CDI5* Grand Prix von München an Jessica von Bredow-Werndl und Kismet
Jessica von Bredow-Werndl und Kismet weiter auf Erfolgskurs
Erster Fünf-Sterne-Sieg für Jessica von Bredow-Werndl und Kismet in München. Foto: Pferd International Der CDI5* Grand Prix von München war ein wenig die Prüfung der Newcomer mit den Louisdor-Finalisten Katharina Hemmer/Special Gold und Benjamin Werndl/Quick Decision, Dante’s Pearl und Charlott-Maria Schürmann, die ebenfalls ihre erste Grand Prix-Saison gehen, und last but not least Jessica von Bredow-Werndl mit Kismet, die in München ihre Feuertaufe vor großem Publikum haben. Man darf sagen: Die ist gelungen.
Wenn man ihren ersten Grand Prix-Auftritt in Italien mit dem heute vergleicht, muss man sagen: Dazwischen liegt eine Welt. Die Stute hat an Sicherheit gewonnen, zieht konstanter ans Gebiss heran und präsentierte sich heute mit großer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit.
In wenigen Momenten verkroch sie sich noch – beim Rückwärtsrichten und im starken Schritt. Aber über den Großteil der Aufgabe hinweg hatte Jessica von Bredow-Werndl sie ganz sicher vor den treibenden Hilfen. Dabei ist klar, dass die 74,522 Prozent, mit denen sie die Prüfung heute gewannen noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sind. Die Piaffen können noch aktiver werden, die Übergänge noch flüssiger. Im starken Schritt kam die Stute noch nicht sofort zum losgelassenen Schreiten und in den fliegenden Wechseln kann sie noch an Losgelassenheit und Erhabenheit gewinnen.
Aber alles in allem eine sehr harmonische und elegante Runde, die mit einem deutlichen Personal Best für die beiden endete.
Personal Best Nummer zwei
Nicht mehr zu den Newcomern, sondern zu den arrivierten Paaren zählt das Duo auf Rang zwei: Raphael Netz mit seinem Weltcup-Finalist von 2024, Great Escape Camelot. Netz, der seinen 15-jährigen Sportpartner in der Zeit unter den Sattel bekommen hat, als er noch als Bereiter für die Geschwister Werndl in Abenhausen arbeitete, begeisterte einmal mehr mit seinem feinen Reiten. Es war das erste Freiluftturnier der Saison für die beiden und zu Beginn der Prüfung wirkte sein Johnson-Sohn noch etwas übermotiviert. Aber dann kam er mehr und mehr an im Viereck und hatte insbesondere in der zweiten Hälfte der Aufgabe viele Höhepunkte, zum Beispiel in den Zick-Zack-Traversalen und den Pirouetten, fein begleitet von Netz, der zudem ein Vorbild in Sachen exaktes Prüfungsreiten ist – was aber auch für die Durchlässigkeit seines Pferdes spricht, wie man zum Beispiel in dem Übergang vom Galopp in den versammelten Trab sah. 73,783 Prozent sind auch für die beiden ein neues Personal Best.
Quicks mit Power auf Platz drei
Das dritte Paar aus Aubenhausen der heutigen Prüfung waren Benjamin Werndl und Quick Decision. Der Wallach hatte ja schon im Nationenpreis von Fontainebleau sein Fünf-Sterne-Debüt gegeben. Dort erhielt er 72,652 Prozent im Grand Prix – exakt das Ergebnis, mit dem die beiden auch heute aus der Prüfung kamen.
Der zehn Jahre junge Quaterhall-Sohn zeigte sich heute dynamisch und Lektionssicher, hatte einen Taktfehler im ersten starken Trab, aber ansonsten keine Lektionsfehler. Dabei zeigte er sich in schönem Seitenbild, wirkte allerdings sehr beschäftigt im Maul. Er sperrte nicht, aber das Maul war immer mal wieder deutlich offen.
Black Beauty I
Wenn Charlott-Maria Schürmanns Dante’s Pearl im starken Trab loslegt, kann man nur begeistert sein! Da wird aus Tragkraft wirklich Schubkraft. Das ist kein Strampeln sondern mustergültige Schwungentfaltung. Und maximale Versammlung kann die Dante Weltino-Tochter inzwischen auch. Die Passagen waren schon immer ein Highlight, mittlerweile sind auch die Piaffen ganz sicher im diagonalen Takt, losgelassen und fleißig abfußend auf der Stelle – zumindest in der ersten Hälfte der Prüfung. Trotz nicht ganz taktsicherem Ablauf in den Schrittsequenzen und auch hier einem falschen Angaloppieren waren die beiden bis zur letzten Mittellinie verdient auf der Siegerstraße. Hier dachte Dante’s Pearl wohl, dass bei X halten und grüßen statt Piaffe gefragt war. Das war teuer! Trotzdem, dieses Paar sind zwei, die man unbedingt im Auge behalten muss! 72,609 Prozent und Platz vier wurden es heute (mit Einzelnote zwischen 70,761 und 75,109 Prozent).
