Isabell Werth und Wendy gewinnt Grand Prix in Balve

Deutlicher Sieg für Werth und Wendy zum DM-Auftakt

Dressur
Isabell Werth und Wendy de Fontaine, Sieger im Grand Prix von Balve 2026. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Isabell Werth und Wendy de Fontaine, Sieger im Grand Prix von Balve 2026. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Isabell Werth und Wendy sind auf dem Weg ihren Titel aus dem Vorjahr bei den Deutschen Meisterschaften in Balve zu verteidigen. Den Grand Prix haben sie überlegen gewonnen. Es scheint die DM der Newcomer zu werden – viel Potenzial zu erkennen, aber noch Hausaufgaben zu erledigen.

Mit 4,68 Prozent Abstand entschieden Isabell Werth und Wendy den Grand Prix zum Auftakt der Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter von Balve für sich. 42 DM-Medaillen mit 15 verschiedenen Pferden hat Isabell Werth bereits in ihrem Trophäenschrank – oder wohl eher in mehreren Schränken. Eine davon in Gold hat Wendy letztes Jahr im Grand Prix Special beigesteuert, ehe sie im Sommer dann zweimal Einzelbronze zusätzlich zum Mannschaftsgold bei den Europameisterschaften in Crozet gewann. Bei der Weltmeisterschaft in Aachen, sozusagen Werths Wohnzimmer, wo sie 2006 mit Satchmo zu einem unvergesslichen Titel im Grand Prix Special tanzte, ist die Marschroute für die Einzelwertungen daher klar, auch wenn sie immer nur angedeutet wird: wieder eine Medaille, möglichst aus Gold.


Nachdem in Basel und Fontainebleau immer wieder Spannung insbesondere bei den Serienwechseln auftrat und die dann auch zu massiven Fehlern führte, hatte Werth in Hamburg erstmals eine neue Taktik ausprobiert: mehr „Légèreté“, wie sie es nannte. Sie ritt die Galoppwechsel einhändig, klopfte die Stute beruhigend mit der anderen Hand. Das war erfolgreich. In Hamburg zeigte sich Wendy bereits deutlich entspannter und (fast) fehlerfrei. Allerdings sieht das FEI-Reglement vor, dass (außer in der Kür) beide Hände am Zügel sein müssen und höchstens ein diskretes Halstätscheln erlaubt ist. Heute im Grand Prix in Balve hat Werth genau das umgesetzt und fehlerfreie Wechseltouren ins Viereck gebracht.


Takt und Lastaufnahme in Piaffe und Passage sind Wendy in die Wiege gelegt und die Passagen waren heute auch aktiver aus dem Hinterbein entwickelt als man es beispielsweise in Fontainebleau gesehen hat. Der starke Schritt wurde wie eigentlich immer mit gutem Raumgriff und schöner Dehnung gezeigt. Das brachte doppelt Punkte. 81,240 Prozent vergaben die Richter heute insgesamt. Eine Weltklassebewertung. Vergleicht man allerdings den Ritt mit ähnlich bepunkteten Auftritten der anderen beiden EM-Medaillengewinner Justin Verboomen (BEL)/Zonik Plus und Cathrine Laudrup-Dufour (DEN)/Freestyle, muss man sagen: Da muss Isabell Werth noch eine ganze Ecke mehr Losgelassenheit, Geschmeidigkeit und Leichtigkeit in der Anlehnung ins Viereck bringen, will sie diesmal an den beiden vorbeiziehen.


Evergreen Bluetooth OLD


Frederic Wandres und Bluetooth. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Frederic Wandres und Bluetooth. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Wenn es ein Paar gibt, auf das immer Verlass ist, sind das Frederic Wandres und Bluetooth. Auch heute präsentierten die beiden sich wieder als eingespieltes Team. Wandres hatte den 16-jährigen Oldenburger Bordeaux-Sohn gerade zu Beginn der Aufgabe schön vor sich und Bluetooth war mit genügend Energie unterwegs. In den Piaffen hätte man sich besonders in den ersten beiden ein etwas gleichmäßigeres Abfußen gewünscht. Hier scheint Bluetooth hinten links mehr Last aufzunehmen als hinten rechts. Die Galopptour war sehr lektionssicher mit einem Aber in der Rechtspirouette, wo der Wallach hinten deutlich beidbeinig stützte.


Alles in allem gaben die Richter Katrina Wüst (E), Elke Ebert (H), Thomas Kessler (C), Knut Danzberg (M) und Henning Lehrmann (B) 76,560 Prozent. Die beiden ersteren sortierten das Paar auf Rang drei ein. Bei C und M wären sie Vierte gewesen, bei B Zweite.


