Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle mit deutlichem Sieg im Grand Prix von Herning

Keine Überraschungen auf dem Dressurviereck in Herning mit der Weltranglistenersten

Dressur
Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle bei ihrem letzten Turnierauftritt vor Herning, der WM in Aachen.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle bei ihrem letzten Turnierauftritt vor Herning, der WM in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Für die Dressurreiter ist Herning dieses Wochenende die erste Weltcup-Station der Saison 2026/27. Mit dabei ist unter anderem die Nummer eins der Welt, Cathrine Laudrup-Dufour mit ihrer Nummer eins im Stall, Mount St. John Freestyle. Für sie, wie auch für viele andere Paare ist Herning der erste Start seit der WM. Das merkte man mitunter.

Denn da Herning für viele Paare das erste Turnier seit der WM in Aachen war, war es zugleich auch das erste Hallenturnier. Mit dieser Atmosphäre muss man sich erst einmal neu anfreunden. Selbst Cathrine Laudrup-Dufours erfahrene Hannoveraner Stute Freestyle riskierte da mal einen Blick mehr auf die Deko rund ums Viereck. Letztes Jahr hatten die beiden in die Weltcup-Station in Herning für sich entschieden und man hat nicht den Eindruck, als könnte ihnen dieses Jahr ein anderes Paar die Butter vom Brot nehmen.


Unumstrittener Sieg


Schon der Auftakt der Prüfung von Laudrup-Dufour und ihrer 17-jährigen Fidermark-Tochter gelang wie aus dem Lehrbuch mit einer weichen ausbalancierten Parade, mustergültigem Halten und prompten Antraben. Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung – Haken dran in der Trabtour. Im Schritt gab es dann diese Momente, in denen Freestyle sich leicht ablenken ließ und so nicht ganz so schön in die Dehnung und zum Schreiten fand, wie man es von ihr kennt. Aber Takt und Raumgriff waren immer noch gesichert.


Doch auch andere Kleinigkeiten waren heute nicht ganz so nah an der Perfektion, wie bei ihrem letzten Turnierauftritt im Rahmen der WM in Aachen. Zum Beispiel hätte man sich in der Piaffe ein etwas lebhafteres Abfedern vom Boden gewünscht und der Galopp hätte etwas fleißiger durchgesprungen sein dürfen, insbesondere in den Traversalverschiebungen und auch den Pirouetten. Deutlich eng wurde die Stute in den Einerwechseln.


Dennoch, dass dies die beste Prüfung des Tages war, daran gab es nichts zu deuteln – Sieg mit 82,413 Prozent und Teilnoten von 80,761 Prozent, die sowohl Chefrichter Henning Lehrmann als auch der Kollege bei B, Portugals Carlos Lopes vergaben, bis 84,891 Prozent von Dufours Landsfrau bei E, Susanne Baarup.


Zwei on fire


Dass Marieke van der Puttens Oldenburger Stute Zantana v. Zonik ein Ausnahmepferd ist, stand auch schon vor der WM in Aachen fest. Aber hier haben die beiden sich in die Herzen der Zuschauer getanzt und man hatte den Eindruck, es breche ein neues Zeitalter der niederländischen Dressur an, das diese beiden mitgestalten. Heute zeigte sich die sensible Stute aber wieder von ihrer „spannenden“ Seite mit viel Energie, aber eben nicht ausreichend losgelassen. Mit 75,957 Prozent wurden die beiden Zweite.


Knapp dahinter reihte sich mit 75,652 Prozent Dänemarks neues Championatspaar ein, Daniel Bachmann Andersen auf dem ebenfalls beim Oldenburger Verband registrierten Flash Gordon v. Fiderbach. Die beiden hatten tolle Momente, aber auch immer wieder solche, in denen der Wallach mit einem deutlich offenen Maul auf die Zügeleinwirkung reagierte und hinter die Senkrechte kippte.


Dr. Svenja Kämper-Meyer – der Hand hinterher


Ganz anders sah das bei dem besten deutschen Paar aus, Dr. Svenja Kämper-Meyer und ihrer selbstgezogenen Ampere-Tochter Amanyara. Wenn es ein Lehrbuchbeispiel für Selbsthaltung gibt, dann diese beiden. Da schaut man einfach gerne hin. Zeitweise wünschte man sich die Bewegungen der Westfalen-Stute noch etwas losgelassener durch den Körper. Aber dass die Richterin bei E, Susanne Baarup, die beiden nur an zwölfter Stelle hatte (68,478), konnte nur verwundern. Die Kollegen vergaben dreimal Rang sechs und einmal Platz acht mit Bewertungen von 70,109 (Mats Eriksson bei M) bis 74,565 (Henning Lehrmann bei C) Prozent. Unter dem Strich reihte das Paar sich mit 71,348 Prozent an sechster Stelle ein. Schöner Erfolg!


