Wenn Nachwuchs den Nachwuchs so schön fördert! - Die Jungen zeigen bei Qualifikationen Louisdor Preis und Nürnberger Burg-Pokal, wie’s geht
Der Newsletter auf EQUI PAGES. Immer aktuell. Immer montags. Immer wissen, was Sache ist. Foto: sportfotos-lafrentz.de Jan Tönjes meldet sich jede Montag mit einer Rückschau auf die Themen der Woche. Und einem Ausblick auf das, was kommt.
Sie muss ja für vieles hinhalten, die „Deutsche Reitlehre“. Die Altvorderen bringen sofort die HDv12 ins Spiel, die anderen können zumindest mit der Skala der Ausbildung punkten – Takt, Losgelassenheit, Anlehnung …
Wie das aussieht, wenn diese Prinzipien in Fleisch und Blut übergegangen sind, das haben am vergangenen Wochenende mehrere Nachwuchsreiterinnen mit – und das finde ich umso erfreulicher – Nachwuchspferden gezeigt. Allen voran Anna Schölermann, 25, Schülerin von Reitmeister Hubertus Schmidt. Meisterschülerin muss man sagen, nicht erst seit der Runde, die sie gestern in Guxhagen mit Vitally in der Qualifikation für den Louisdor Preis hingelegt hat. Das war eine Augenweide!
Wenn es schön aussieht, ist es auch richtig
Dieser tiefe Sitz. Die dezente, aber effektive Hilfengebung. Ein Ritt, bei dem man auf jedem Meter die Deutsche Reitlehre wiederfinden konnte. Auch wenn das dort nicht so direkt steht: Wenn es schön aussieht, ist es auch richtig. Wenn Vertrauen und Miteinander die große Überschrift sind, die über einer Prüfung steht. Wenn dabei Athletik und Technik mit Elastizität und Ausdruck eine Ausgewogenheit darstellen, dann ist das so, wie man sich Dressur heutzutage vorstellt. Der Nachwuchs, der vierbeinige, wegweisend vom zweibeinigen Nachwuchs gefördert. Einfach schön.
Anna Schölermann war dabei keine Ausnahme. Auch das, was Doppelsiegerin Rose Oatley im Viereck bei der Qualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal zeigte, war filmreif. Und zwar für einen Lehrfilm. Die Hand ruhig, die kleinen Finger leicht Richtung Pferdemaul, das Handgelenk elastisch, sodass immer eine nahezu perfekte Anlehnung auch in den anspruchsvollsten Lektionen garantiert war. Manchmal sind es Kleinigkeiten, an denen ich mich gar nicht genug sattsehen kann.
Viele positive Beispiele
Oder Lucie-Anouk Baumgürtel – ihre zehnjährige Stute First Vienna FRH hat sie selbst ausgebildet bis zum U25 EM-Mannschaftssieg in diesem Jahr. Wie sie die Stute noch einmal von der vorletzten Etappe auf dem Anakenenhof in Pinneberg bis zur Station in Guxhagen verbessert hat, unterstreicht, dass auch sie nicht nur unzählige EM-Titel in den Altersklassen gesammelt hat, sondern ihr Verständnis vom „richtigen“ Reiten mit den Erfolgen und den daraus resultierenden Erfahrungen parallel gewachsen ist.
Außerdem gibt es auch noch den „Mittelbau“, der wichtig ist. Hannah Milena Rother ist Mitte 30, hat lange Zeit bei Reitmeisterin Dorothee Schneider geritten. Auch hier: Deutsche Reitlehre pur. Selbst wenn ihre sensible Stute Vichess, die in der Qualifikation zum Louisdor Preis an den Start ging, das Ticket für Frankfurt nicht hat lösen können, ist das Paar „one to watch“ wie es im Englischen heißt. Und eine (weitere) Augenweide.
Mein Fazit: Die deutsche Dressur hat verstanden, wohin die Reise in der Zukunft gehen muss. Das stimmt freudig, da wird einem warm ums Herz. