Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle gewinnen CDI4* Grand Prix in Hagen

Freestyle mit halber Kraft zu 82,391 Prozent und Vayron, das Löwenherz

Dressur
Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle in Hagen 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle in Hagen 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Ohne Viva Gold, dafür aber mit den beiden Weltranglisten-Ersten aus Dänemark, Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle ging heute Vormittag der CDI4* Grand Prix für den Special über die Bühne. Ein Paar in einer anderen Liga und ein Vayron mit neuem Image und neuem Personal Best.

Nicht nur notenmäßig war der Auftritt von Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle im CDI4* Grand Prix für den Special von Hagen in einer eigenen Liga. Die Stute repräsentiert einen Grad an Durchlässigkeit und Versammlung, an dem auf internationalem Parkett derzeit nur wenige Paare kratzen können. Dadurch sieht ein Grand Prix bei ihr kaum nach Arbeit aus. Durch die schwierigen Lektionen scheint das Paar einfach so hindurchzugleiten (wenn auch zum Teil leicht verkantet in den Piaffe-Passage-Reprisen). Cathrine Laudrup-Dufour versteht es, jeden Punkt herauszureiten. Von der Grußaufstellung über das Halten und Rückwärtsrichten hin zu den von Punkt zu Punkt gerittenen Verstärkungen und den geschmeidigen Zick-Zack-Traversalen. Marietta Almasy gab dem Paar eine 9,5 im Gesamteindruck bzw. als Gesamtnote für die Harmonie. Die Kollegen lagen bei 9,0. Zu recht. 82,391 Prozent wurden es insgesamt, nicht das persönliche Bestergebnis des Paares, aber darauf habe sie es auch überhaupt nicht angelegt, berichtete Laudrup-Dufour später.


„Mein Plan war es nie, an die Grenze zu gehen und irgendwas zu riskieren. Ich wollte beim ersten Freiluftturnier einfach ein gutes Gefühl bekommen“, so Laudrup-Dufour. Das habe sie heute gehabt. „Ich muss sagen, ich bin sehr sehr zufrieden. Sie war heute wirklich fein zu reiten.“ Und das, obwohl die Stute bei ihrer Ankunft in Hagen noch „wie ein Drache“ war. Kaum zu glauben, wenn man den Ritt heute gesehen hat. „Ich habe festgestellt, dass es okay ist, wenn sie bei der Ankunft auf einem Turnier wie ein Drache ist“, sagte die Weltranglisten-Erste. „Das bedeutet, dass sie happy und fit ist.“ Gleichzeitig wisse die Stute mit ihren nun 17 Jahren aber auch genau, wann es drauf ankommt. „Heute morgen war sie echt konzentriert. Ich habe sie nur 15 oder 20 Minuten abgeritten, bin ein bisschen Schritt gegangen und habe sie dann nur locker gemacht.“ Umso glücklicher sei sie über das Ergebnis. „Ich bin wirklich stolz über die Punkte, denn ich hatte das Gaspedal nur halb durchgetreten.“


Stattdessen habe sie die Prüfung heute genutzt, um ein paar neue Dinge auszuprobieren. Anstelle der Trainerin ihres Vertrauens, Kyra Kyrklund, ist deren Mann Richard White in Hagen dabei. Der habe ihr kleine aber wertvolle Tipps gegeben, berichtete Laudrup-Dufour, z.B. bei den Einerwechseln. „Da hat er mit gesagt, ich müsse das Bild im Kopf haben, eine Welle zu reiten. Bei den letzten Turnieren hatte ich hier schon mal Fehler. Also habe ich sie bei der Einleitung etwas versammelter gehalten.“


Was er ihr sonst noch mit auf den Weg gegeben hat, kann sie Sonntag im Grand Prix Special erneut ausprobieren, der findet dann im großen Stadion statt. Für das Paar wird es der erste seit ihrem Ritt zu Silber bei der EM in Crozet.