Black Beauty II
Seinen ersten Fünf-Sterne-Auftritt hatte auch Katharina Hemmers Zukunftshoffnung Special Gold PCH heute. Der zehnjährige San Amour-Sohn ist der dritte Weihegold-Abkömmling, der am Vatertags-Wochenende im ganz großen Viereck im Einsatz ist. In der ersten Piaffe-Passage-Tour suchten die beiden noch ihren Rhythmus und im starken Schritt kam der Rappe nicht recht zum Loslassen. Aber in der zweiten Piaffe-Passage-Reprise sah man die Möglichkeiten, die er in der Piaffe hat. Da kam er sehr schön in den Takt, senkte sich und fußte lebhaft ab. Teuer war das Angaloppieren aus der Passage, wo er zunächst im Außengalopp ansprang. Auch in der Galopptour hatten die beiden Highlights. Insgesamt merkt man aber, dass es dem Hengst noch an Kraft und Routine fehlt, um alle Lektionen mit Leichtigkeit ausführen zu können, beispielsweise die Pirouetten, die im Ansatz gut sind, aber wo er dann an Fleiß verliert. Mit 70,370 Prozent wurde es Rang sechs für die zwei.
Die weiteren Platzierten
Zwischen die beiden Rappen schob sich ein ehemaliger Louisdor-Preis Sieger, nämlich der von Sandra Nuxoll ausgebildete Bonheur de la Vie, der seit vergangenem Jahr von der Schweizerin Charlotta Rogerson sehr schön vorgestellt wird. 72,065 Prozent sind das zweitbeste Grand Prix-Ergebnis ihrer gemeinsamen Karriere. Heute waren sie damit Fünfte.
Eine Schleife gab es auch für Laura Strobel mit Sisters Act MT OLD, die mit 69,739 Prozent knapp am „ziemlich gut“ vorbei schrammten. Dicht dahinter waren auch Lisa Müller und D’Avie mit 69,696 Prozent noch im Geld.
Wiederholungstäter
Nachdem sie gestern bereits den Grand Prix der CDI3*-Tour für sich entschieden hatten, bockte Simone Pearces spanischer Wallach Will Marq in der Ehrenrunde ob der kitzelnden Siegerdecke auf seinem Rücken so wild los, dass er kurzfristig seine Reiterin verlor. Doch weder Simone Pearce, Martin Fuchs‘ australischer Lebensgefährtin, noch dem zehnjährigen Wallach war bei der Aktion etwas passiert. Stattdessen nutzten sie den heutigen Grand Prix Special, um noch einmal Ehrenrunde anführen zu üben. Mit 71,340 Prozent gewannen sie auch diese Prüfung.
Ein Riesenschritt waren 71,064 Prozent und Platz zwei für die erst neunjährige Louisdor-Finalistin Chere Celine OLD v. Governor mit Lena Haßmann im Sattel. München war der zweite internationale Auftritt nach Hagen, wo sie noch mit rund 66,7 Prozent hatten Vorlieb nehmen müssen. Ein Meilenstein!
Über Rang drei konnten sich Yara Reichert und Valverde freuen, die zum ersten Mal ein Ü70 Prozent-Ergebnis im Grand Prix Special verbuchten. 70,511 Prozent wurden es. Überhaupt war es heute Yara Reicherts Glückstag.
Force Majeure gewinnt Stars von Morgen Qualifikation
Möglich, dass Yara Reichert im Special noch beseelt war von ihrem Triumph am Vormittag. Da gewann sie nämlich mit dem zehnjährigen Fürstenball-Sohn Force Majeure die Qualifikation zum Halbfinale der Derby Stars von Morgen mit 71,316 Prozent. Zweite wurde Nicole Casper auf Zabalou mit 69,053 Prozent vor Victoria Nielsen und Prinzessin Paula (68,816).
Das Paar, das gestern die Nase vorn gehabt hatte in der Nachwuchspferde-Tour, die Bordeaux-Tochter Kinshasa von Franz Trischberger, wurde heute zurückgezogen.
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