Ben Maher sicherte sich den Großen Preis von Rotterdam
Britischer Sieg im Großen Preis von Rotterdam, Vogel vorn dabei
Ben Maher und Point Break, Sieger im Großen Preis von Rotterdam 2026.
Foto: CHIO Rotterdam/Nils Boeser Was hatten die britischen Springreiter für ein Wochenende in Rotterdam! Erst gewinnen sie am Freitag nach spannender Aufholjagd die League of Nations Etappe, dann sorgt einer von ihnen heute dafür, dass auch im Großen Preis „God save the King“ erklang. Ben Maher war der Glückliche, der 48 Konkurrenten in einem der Klassiker des Springsports hinter sich ließ, diesmal im Sattel des schwedischen Hengstes Point Break.
Von den 49 Startern hatten sich elf für das Stechen qualifiziert. Hier ging es zur Sache. Am Ende trennte nicht mal eine ganze Sekunden die Paare auf den ersten drei Plätzen. Bis Ben Maher und der Action-Breaker-Sohn Point Break in den Kampf um den Sieg einstiegen, lag noch Lokalmatador Willem Greve auf dem wunderbaren Grandorado in Führung. Beflügelt von der Unterstützung ihrer Fans waren die beiden schon als viertes Paar mit 43,97 Sekunden durch den Parcours gefegt.
Es sollte vier Paare dauern, bis Greve Zeuge wurde, wie Maher und Point Break in 42,98 Sekunden die Führung übernahmen. Das letzte Paar des Stechens waren der Neuseeländer Luke Dee und Gangster WW. Dee ist die Nummer 336 der Weltrangliste, war auf dem Papier daher der Reiter mit den geringsten Aussichten auf einen der vorderen Plätze. Allerdings sind er und sein zehnjähriger OS-Wallach v. Grand Slam kein unbeschriebenes Blatt. Schließlich nahmen sie 2025 am Weltcup-Finale teil. Von daher war es keine wirklich große Überraschung, dass es ihnen in fehlerfreien 43,14 Sekunden gelang, zumindest Willem Greve noch hinter sich zu lassen.
Doch am Sieg von Ben Maher und Point Break gab es nichts zu rütteln. Luke Dee wurde Zweiter vor Greve.
Das einzige deutsche Paare im Stechen waren Richard Vogel und der Holsteiner Casall-Sohn Cloudio, die schon Freitag in der League of Nations Etappe als einziges Paar fehlerfrei für Deutschland gesprungen waren. Heute ließ der Schimmel erneut erneut in beiden Runden alle Stangen in den Auflagen. Die Zeit reichte für Platz fünf.
Es war mal wieder Zeit für einen Sieg
Ben Maher war überglücklich über seinen Sieg, jedoch nicht über seinen Ritt. „Das Stechen lief nicht ganz nach Plan. Am grünen Oxer gab es einen kleinen Schreckmoment – in dem Augenblick empfand ich es als schlimmer, als es auf dem Video tatsächlich aussah.“ Umso froher war er, dass es trotzdem zu Platz eins gereicht hatte. „Das ist ein wunderbarer Sieg für mich und mein Team zu Hause. Ich habe in meiner Karriere schon viele Höhepunkte erlebt, aber es ist schon eine Weile her, dass ich einen 5*-Grand-Prix gewonnen habe“, so der Weltranglisten-Vierte.
Wem er den Triumph zu verdanken hatte, wusste Maher. „Er (Point Break) ist ein unglaublich gutes Pferd, eines der besten, die ich je geritten bin. Von Natur aus hat er eine etwas kürzere Galoppade, aber er ist clever und athletisch; die Art und Weise, wie er die Hindernisse überwindet, ist so flüssig – manchmal sieht es aus, als hätte er keine Knochen im Körper.“
Kleine Anekdote am Rande: Genau diese Qualität von Point Break war es, die Felicia Wallin, Richard Vogels Stallmanagerin, überzeugte, ihre eigene Springstute mit Point Break anzupaaren. Damals war der Action-Breaker-Sohn aus niederländischer Stutenfamilie noch ein unbekannter Junghengst und sie selbst noch lange nicht bei Vogel und Will beschäftigt.
