FN gibt Turniersport Zahlen für 2025 bekannt

Turniersport-Statistik: alles rückläufig – fast

Symbolfoto Turnierreiten. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de Symbolfoto Turnierreiten. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de
Wie hat sich der Turniersport in den letzten Jahren entwickelt? Die FN hat heute die aktuellen Zahlen herausgegeben. Und die sehen nicht gut aus.

Der einzige Bereich, wo es einen kleinen Lichtblick gibt, sind die Neuregistrierungen der Turnierpferde. Ansonsten geht der Trend im Turniersport seit 2023 in allen Bereichen nach unten.


Von jährlich rund 3.500 Turnieren in den vergangenen zehn Jahren waren 2025 noch 3.138 übrig, wie die FN mitteilt. Das entspricht einem ein Rückgang von neun Prozent.


Die Anzahl der Turnierprüfungen ging um 0,5 Prozent zurück, von 56.975 auf 56.686 Prüfungen. Im Vergleich zu den letzten sechs Jahren hat sich die Anzahl der Prüfungen 14,5 Prozent verringert.


In Sachen Starts wurden 2025 1.078.453 Turnierritte verzeichnet. Das bedeutet einen geringen Rückgang von 0,2 Prozent gegenüber 2024. Darin liegt auch eine gute Nachricht, denn das bedeutet, dass die einzelnen Prüfungen wieder besser gefüllt sind. Das sei gut für die verbleibenden Veranstalter, sagt Leonie Kalthoff, Leiterin des Teams Turniersport bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). „Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit ist es allerdings ein Minus von fast 20 Prozent und verdeutlicht uns den Ernst der Lage“, sagt Kalthoff.


Jahresturnierlizenzen weiter rückläufig


Das erste Jahr, in dem weniger als 70.000 Jahresturnierlizenzen ausgestellt wurden, war 2023. Seither ging es stetig bergab von 68.425 in 2024 bis 66.729 in 2025.


Der Anteil der männlichen Turnierreiter ist ebenfalls rückläufig. 2025 sind nur noch gut elf Prozent der Turnierreiter und -fahrer männlich (7.631). Vor 20 Jahren waren es noch rund 20 Prozent.


Bei den Schnupperlizenzen gab es 2024 ein erfreuliches Plus von knapp 14 Prozent. Doch auch die sind 2025 zurückgegangen, von 5.447 auf 5.148 beantragte Lizenzen, ein Minus von 5,5 Prozent.


Mehr Turnierpferde neu registriert


Der einzige Lichtblick ist die Anzahl der neu registrierten Turnierpferde. Die war 2024 noch rückläufig und ist in 2025 wieder etwas gestiegen. 21.326 Pferde wurden in 2025 registriert. 2024 waren es 20.343 Pferde. Das ist ein Plus von 4,8 Prozent.


Relativiert wird diese erfreuliche Entwicklung durch den Rückgang bei den Fortschreibungen. Hier ist die Anzahl um 2,1 Prozent gesunken, von 116.741 auf 114.320.




Ein Fazit aus den aktuellen Zahlen von Leonie Kalthoff, Leiterin des Teams Turniersport der FN

Das Presseteam der FN hat mit Leonie Kalthoff, der Leiterin des Teams Turniersport, darüber gesprochen, wie sie die Situation bewertet.


Wie schätzen Sie die jüngsten Turniersportzahlen ein?

Leonie Kalthoff: Natürlich sind diese Zahlen kein Grund zum Jubeln, sind für uns allerdings auch nicht überraschend. Schaut man sich den Verlauf der vergangenen zehn Jahre an, ist ein linearer Rückgang zu erkennen. Die Pandemie hat diesen Rückgang beschleunigt, aber ganz so weit sind wir von dem Trend, den wir auch ohne Pandemie erwartet hätten, nicht entfernt.


Am meisten bedauern wir den Rückgang bei den Veranstaltungen. Insbesondere die kleinen, ländlichen Veranstalter können ihr Turnier schon länger nicht mehr mit einer schwarzen Null abschließen. Das bedeutet, dass uns vor allem die kleinen Turniere fehlen, die ein Verein einmal im Jahr auf die Beine gestellt hat. Und dies ist vor allem auch ein großer und bedauerlicher Verlust für das gelebte Vereinsleben und die Gemeinschaft.