Wer sich auf ein Aufeinandertreffen von Freestyle und Viva Gold mit Isabell Werth gefreut hat, wurde enttäuscht. Werth hatte sich, umentschieden und wird den Louisdor-Preis Sieger erst in Mannheim an den Start bringen, wie Bundestrainerin Monica Theodorescu berichtete.


Vayron mit Persönlicher Bestleistung


Ingrid Klimke und Vayron. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Ingrid Klimke und Vayron. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Auch für Ingrid Klimke und Vayron war das heute der erste Freiluftstart, das zweite Turnier der Saison nach dem verpatzten Grand Prix Special von Lier, wo der westfälische Hengst die Zunge über das nahm und nichts mehr ging. Zwischen diesem Tag und dem Auftritt heute in Hagen lag eine Welt.


Der 15-jährige Vitalis-Sohn präsentierte sich heute stabiler im Körper und zufriedener in der Anlehnung, wenngleich es auch immer noch Sequenzen gab, in denen man sich die Nase deutlicher vor der Senkrechten gewünscht hätte, etwa in den Verstärkungen, die er zwar mit wirklich beeindruckender Schwungentfaltung präsentiert, wo man sich aber mehr Rahmenerweitertung wünscht (im Trab Wertnoten von 7,5 bis 9).


Taktstabil, fleißig und mit sicheren Übergängen gelangen Piaffe und Passage, letztere kaum noch schwankend. In den Piaffen „klebt“ die Vorhand trotz deutlicher Lastaufnahme mit der Hinterhand noch etwas am Boden. Schnurgerade und sicher durchgesprungen gelangen die Zweierwechsel und auch die Einerwechsel klappten.


Zu den Herausforderungen der besonderen Art für den Riesen mit der Riesenübersetzung gehören Zick-Zack-Traversalen und Pirouetten. Aber auch da scheinen die beiden sich inzwischen arrangiert zu haben. Letztere waren zwar immer noch eher gestemmt als gesprungen, aber immerhin gelangen sie ausbalanciert und im Gleichmaß.


Ein kleines Missverständnis beim Aufnehmen aus dem starken Galopp führte zu einem verpatzten Wechsel. „Da hätte ich zum Wechsel wieder zureiten müssen. Da hat es einmal gehakt“, erklärte Klimke später. Aber das war auch der einzige wirkliche „Fehler“ in der Prüfung.


Unter dem Strich wurden es 75,087 Prozent und damit eine neues persönliches Bestergebnis für die Mannschaftseuropameister – als Paar. Vayron hatte unter seinem vorherigen Daniel Bachmann Andersen, mit dem er unter anderem Teambronze bei der EM 2023 und Mannschaftssilber bei den Olympischen Spielen 2024 für Dänemark gewonnen hatte, schon Grand Prix Ergebnisse von mehr als 76 Prozent.


Ingrid Klimke war happy. „Heute war er total losgelassen von Anfang an. Er kam hierher und fühlte sich vom ersten Tag an wohl. Ich glaube, langsam aber sicher haben wir eine gute Connection.“ Die brauche der personenbezogene Vayron, sagt Klimke. „Er ist wirklich extrem sensibel. Aber wenn ich ihn so bei mir habe wie heute, ist alles gut. Dann schwitzt er nicht und dann gibt es auch keine Gespenster, weder die Streifen auf dem Hufschlag noch die Buchstaben.“


Aus dem Vorfall in Lier habe sie ihre Lehren gezogen. „Ich habe das Kandarengebiss geändert. Damit fühlte er sich nicht so wohl. Jetzt hat er eines mit kürzeren Anzügen. Und ich habe nach Crozet (der Europameisterschaft, dem letzten Turnier des Paares in 2025, Anm. d. Red.) den Fehler gemacht, dass ich eine ganz lange Pause gemacht habe. Ich habe nur ganz viel rumgetrödelt und nur auf Trense. Dann habe ich vor Lier nur zwei-, dreimal auf Kandare geritten. Das hätte ich einfach mehr machen müssen.“