Ben Maher wirkte nach der Siegerehrung erleichtert und dankbar, als er erklärte: „Wir sind in letzter Zeit oft Zweite geworden. Beim Turnier muss natürlich alles passen, und man braucht auch ein bisschen Glück. Woche für Woche auf diesem Niveau zu reiten, ist eine Herausforderung. Ich habe fantastische Pferde und großartige Unterstützung, also gibt es keine Ausreden: Ich muss Leistung bringen. Es ist toll, dass es heute geklappt hat und ich diesen Sieg mit nach Hause nehmen kann.“
Lernen von den Besten
Überglücklich war auch der Neuseeländer Luke Dee. Seinen zweiten Platz erachtete er als Bestätigung dafür, auf dem richtigen Weg zu sein. Ein Weg, auf dem er seit einiger Zeit prominente Unterstützung genießt.
„Ich trainiere seit anderthalb Jahren mit Nick Skelton und Laura Kraut“, erklärte Dee. „Der Parcours war anspruchsvoll, aber mein Pferd hat fantastisch abgeschnitten. Wir waren beide noch recht unerfahren, daher ist ein solches Ergebnis hier wunderbar.“
Und es ist eine Bestätigung und ein Ansporn. „Ich hoffe, dass wir uns auf dem Weg zu den Weltreiterspielen am Ende des Sommers weiter so gut entwickeln können“, so Dee.
Grandorado? Je oller, je toller!
Willem Greve war zufrieden, sagte aber auch: „Wenn man im Stechen als einer der Ersten an den Start geht, weiß man, dass man im Grunde eine Richtmarke für die nachfolgenden Reiter setzt. Sie können die eigene Leistung noch übertreffen. Und genau das ist heute leider passiert.“
Mehr als zufrieden war er mit seinem inzwischen 15-jährigen Hengst. „Er ist hervorragend gesprungen und wird mit zunehmendem Alter immer besser. Ich lerne ihn immer besser kennen; er entwickelt sich im Sattel wirklich mehr und mehr zu einem echten Partner für mich. Ich bin sehr zufrieden mit ihm.“
Als Vertreter der Gastgeber sprach Greve seinen Kollegen aus dem Herzen mit seinem Lob für den Veranstalter in Rotterdam. „Es war eine spannende Prüfung, und ich möchte den Organisatoren für ihre Gastfreundschaft danken. Als Reiter wissen wir den Einsatz des Teams und der vielen freiwilligen Helfer, die diese Veranstaltung möglich machen, sehr zu schätzen. Der CHIO Rotterdam gilt zu Recht als eines der großen Klassiker im Reitsport“, so Greve.
Und wer fiel sonst so auf?
Unter den Platzierten waren auch Olympiasieger Rodrigo Pessoa und der inzwischen 13-jährige Vagabond de la Pomme-Sohn Major Tom. Der Dunkelfuchs war im Vorfeld der Olympischen Spiele von Paris 2024 in aller Munde, weil er so viele Erfolge hatte. 2025 sprang er bis Oktober, zuletzt allerdings vor allem in den USA. Dann war es länger still um den Wallach und man hatte ihn schon fast abgeschrieben, bis er Anfang Juni in Deauville wieder im Turniereinsatz war und prompt vorn platziert. Freitag sprang er im League of Nations Nationenpreis, heute erreichte er das Stechen, hatte hier aber einen Abwurf, Rang neun.
Der Holsteiner Verband war gleich mit zwei Hengsten in diesem Großen Preis vertreten. Arne van Heel stellte den noch in Elmshorn beheimateten Keaton HV vor und schlug sich mit einem Abwurf im ersten Umlauf sehr gut, aber nicht schnell genug für die Platzierung. Außerdem gab der einst von Richard Vogel zum Bundeschampionatstitel gerittene Crack HV seine Fünf-Sterne-Premiere mit dem Palästinenser Egor Shchibrik im Sattel. Seit Juli vergangenen Jahres sind die beiden ein Team und haben unter anderem Gold bei den Asian Games gewonnen. In ihrem ersten 5* Grand Prix wurden es acht Fehler.
Mit acht Fehlern waren auch Mario Stevens und Starissa aus Runde eins gekommen. Zwölf wurden es für René Dittmer und Cody. Der vierte Mann im deutschen Team von Freitag, Michael Jung, fehlte heute im Großen Preis.
Alle Ergebnisse aus Rotterdam finden Sie hier.