Zwischen sie und die Führenden hatten sich das schwedische WM-Paar Maria von Essen auf Invoice (75,217) und Dänemarks WM-Reiterin Nummer drei, Nadja Aaboe Sloth und Favour Gersdorf (74,50) eingereiht.


Unter den Platzierten waren auch Dorothee Schneider und First Romance. Für den 16-jährigen Fürst Romancier-Sohn war das heute sein erster internationaler Auftritt seit dem Weltcup-Turnier in Lyon 2025. Danach hatte er mehrere Monate verletzungsbedingte Pause, bis Schneider ihn in den vergangenen Wochen sorgsam wieder an den Turnierrythmus herangeführt hat. Die beiden haben die Prüfung heute mit 70,848 Prozent eröffnet und es wären noch mehr gewesen, wenn Zick-Zack-Traversalen und Einerwechsel wie gewünscht funktioniert hätten. So wurde es Rang acht.


„Einen raus“ waren der gerade erst der U25-Tour entwachsene Weltcup-Finalist Moritz Treffinger und Cadeau Noir mit 70,283 Prozent.


Sohler siegreich in U25-Tour


Apropos U25 – auch für die zweibeinigen Talente auf dem Sprung in den Grand Prix-Sport hat Herning eine Tour im Angebot, die Lövsta Future Challenge. Hier sammelte heute Marie Sohler als einzige Deutsche unter den neun Startern nicht nur Erfahrung, sondern auch ihren ersten internationalen Sieg. Im Sattel des 14-jährigen Hannoveraner Wallachs Queolito v. Quaterhall, den sie als Lehrpferd von Bianca Nowag-Aulenbrock übernehmen konnte, gelang ihr der einzige Ritt, der mit über 70 Prozent bewertet wurde, 70,128 Prozent, um genau zu sein. Damit setzte sie sich gegen den Briten Harrison Ashton auf der Oldenburger Millennium-Tochter Million Dreams (69,615) und Dänemarks Nachwuchsstar Sophia Boje Obel Jørgensen im Sattel von KGS. Hoergaard Tabasco durch (69,188).


Prix St. Georges an Burg-Pokal Final-Kandidat


Für den ersten deutschen Sieg am heutigen Tag in Herning sorgte in aller Frühe um 7.30 Uhr Bernadette Brune mit ihrem San to Alati, das Paar, das in Elmlohe das Ticket fürs Burg-Pokal Finale löste. Dass sie die Leistung von dort auch auf internationalem Parkett abrufen können, bewiesen die beiden mit einer 71,569 Prozent-Runde und Platz eins von allen drei Richtern.


Dahinter reihten sich zwei dänische Paare ein: Lone Bang Zindorff auf Moegelvangs Kashmir (70,098) und Joachim Thomsen mit Anthony Pax (69,559).


CDI3* Grand Prix bleibt in Dänemark


Der Tag in Herning begann früh und endete zumindest für die Dressurreiter heute mit dem CDI3* Grand Prix. Den gewann mit Ida Kirstine Bjørn auf dem neunjährigen Sparaday ein dänisches Duo, das mit 69,674 Prozent bedacht wurde.


Über Platz zwei freute sich die Schwedin Ebba von Essen, die Cousine von Weltcup-Reiterin Maria von Essen, die zusammen einen Ausbildungsstall betreiben. Ebbe hatte den Oldenburger Hengst Dantes Specter gesattelt und ritt den Dante Weltino-Sohn aus der Zucht von Bernhard Schrapper zu 69,543 Prozent.


Dritte wurde Anna Toosbuy Rasch, früher besser bekannt als Anna Kasprzak, die ihren elfjährigen Dressurpferde-WM Finalisten Everian L für 68,870 Prozent präsentierte.


Bestes deutsches Paar waren Helen Langehanenberg und Straight Horse Ascenzione, die mit 68,239 Prozent Fünfte wurden.


Die beiden U25 Europameisterinnen Rose Oatley und Alive and Kicking hatten in ihrem ersten internationalen Grand Prix noch einige Abstimmungsprobleme und mussten sich heute mit 65,761 Prozent und Rang zwölf begnügen.


Kommunikative Missverständnisse und dadurch bedingte Lektionsfehler waren auch der Grund, warum es bei Dorothee Schneider und Karlijn V. nicht mehr als 67,739 Prozent wurden.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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