Viva Gold und Dante’s Pearl Kopf an Kopf


Isabell Werths Louisdor-Preis Sieger Viva Gold OLD hätte im Dezember in Frankfurt wohl kein so leichtes Spiel gehabt, wäre Charlott-Maria Schürmanns Dante’s Pearl dabei gewesen. Die elfjährige, ebenfalls beim Oldenburger Verband registrierte Dante Weltino-Tochter war qualifiziert, hatte sich aber einen Infekt zugezogen und konnte nicht antreten. So war heute das erste Aufeinandertreffen der beiden. Ergebnis: Sie teilten sich mit 76,520 Prozent den dritten Platz. Die beiden Nachwuchspferde mit nur 0,04 Prozent hinter den Mannschaftsgoldmedaillengewinnern der Olympischen Spiele 2024. Das ist eine Hausnummer.


Viva Gold OLD


Isabell Werth und Viva Gold OLD. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Isabell Werth und Viva Gold OLD. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Da sie zwei Pferde in der Prüfung hatte, war Isabell Werth mit Viva Gold als eines der ersten Paare an der Reihe. Der zehn Jahre junge Oldenburger Hengst v. Vivaldi-For Romance, ein Weihegold-Enkel aus der Zucht von Christine Arns-Krogmann, glänzte insbesondere in der Galopptour mit seinem energischen Durchsprung, aus dem er unter anderem schöne Zweierwechsel entwickelte. Allerdings leistete der Dunkelfuchs sich heute den Fehler in den Einzerwechseln, den Wendy nicht machte.


Insgesamt hätte man sich eine weichere Anlegung und weniger Kandareneinwirkung gewünscht. Besonders in der Trabtour zeigte sich der Hengst nicht ganz zufrieden im Maul, schwang auch in den Verstärkungen wenig durch und die Traversalen hätte man sich mehr im Fluss und sicherer im Takt gewünscht.


Dante’s Pearl OLD


Charlott-Maria Schürmann und Dante's Pearl. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Charlott-Maria Schürmann und Dante’s Pearl. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Sie haben noch wenig internationale Erfahrung, aber spätestens seit dem Grand Prix Special von München werden Dante’s Pearl und Charlott-Maria Schürmann auch im Zusammenhang mit der WM in Aachen ins Gespräch gebracht. Ein Platz im Team könnte angesichts der verletzungsbedingten Balve-Absagen der EM-Paare Ingrid Klimke/Vayron und Katharina Hemmer/Denoix realistischer werden. Eigentlich ist Balve eine obligatorische Championatssichtung für die Dressurreiter. Aber es hat in den vergangenen Jahren immer wieder Ausnahmen gegeben, so dass für Klimke und Hemmer der WM-Zug noch längst nicht abgefahren sein dürfte. Für Schürmann ist es aber auf jeden Fall von größter Bedeutung, sich in Balve bestmöglich zu präsentieren.


Das ist ihr heute zum großen Teil gelungen. Trab und Galopp von Dante’s Pearl suchen ihresgleichen. Der Schritt fällt dagegen etwas ab und heute kam in der Versammlung etwas Spannung auf. Aber das Gesamtbild von Harmonie zwischen Reiterin und Pferd stimmt, die Anlehnung, die Losgelassenheit, die Geschmeidigkeit. Außerdem haben die beiden richtige Highlightlektionen: die Passage, zunehmend auch die Piaffen (heute besonders die letzte), vor allem die Pirouetten, von den Verstärkungen ganz zu schweigen. Nach der ganzen Parade vor dem Rückwärtsrichten stand die Rappstute nicht unter dem Schwerpunkt, dementsprechend gelang das Rückwärtsrichten nur mit Mühe. Aber ansonsten hat Schürmann keinen Punkt liegengelassen.


Die weiteren Platzierten im Kurzbericht


2025 waren Semmieke Rothenberger und ihr KWPN-Wallach Farrington erstmals bei den Senioren am Start und konnten sich einen tollen fünften Platz in der Kür sichern. Rang fünf wurde es auch heute für die beiden. Der Jazz-Sohn hat auch mit seinen 16 Jahren nichts von seiner Energie verloren und macht seinem Spitznamen „Ferrari“ alle Ehre. Er ist aber auch sehr lektionssicher und wenn Semmieke Rothenberger bei all ihren Championatsauftritten (und Goldmedaillen) von den Ponys bis ins U25-Lager eines gelernt hat, dann ist es Prüfungen zu reiten. So auch heute. 74 Prozent wurden es für die beiden.