Inzwischen hole sie die Kandare wieder häufiger aus dem Schrank. Nicht nur für die Dressurarbeit, sondern auch, wenn sie ihn ins Gelände reitet. Das gehöre ohnehin zum Standardprogramm für den bodenscheuen Riesen, sagt Klimke. „Jede Pfütze wird mitgenommen!“ Und damit er auch selbst dran glaubt, dass er „groß und stark durch die Welt marschieren kann“, wie Klimke sagt, hat er einen neuen Beinamen. „Er heißt jetzt Löwenherz und nicht mehr Hasenherz.“


Ingrid Klimke wird wissen, was das bewirken kann. Schließlich gehörte sie 2008 zu der Vielseitigkeitsolympiamannschaft, die auf dem Weg zu Olympiagold in Hongkong ein Foto in der Tasche hatte, auf dem eine handelsübliche Miezekatze in einen Spiegel hineinblickt, aus dem ein Löwe zurückschaut.


Platz drei an die Göteborg-Sieger


Maria von Essen und Invoice. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Maria von Essen und Invoice. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Platz drei ging an das Paar, das die Weltcup-Kür in Göteborg für sich entschieden hatte, Maria von Essen aus Schweden auf ihrem Jazz-Sohn Invoice, der zwar in Oldenburg registriert ist, aber bis in die sechste Generation niederländisch und in der Wurzel aus einem Trakehner Mutterstamm gezogen ist. Der Rappe überzeugte auch heute besonders in den versammelten Lektionen und erhielt 73,370 Prozent.


Wer sonst noch auffiel


Leonie Richter und Lord Europe. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Leonie Richter und Lord Europe. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Platz vier ging mit einem Personal Best von 72,261 Prozent an Leonie Richter und den zehnjährigen Rheinländer Hengst Lord Europe. Der Lord Leatherdale-Sohn präsentierte sich heute stark verbessert in den Piaffen und im Galopp stabiler im Dreitakt, als man es beispielsweise im Louisdor-Preis Finale von Frankfurt von ihm gesehen hat.


Die schwedische Olympiareiterin Therese Nilshagen hatte ihren Grand Prix-Sieger von Tolbert mit nach Hagen gebracht, den Hannoveraner Hengst Navarro. Der Rappe mit dem mächtigen Hengsthals hatte gute Momente, etwa in der Passage vor dem Übergang zum starken Schritt, wo er unter den Schwerpunkt fußte und sich energisch vom Boden abdrückte. Oder den schnurgeraden Zweierwechseln. Oder den gelungenen Pirouetten. Dem gegenüber standen z. B. ein Rückwärtsrichten mit Widerstand und Zick-Zack-Traversalen, in denen Nilshagen ordentlich zu tun hatte im Sattel. Mit 72,065 Prozent wurden sie Sechste.


Hätte es einen Sonderehrenpreis für den Happy Athlete gegeben, wäre Tobias Nabbens Forster ein Kandidat gewesen. Der zierliche Rappe hat immer die Ohren vorne und wenn er sie doch mal unsicher fragend nach hinten richtet, reicht ein Anklopfen seines Reiters am Hals, um ihn zu überzeugen, dass alles gut ist. Die besondere Geschichte der beiden hat sie zusammengeschweißt. Aber der Wallach punktet nicht nur mit seiner Arbeitseinstellung und seiner guten Anlehnung, sondern auch seiner Losgelassenheit, schön herausgearbeiteten Verstärkungen und taktsicherer, äußerst losgelassener und fleißiger Piaffe-Passage-Arbeit. Dem gegenüber standen heute vermeidbare Fehler wie eine Grußaufstellung, in der Forster hinten rechts ruhte, offenes Halten, Rückwärtsrichten mit Widerstand, etwas unsaubere Zick-Zack-Traversalen, Taktverlust in der Linkspirouette und ein unsauberer Übergang vom Galopp in den Trab. Ergebnis: 69,174 Prozent und Platz zwölf der 16 Paare, aber mit viel Luft nach oben.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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