Balou du Rouet ist tot – Spitzenvererber der Deckstation Schockemöhle hinterlässt internationale Top-Pferde in Springen und Vielseitigkeit
Abschied von Balou du Rouet – ein Hengst, zwei Disziplinen, Weltspitze
Balou du Rouet
Foto: Schockemoehle.com Die Deckstation Schockemöhle trauert um Balou du Rouet. Der braune Oldenburger ist im Alter von 27 Jahren gestorben. Fast zehn Jahre lang stand er im WBFSH-Ranking unter den weltbesten Vererbern, und zwar im Springen und in der Vielseitigkeit. Wer ihn einmal gesehen hat, konnte ihn nicht vergessen.
Unverkennbar Balou du Rouet
Eine breite Blesse mit braunen Flecken, ein großes, waches Auge und ein irgendwie schelmischer Blick. Balou du Rouet war ein Hengst, der unter die Haut ging, der auffiel. Und das nicht nur wegen seiner auffälligen Zeichnung, die vielen seiner Nachkommen mitgab.
Als Balou du Rouet 1999 in Paul Schockemöhles Gestüt Lewitz zur Welt kommt, zählt er zu den Pferden, deren familiärer Hintergrund klar auf PS verweist. Sein Vater ist der Olympiasieger und mehrfache Weltcupsieger Baloubet du Rouet von Rodrigo Pessoa. Nicht ohne Bedacht erhielt sein Sohn mit einem stark an seinen Erzeuger erinnernden Namen. Seine Vererbung sollte zeigen: Die Idee war richtig.
Muttervater Continue, ein Contender-Tin Rocco-Sohn – über den Holsteiner Halbblüter Tin Rocco v. Tin Rod xx kommen die Sprenkel im Gesicht – brachte die Kraft des Contender ins Pedigree. Mit Domino, Gepard und Granit folgen Vererber aus den ersten Stunden der Hengsthaltung im Pferdeimperium von Paul Schockemöhle.
Karriere wie erhofft, vor allem züchterisch
Balou du Rouet war in Springpferdeprüfungen sehr erfolgreich. Beim Bundeschampionat erhielt er, wie auch schon in der Hengstleistungsprüfung, Noten über 9,0. Später ging er in Springen bis 1,50 Meter. Aber anders als sein Vater war er nicht auf den großen Turnierplätzen der Welt omnipräsent.
Ganz groß heraus kam er in der Zucht. Im aktuellen WBFSH-Ranking steht Balou du Rouet auf Platz 15 der Springvererber und auf Platz 31 in der Vielseitigkeit. Fast 100 seiner Nachkommen waren in 1,60-Meter-Parcours erfolgreich.
Internationale Aushängeschilder von Balou du Rouet

Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de
Baloutinue ist einer der bekanntesten Söhne von Balou du Rouet. Mit der US-Amerikanerin Laura Kraut gewann er zweimal Olympia-Teamsilber, 2021 und 2024. In der Einzelwertung in Paris wurden beide Achte. Auch Deutschland verdankt Balou du Rouet einen Olympiamedaillengewinner, nämlich First Class van Eeckelghem, der mit Daniel Deußer maßgeblich zur Mannschaftsbronzemedaille der deutschen Springreiter 2016 in Rio de Janeiro beitrug und ihn zum Deutschen Meister machte.
Sowohl dieser viel zu früh verstorbene Fuchs als auch die sensible Stute Bianca, mit der Steve Guerdat, WM-Einzelbronze in Tryon 2018 und EM-Teambronze gewann, zeigten, dass Balou du Rouet-Kinder nicht nur qualitativ, sondern auch charakterliche Ausnahmepferde waren. Und davon gibt es noch viel mehr Beispiele. Saura de Fondcombe gehörte mit Nadja Peter Steiner zum Schweizer Bronzeteam bei der EM 2017 in Göteborg. Im österreichischen EM Team in Mailand 2023 sprang Equitron Naxcel V unter Gerfried Puck.
In der Vielseitigkeit holte der von promovierter Züchterschaft gezogene Billy the Red mit Kristina Cook für Großbritannien EM-Teamgold und Einzelsilber. Auch Corouet, der mit Sarah Bullimore EM-Einzelbronze gewann, stammte von Balou du Rouet ab.
Insgesamt zeigte Balou du Rouet fünf Pferde, die auf Fünf-Sterne-Niveau in der Vielseitigkeit erfolgreich waren, zwei gingen Grand Prix im Dressurviereck und 93 haben internationale Erfolge im Parcours in Springen ab 1,60 Meter, darunter mehrere in deutschem Beritt wie zum Beispiel der Schimmel Baju NRW von Steffen Engbers.
Balou du Rouets Popularität ließ nie nach. 2025, da war er immerhin schon 26 Jahre alt, wurde seine Tochter Ortane Weltmeisterin der sechsjährigen Springpferde.
Über 100 gekörte Söhne

Mehr als 70 gekörte Söhne hat Balou du Rouet allein nach FN-Angaben gezeugt. Horsetelex zählt 136 inklusive denen im Ausland. Die vielleicht prominentesten sind Patrick Stühlmeyers Weltcup-Finalist Baloutaire PS, Balzaci, Baccord und Balous Bellini. Ein Erfolg, der auch in der sportlichen Mutterlinie begründet liegt.
Balous Mutter Georgia brachte noch drei weitere gekörte Söhne, darunter den Bundeschampion Cornet’s Balou v. Cornet Obolensky, der als Balou du Reventon unter Brian Moggre im siegreichen US-Nationenpreisteam von Aachen 2021 stand und Dritter im Rolex Grand Prix wurde. Später war er mit Harry Charles noch hoch erfolgreich.
Balou du Rouet hinterlässt eine große Lücke, nicht nur im Hengstbestand der Station Schockemöhle.