Dressur Weltcup-Etappe Mechelen

Pauluis‘ erster Weltcup-Triumph, Verboomens neuer Star

Dressur
Einfach gut: Justin Verboomen und Djembe de Hus. Foto: FEI/Caremans Einfach gut: Justin Verboomen und Djembe de Hus. Foto: FEI/Caremans
Der Dressursport in Belgien ist am (Ver-)boomen. Aber nicht nur wegen des Phänomens Zonik Plus. Bei der Weltcup-Etappe der Dressurreiter in Mechelen stellte Europameister Justin Verboomen ein weiteres Pferd aus seinem Beritt kein bisschen weniger brillant vor, nur anders. Und Landsfrau Larissa Pauluis konnte sich über ihren ersten Weltcup-Sieg freuen.

Zu einem 80er-Jahre Medley mit Songs von Eurythmics und U2 piaffierten und Passagieren Pauluis und ihr 15-jähriger KWPN-Wallach Flambeau zum Sieg in der Weltcup-Kür von Mechelen. 82,975 markierten eine neue persönliche Bestleistung für das Olympiapaar von Paris 2024. Sie hatten im Sommer auch zu jener Mannschaft gehört, die bei der EM in Crozet einen sensationellen vierten Platz belegte. Auch waren sie beim Weltcup-Finale in Basel am Start und wurden dort Achte, das noch mit einem Ergebnis von 77,470 Prozent.


Zwischen Basel und Mechelen liegt also notenmäßig eine kleine Welt. Der Ampere-Sohn zeigte sich vor der – ausverkauften – heimischen Kulisse fehlerfrei, frisch und mit Höhepunkten in den elastischen, fleißigen Piaffe-Passage-Reprisen. Man wünschte sich allerdings ingesamt eine weniger hohe und enge Halseinstellung.


Die Freude bei Larissa Pauluis war riesig, schon bevor die Noten verkündet wurden, und die Zuschauer freuten sich mit ihr. Sie wussten, das war ein Ritt für ein Personal Best, was die Noten dann ja auch bestätigt haben. Das hätte Pauluis sechs Jahre zuvor auch noch nicht geglaubt.


„Für mich war es schon immer ein Traum, in Mechelen zu gewinnen. Die Unterstützung durch das Publikum war unglaublich, die Atmosphäre während der Kür war wunderbar. Flambeau entwickelt sich ständig weiter. Er begann seine Karriere als Springpferd und wurde erst mit neun Jahren zum Dressurpferd, daher verbessern wir uns noch immer. Es war nicht immer einfach mit ihm, aber in Sachen Qualität sind ihm keine Grenzen gesetzt. Heute hat er mit mir getanzt. Wir entdecken immer noch neue Knöpfe und Möglichkeiten.“


Larissa Pauluis und Flambeau, Sieger der Weltcup-Etappe von Mechelen. Foto: FEI/Dirk Caremans
Larissa Pauluis und Flambeau, Sieger der Weltcup-Etappe von Mechelen. Foto: FEI/Dirk Caremans

Verboomen und Djembe de Hus begeistern


Auch Europameister Justin Verboomen hat eine emotionale Verbindung zu dem Turnier in Mechelen. Hier ging letztes Jahr der Stern von Zonik Plus auf. Spätestens da, als die beiden sensationell Zweite in der Weltcup-Kür hinter den WM-Dritten Dinja van Liere und Hermès wurden, dürfte jeder Dressurfreund erkannt haben, dass sich da eine besondere Partnerschaft entwickelte. Zugleich war dies das letzte Turnier, das seine Mutter miterlebt hat. Am Rande des Frankfurter Festhallenturniers sagte Verboomen, er sei fast ein bisschen traurig gewesen, als der Anruf von Isabell Werth kam, ob er beim Top 12 Finale dabei sein wollte. Denn er wusste, er konnte seinem erst neunjährigen Zonik Plus nicht erst Frankfurt und dann eine Woche später Mechelen zumuten. Aber glücklicherweise hat Verboomen seit Mai 2025 ein zweites Grand Prix-Pferd im Stall, den Oldenburger Djembe de Hus. Er wolle die Veranstalter in Mechelen fragen, ob er ihn statt Zonik Plus in der Weltcup-Tour reiten dürfte, hatte Verboomen in Frankfurt erklärt. Er durfte.


Das war ein Glück für alle Beteiligten, denn was Justin Verboomen mit dem auch erst zehnjährigen Djembe de Hus schon im Grand Prix zeigte, war Dressurreiten vom Feinsten. Vieles war ähnlich wie bei Zonik Plus: die sichere Selbsthaltung des Pferdes, die feine Anlehnung, die Mühelosigkeit in Piaffen, Passagen und Übergängen, die tollen Pirouetten, vor allem aber die Harmonie, die Zufriedenheit und die vertrauensvolle und bereitwillige Mitarbeit, die der Wallach erkennen ließ, ermöglicht durch eine beispielhaft feine, dezente und doch effiziente Hilfengebung.


