogel und Gangster Montdesir bildeten diesmal das Schlusspaar für Deutschland. Sie hätten selbst mit einer Nullrunde die Ausgangslage des Teams nicht mehr wirklich verbessern können. Auch ihnen wurde ein ganz ähnlich ärgerlicher Wasserfehler angekreidet wie Max Weishaupt und Zuccero. Ein weiterer Abwurf kam am Aussprung der dreifachen Kombination hinzu.
Gesamtwertung
Mit dem zweiten Saisonsieg nach dem Triumph in Abu Dhabi geht Frankreich nun als führende Nation ins Finale in Barcelona. Deutschland liegt nun mit Großbritannien gleichauf an zweiter Stelle.
Allerdings zählt die Rangierung der Saison in Barcelona ohnehin nicht mehr. Hier geht alles wieder von vorne los. Es sei denn man ist die Nation auf Rang neun oder zehn. Denn dann hat man die Qualifikation fürs Finale verpasst. Das betrifft in diesem Jahr die Schweiz und die Niederlande, die heute beide die Chance auf das Finale verspielten, indem sie gar nicht erst die zweite Runde der letzten Etappe erreichten. Bitter für diese beiden großen Springsportnationen.
Während die Schweizer sich mit dem Weltmeister-Titel von Steve Guerdat trösten können, war es für die Niederländer eine Saison zum Vergessen. Bereits nach den Weltreiterspielen in Aachen hatte der Pferdesportverband der Niederlande, KNHS, bekannt gegeben, dass man sich Ende des Jahres von „Bondscoach“ Wout-Jan van der Schans wegen ausbleibender Erfolge trennen werde.
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