So soll Dressur aussehen – Cathrine Laudrup-Dufour und Freeestyle in Herning vor Isabell Werth und Wendy
Cathrine Laudrup-Dufour zeigt in Herning, wie Dressur aussehen soll, Wendy mit Personal Best Zweite
Archivbild: Wendy de und Isabell Werth im Grand Prix Special bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Foto: sportfotos-lafrentz.de Den Ritt von Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle in Herning zu „sezieren“, ist nahezu unmöglich. Es war eine Vorstellung aus einem Guss. Ein Kunstwerk. Selten hat man die Übereinstimmung von Reiterin und Pferd in einer derartigen Perfektion gesehen. Ein Ritt in der die Stute vielleicht fünfmal mit einem leichten Schweifschlagen auf eine dezente Schenkelhilfe reagierte – während des gesamten Ritts, nicht im Verlauf einer Lektion.
So soll Dressur aussehen
Die Piaffen am Platz, rhythmisch, gleichmäßig hoch fußend, die Passagen mit Aushaltmoment aber stets im Fluss. Die Seitengänge geschmeidig nach links wie nach rechts. Das ganze technisch perfekt auf den Punkt geritten. Und die Krönung: ein Pferd in Selbsthaltung mit deutlich erkennbarer Rahmenerweiterung, wo gefordert, die Nase vor der Senkrechten. Zufrieden und konzentriert.
Zurücklehnen und genießen
Es war ein Ritt, den all diejenigen sehen sollten, die die Dressur verteufeln. Sie würden erkennen: Wenn es richtig ist, ist es wunderschön. Auch weil das Paar wie sonst niemand im Starterfeld die Reihenfolge und Intensität der Hilfen – Gewicht-, Schenkel- und erst dann die Zügelhilfe – zeigten, waren es 84,174 Prozent, die sich wie 92 Prozent anfühlten.
Für Statistikfreunde: 67 mal 9,0 oder besser
Man wird einem Dressurritt nicht gerecht, wenn man lediglich die Noten betrachtet. Aber im Fall dieser Performance von Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle lohnt sich der Blick auf die Statistik: Die schlechteste Note im Protokoll waren zweimal 7,0 (fürs am Ende leicht zögerliche Rückwärtsrichten). Dem gegenüber standen 16-mal die 10,0, dreimal 9,5 und sage und schreibe 48-mal eine 9,0. Um statistisch präzise zu sein: 2300 Punkte sind theoretisch zu erzielen. 620 davon waren aus der Kategorie „sehr gut“ oder sogar noch besser. Wow!
Isabell Werth und Wendy mit „Personal Best“
Die Halle in Herning kennt Isabell Werths Wendy. Schon als Nachwuchspferd zählte sie zu den Besten, die das Dänische Warmblut hervorgebracht hat. Hier ist sie auch mit Andreas Helgstrand, der die Sezuan-Tochter bis Grand Prix ausgebildet hat, schon am Start gewesen.
Wendy war weniger „on fire“, wie Isabell Werth es beschreibt, wenn sie die Energie der Stute im Viereck kanalisieren muss, als noch in Amsterdam. Das Paar punktete vor allem in allem, was rund um Piaffe und Passage zu bewerten ist. 52-mal die 9,0, 19-mal die 10,0. Weitere Highlights waren die nahezu auf dem Raum einer Mokkauntertasse gesprungenen Pirouetten. In den fliegenden Galoppwechseln zu zwei Sprüngen müsste die Stute noch gerade im Körper bleiben. Werth legte die erste Trabverstärkung eher untertourig an. Vielleicht auch, damit Wendy Zeit hatte, im Viereck anzukommen. Das zahlte sich anschließend in geschmeidigen Trabtraversalen aus, die mit Noten zwischen „gut“ und „sehr gut“ bewertet wurden. Zur Erinnerung – genau wie Piaffen, Schritt und Galopppiruoetten, gehen die Traversalen mit dem Koeffizienten zwei in die Wertung ein.
81,913 Prozent sind nicht nur ein PB, sondern damit ist auch die nächste Stufe auf der Treppe gen Weltmeisterschaften in Aachen gemacht.
Skandinavien auf den Plätzen drei und vier
Dritte wurde Isabell Freese mit dem Totilas-Sohn Total Hope. Der piaffierte durchgängig so gut wie seine Eltern, er ist ein Sohn von Weihegold und damit der „Onkel“ des Siegers in der CDI3*-Tour, Viva Gold. Aber im Schritt waren Konzentration und Losgelassenheit nicht zu erreichen. Auch am Ende kam es zu kleineren Spannungsmomenten. 74,652 Prozent.
Unwahrscheinlich weiterentwickelt hat sich Flash Gordon unter Daniel Bachmann Andersen. Der Oldenburger Fiderbach-Sohn ging seinen zweiten internationalen Grand Prix. Den in Arhus hatte das Paar im Dezember mit gut 72 Prozent gewonnen. In dem Weltklassefeld heute wurden die beide Vierte mit 73.13 Prozent.
Schön zu sehen, wie es dem Mannschaftsweltmeister von 2022 nicht darum ging, jeden Punkt auf „Teufel komm raus“ zu erzielen, als vielmehr dem Fuchs Sicherheit vor großem Publikum zu vermitteln. Der Oldenburger verstand das und lies immer mehr los. Höhepunkte hatte das Paar in der Galopptour, aber auch auf der letzten Piaffe-Passage-Linie blitzte das Potenzial des statiösen Fuchses auf.
Stichwort Daniel Bachmann Andersen – ein Streaming-Tipp: Wer im Besitz eines Clipmyhorse-Zugangs ist, sollte sich die Zeit nehmen und erleben, wie der hochgewachsene Däne als Fremdreiter die dänischen Nachwuchspferde testete und zeitgleich live aus dem Sattel kommentierte. Eine Augenweide!
Ergebnisse CDI5*-Grand Prix Herning 2026