Dabei ist Djembe de Hus ein ganz anderes Pferd, viel weniger präsent als Zonik Plus, weniger selbstbewusst, weniger Macho. Dementsprechend hatte Verboomen für ihn auch eine leise, zurückhaltende Kür-Musik gewählt. Das Hauptmotiv war Beethovens Claire de Lune. Es passte perfekt. Für den Wallach war es seine erste internationale Kür überhaupt. Die ungewohnten Linien, die andere junge Pferde schon mal aus dem Konzept bringen, waren für ihn kein Problem. Er ließ sich von seinem Tanzpartner führen und gewann von Minute zu Minute an Selbstbewusstsein in seiner Aufgabe. Bis er zum zweiten Mal zum Gruß zum Halten kam und donnernder Applaus losbrach. Da machte er einen erschreckten Satz nach vorne. Verboomen versuchte gar nicht erst, ihn im Schritt zu halten. Er kanalisierte seinen Fluchtinstinkt nur leicht, und streichelte ihm immer wieder beruhigend den Hals, bis Djembe de Hus sich beruhigt hatte.


Sie erhielten 82,450 Prozent. Zwei Richter hatten sie auf dem ersten Rang. Es wurde trotzdem Platz zwei hinter Pauluis. Aber das war in dem Moment egal. Dieser Ritt war ein großer Dressurmoment. Würden alle Pferde so präsentiert, hätten die Gegner des Pferdesports keine Argumente mehr.


Über Djembe de Hus


Der zehnjährige Djembe de Hus ist ein Oldenburger Sohn des Damon Hill. Er kam in Frankreich im Haras de Hus von Xavier Marie zur Welt und wurde von Olympiareiterin Jessica Michel Botton, als Verantwortlicher für den Dressurbereich des Gestüts ausgebildet. Zweimal siegten sie beim französischen Pendant zum Bundeschampionat. 2021 waren sie Finalisten bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde.


2022/23 stand Djembe de Hus in Deutschland und wurde von Marcus Hermes bei mehreren Turnieren vorgestellt. Mit ihm machte der Wallach den Sprung von der Klasse S* zur Klasse S*** und holte seinen ersten Intermédiaire II-Sieg.


Xavier Marie hatte inzwischen öffentlich gemacht, dass er sich von seinem Gestüt trennen wollte. Ein Teil der Pferde wurde über eine Auktion veräußert. Auch Djembe de Hus sollte verkauft werden. Xavier Marie gab ihn an seine in Belgien ansässige Landsfrau Alizée Froment, die ihn allerdings nie auf einem Turnier vorgestellt hat. Im Mai ging er dann zu Justin Verboomen, wie Eurodressage damals berichtete. Ihr Turnierdebüt gaben die beiden Anfang Oktober in Troisdorf, wo sie Grand Prix und Special mit 73,782 bzw. 73,107 Prozent gewannen. Mechelen war der zweite internationale Auftritt. Zum Verkauft stehe der Fuchs immer noch, erklärte Verboomen im Interview mit der französischen Website Grand Prix.


Zweimal Platz drei für den „Labrador“


Sehr viel länger als das Paar auf Rang zwei kennen sich der in Düsseldorf ansässige Portugiese Joao Pedro Moreira und sein zehnjähriger Oldenburger Hengst Fürst Kennedy. Moreira erwarb den in der Lewitz gezogenen Fürstenball-Sohn als Zweieinhalbjährigen und bildete ihn aus. Die beiden waren bei Bundeschampionaten und Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde am Start. Spätestens seit ihrem vierten Platz bei der WM der siebenjährigen im Jahr 2022 hatte man den Rappen auf dem Schirm. Zwei Jahre später sah man ihn als Grand Prix-Pferd wieder.


Er hätte 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris an den Start gehen sollen. Doch einen Tag vorher entwickelte er eine so heftige Kolik, dass er unverzüglich in die Klinik gebracht und operiert werden musste. Im März meldete er sich in Herning zurück im Geschäft, gewann beim Pfingstturnier in Wiesbaden Grand Prix und Special und gab in Crozet sein Championatsdebüt. Hier konnte sich das Paar auf Anhieb fürs Kür-Finale qualifizieren. Mechelen war das erste Turnier nach der EM und sie meldeten sich mit einer persönlichen Bestleistung von 79,280 Prozent im Grand Prix zurück. Es wären wohl noch mehr Punkte geworden, wäre es Moreira gelungen, den Hengst konstanter vor den treibenden Hilfen und dementsprechend offener im Genick und länger im Hals zu halten.