Müssen sich die Turniere ändern, was müssen Turnierveranstalter vielleicht verändern?

Wenn man sich mit den Zahlen des Statistischen Bundesamtes befasst, bin ich überzeugt davon, dass es in erster Linie äußere Einflüsse sind, die uns und vielen anderen Sportverbänden in Deutschland das Leben erschweren.


Die steigenden Lebenshaltungskosten führen dazu, dass weniger Geld für Sport, Freizeit und Kultur übrig bleibt. Wir müssen uns nichts vormachen – auf den Turniersport kann als erstes verzichtet werden, wenn das Geld knapp wird. Hinzu kommt, dass das Veranstalten eines Turnieres durch die steigenden Preise immer teurer wird und auch der demographische Wandel ist nun mal Fakt.


Aber natürlich prüfen wir als Verband die Stellschrauben. Wir hinterfragen fortlaufend unsere Regelwerke und schauen, wo wir Möglichkeiten haben den Teilnehmern und Veranstaltern entgegenzukommen. Wir nehmen auch Ideen gerne entgegen, dafür haben wir ja schließlich ein föderales System. Das Problem ist nur immer: wenn eine Idee aus dem Blickwinkel einer Zielgruppe absolut logisch erscheint, hat es meist Nachteile für andere Zielgruppen. Ein Teilnehmer hat beispielsweise andere Interessen als der Veranstalter, der Zuschauer oder die Turnierfachleute.


Die einzige Möglichkeit für Veranstalter ist, dass sie sich hinterfragen welche Zielgruppe sie in erster Linie ansprechen. Zum Beispiel: Als „normaler“ vereinsbasierter Veranstalter brauche ich nicht die Profis ansprechen. Die Topreiter fahren in Reitsportzentren mit Top-Bedingungen, und zwar vorwiegend unter der Woche.


Also müssen die Turniere bedarfsorientierter werden?

Ja, kleine Veranstalter können sich Nischen aufbauen. Ein großes Potenzial liegt auch in den Wiedereinsteigern im mittleren Alter. Das sind erwachsene Personen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und neben Beruf und Familie täglich noch das Familienpferd betreuen. Für diese Zielgruppe müssen Angebote geschaffen werden.


Und bei den Angeboten für die ganz Kleinen und Einsteigern, also unsere Basis, ist noch viel Potenzial. Führzügelwettbewerbe sind toll, aber manchmal entsteht das Gefühl, wir langweilen unsere jüngsten Pferdefans schon mit dem korrekten Sitz, bevor sie überhaupt ein Gefühl für das Pferd entwickeln. Und genau dort müssen wir ansetzen. Und für ein S-Springen mit zehn Startern, kommt auch kein Zuschauer mehr zum Turnier.


Wie sieht denn die ideale Ausschreibung aus?

Grundsätzlich gibt es keine Pauschallösung für eine perfekte Ausschreibung und garantiert hohe Nennungszahlen. Dafür gibt es zu viele Faktoren, die einfließen, wie zum Beispiel die Platzgrößen und die Bodenbeschaffenheit. Gut besuchte und beliebte Turniere leben davon, dass die Veranstalter offen für Neues sind, immer wieder neue Ideen haben und diese auch umsetzen. Und übrigens: Jeder Veranstalter kann sich bei seinem Landesverband hinsichtlich seiner Ausschreibung beraten lassen.


Was können die Aktiven selbst beitragen?

Nicht nur die Veranstalter und Turnierfachleute können zu einer verbesserten Turnierlandschaft beitragen. Eine der Hauptsorgen der Veranstalter ist der Mangel an ehrenamtlichen Helfern. Aktive und Vereinsmitglieder können durch tatkräftige Unterstützung mithelfen, das eigene Turnier attraktiv zu gestalten und die Kosten somit gering zu halten. Schließlich hängt die Motivation, ein Turnier zu veranstalten, von einem Gemeinschaftsgefühl ab und letztendlich auch davon, ob am Ende in der Vereinskasse etwas übrigbleibt.


fn-press/evb


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