Dressurreiten ist eine Sportart, bei der nach objektiven Kriterien beurteilt werden soll. Doch mit dem Faktor Mensch werden auch objektive Kriterien zu subjektiven Urteilen. 45.000 Menschen erlebten gestern die Entscheidung in der Kür bei der Weltmeisterschaft in Aachen – 45.000 Menschen, Meinungen. Wie unterschiedlich die vermeintlich objektiven Kriterien interpretiert werden, ließ sich an den Reaktionen auf den Tribünen ablesen. Da ist man doch froh, dass in den Richterhäuschen Menschen sitzen, die zumindest ihrer Bestimmung nach unvoreingenommen bewerten sollen. Ob das gelingt und ob man mit dem Ergebnis immer einverstanden ist, steht auf einem anderen Blatt. Wie wir den Abend gestern aus sportlicher Sicht erlebt haben, können Sie hier nachlesen. In einem Punkt herrschte bei dieser Weltmeisterschaft jedoch hundertprozentige Einigkeit: Es war ein großartiger Abend!
. 45.000 Zuschauer und ein Dancefloor
Man kennt diese Stimmung in der Aachener Soers sonst von den CHIO Nationenpreisen der Springreiter – am Horizont hinter der Westtribüne versinkt die Sonne am Horizont. Der Himmel färbt sich purpurn, die Dunkelheit senkt sich übers Stadion. Die Flutlichtscheinwerfer werden zur Bühnenbeleuchtung, normalerweise für die 120 x 150 Meter Rasenfläche, gestern für den 20 x 60 Meter Dancefloor. Beim Nationenpreis läuft es so ab: Pferd und Reiter kommen rein, mehr oder weniger lauter Jubel, dann erwartungsvolle, manchmal angespannte Stille. Gestern Abend war es ähnlich und doch ganz anders: Reiter und Pferd betraten durch den neuen Torbogen das Stadion, frenetischer Jubel, Stille, Musik. Bei jedem Ritt ein zehnminütiges Gratiskonzert. Die Musikauswahl war sicher nicht immer jedermanns Geschmack. Aber die eine oder andere Kür verführte die Tribüne zumindest zum Schunkeln, zum Teil sogar dazu, aufzustehen und zu tanzen. Ehrlich gesagt, das war dann doch etwas befremdlich. Fazit ist aber: Mit Dressurreiten kann man 45.000 Menschen restlos begeistern.