Moreira war mehr als zufrieden mit diesem Saisonabschluss: „Letztes Jahr um diese Zeit konnten wir gerade erst wieder leicht unter dem Sattel traben. Kennedy hat sich unglaublich gut erholt. Jetzt hier zu sein und die Saison 2025 so zu beenden, ist ein Privileg. Ich bin so stolz auf ihn, er ist etwas ganz Besonderes und gibt immer sein Bestes für mich.“


Besonders an dem Hengst sei vor allem, dass er es gar nicht leiden kann, wenn seine Menschen ihn alleine lassen, verriet Moreira. „Er ist wie ein Labrador. Oder ein Teddybär. Auf dem Turnier verlassen wir seine Box nur zum Essen und Schlafen.“


Niederländische Hoffnungsträger


Gleich zwei Paare aus den Niederlanden haben in Mechelen ihr Weltcup-Debüt gegeben: Marieke van der Putten auf der elfjährigen Oldenburger Stute Zantana RS2 OLD und Emmelie Scholtens auf dem zehnjährigen KWPN-Hengst Kyton.


Erstere war dieses Jahr allerdings bereits bei den Europameisterschaften in Crozet im Team. Dort wirkte die Stute reichlich aufgemischt und angespannt. Spannungsfrei war die Vorstellung auch in Mechelen nicht. Gleichzeitig offenbarte die in der Lewitz gezogene Zonik-Tochter aus der Sondra v. Sir Donnerhall, eine Halbschwester zu unter anderem Edward Gals Olympiapferd Total U.S., eine ungeheure Athletik und viel Talent in allen Lektionen. Sie war in Mechelen sozusagen der Gegenentwurf zu Djembe de Hus – die Präsentation der Stute war spektakulär, aber nicht losgelassen; der Wallach war spektakulär, eben weil er so reell und losgelassen gezeigt wurde. Die Richter bewerteten Zantanas Auftritt mit 76,605 Prozent, Rang fünf.


Im Grand Prix unterliefen Emmelie Scholtens und dem imposanten Ferguson-Sohn Kyton teure Fehler, so dass sie hier letzte wurden. In der Kür lief es deutlich besser für das Paar. Das Highlight des wunderschönen Dunkelfuchses ist die Passage. In der Piaffe wünschte man sich, dass er die Last besser vom Boden wegfedern würde statt nur die Gliedmaßen hochzuziehen und in den Verstärkungen müsste er mehr unter den Schwerpunkt arbeiten. Auch im Galopp könnte die Schwebephase ausgeprägter sein. Andererseits hat der Hengst es dadurch in den Pirouetten leichter, die recht gut gelangen, wohingegen die Einerwechsel noch problematisch waren. Alles in allem kam das Paar auf 76,005 Prozent und belegte Rang sieben. Die technischen Bewertungen reichten von 67,750 bis 72 Prozent.


Verabschiedung von Botticelli


Direkt hinter Emmelie Scholtens und vor der einzigen deutschen Starterin, Ingrid Klimke mit ihrer Fürstenball-Tochter First Class, platzierte sich die Belgierin Charlotte Defalque auf Botticelli. Für die 30-Jährige war Mechelen besonders emotional, denn es war der letzte Auftritt mit ihrem 19-jährigen Vivaldi-Sohn.


13 Jahre lang waren die beiden international im Einsatz, haben sich vom Juniorenlager bis hin zu Senioren-Championaten hochgearbeitet, von der Klasse M bis Grand Prix. Allein sechsmal vertraten sie Belgien bei Europameisterschaften im Junioren, Junge Reiter-, U25- und Seniorenbereich. 2022 nahmen sie an den Weltmeisterschaften in Herning teil.


Bei seinem letzten Auftritt präsentierte der Fuchs sich frisch und munter und wurde mit 75,475 Prozent bewertet, Platz acht. Direkt nach dem Ritt gab es Blumen für die Reiterin und einen Apfel für Botticelli sowie Standing Ovations für beide. Ein schöner Abschied für dieses besondere Pferd, ein vermutlich schwerer für seine Reiterin.


Weltcup-Ranking


Mit Mechelen hat die Weltcup-Saison 2025/26 Halbzeit. Es war die fünfte von zehn Stationen. Derzeit führt Raphael Netz die Wertung mit 48 Punkten an. Larissa Pauluis liegt mit 47 Zählern dahinter. An dritter Stelle folgt Fie Skarsoe (LUX).


Aus der Westeuropa-Liga qualifizieren sich die neun Reiter mit den meisten Punkten für das Finale vom 8. bis 12. April in Fort Worth, Texas. Es dürfen jedoch nur drei Reiter pro Nation teilnehmen. Das hat in der Vergangenheit häufig dazu geführt, dass der viertbeste deutsche Reiter nicht starten konnte, obwohl er zu den Top neun gehörte. Nun ist Raphael Netz der einzige, der überhaupt infrage kommt. Moritz Treffinger hat als Zehntplatzierter allerdings auch noch eine gute Chance, unter die Top neun zu rutschen.


 


 


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