Raphael Netz hat seine „beiden Jungs“ mit nach Balve gebracht, Dieudonné und Great Escape Camelot. Der erfahrnere Camelot ließ seinen Stallkollegen mit 73,820 Prozent hinter sich. Bei Dieudonné wurden es 72,340 Prozent. So unterschiedlich die beiden Pferde sind, sie haben auch Gemeinsamkeiten – beide sind von Hause aus mit ganz viel Go ausgestattet. Beide profitieren vom soliden Gerittensein durch Raphael Netz, das sich in besonders feiner Anlehnung und guter Geraderichtung äußert. Dafür wurde Netz heute einmal mehr mit einem Sonderpreis geehrt.


Ein Paar, das aussieht, als könnte es die Grand Prix-Aufgabe mit dem Finger in der Nase absolvieren, sind Forster und Tobias Nabben. Die besondere gemeinsame Geschichte hat die beiden sichtlich zusammengeschweißt. Nur wenige Pferde machen einen so losgelassenen, zufriedenen Eindruck in allen Augenblicken wie der elfjährige Finest-Sohn. Dabei piaffiert und passagiert mit einer federnden Leichtigkeit, Taktsicherheit und Aktivität, die an Dalera erinnert. Zumal der Hannoveraner Rappe auch mit den Übergängen einfach nur so spielt. Gerade weil den beiden alles so leicht zu fallen scheint, wünschte man sich etwas akzentuierteres und genaueres Reiten für noch mehr als 72,140 Prozent und Rang acht. Das Potenzial ist da.


Wenn man über die Zuverlässigkeit eines Bluetooth spricht, könnte man auch Dr. Svenja Kämper-Meyers Amanyara M als Paradebeispiel nennen. Die Rappstute ist immer engagiert, immer dabei, war heute aber nicht immer zu jeder Zeit losgelassen und geschmeidig. Mit 72,120 Prozent mussten sie sich Forster und Nabben knapp geschlagen geben.


Zehnte und damit letzte in der Liste der Platzierten unter den 20 Paaren der Prüfung wurden Jessica von Bredow-Werndl und Times Kismet. Man hatte den Eindruck, dass die vierfache Olympiasiegerin die elfjährige Ampere-Tochter (damit eine Halbschwester von Amanyara) heute mit einer sichereren Verbindung vom Hinterbein über den Rücken bis in die Hand präsentieren konnte, allerdings nicht immer gerade gerichtet und sicher ausbalanciert. Die erste Piaffe war richtig gut. Die Übergänge müssen aber noch sicherer werden und in den beiden weiteren Piaffen fand Kismet nicht mehr sicher in den Takt. Auch das ist vermutlich eine Sache der Sicherheit, Kraft und Erfahrung.


Pech hatte Jessicas Bruder Benjamin Werndl mit seinem Louisdor-Preis Finalisten Quick Decision. Der Hannoveraner Quaterhall-Sohn schien das Viereck in Balve recht unheimlich zu finden, traute sich nicht richtig in die Ecken und verhielt sich deutlich, so dass Werndl sein ganzes reitehrliches Geschick aufbringen musste, um den mangelnden Zug nach vorne auszugleichen und „Quicks“ durch die Aufgabe zu führen. Mit 70,660 Prozent blieben sie unter ihren Möglichkeiten.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


Rose Oatley gewinnt U25 Auftakt


Auch für die Generation U25 war heute Warm-Up vor den Medaillenentscheidungen. Der Sieg ging an das neue Paar Rose Oatley und Alive and Kicking. Vor noch nicht mal einem Vierteljahr hatte die zehnfache Nachwuchs-EM Goldmedaillengewinnerin die von Charlotte Dujardin ausgebildete All at Once-Tochter Alive and Kicking übernommen, konnte sich als Quereinsteigerin in die Piaff-Förderpreis Riege einreihen und wie schon in Mannheim gewann sie auch heute die Intermédiaire II. 73,210 Prozent wurden es für das Paar.


Zweite wurden die Siegerinnen der Sichtungsprüfung, Lucie-Anouk Baumgürtel und ihre erst zehnjährige, selbst ausgebildete First Vienna mit 72,211 Prozent. Über Rang drei konnten sich Katharina Schuster und Qence L freuen (70,921).


Gerade die Abstände auf den Plätzen drei bis sieben waren so gering, dass hier noch alles möglich ist. Die siebtplatzierte Sophia Gerlach zeigte mit ihrem Amaru F NRW beispielsweise eine wunderbar harmonische Prüfung, die die reelle Grundausbildung des ebenfalls von All at Once abstammenden Wallachs verdeutlichte. Sie war Knut Danzberg bei E 70,395 Prozent und seinem Kollegen gegenüber bei E, Thomas Kessler, 70,0 Prozent. Aber was bei ersterem Rang drei war, war bei letzterem Platz sieben. Unter dem Strich kamen sie auf 69,816 Prozent.


Alle Ergebnisse der U25 Tour finden Sie hier.


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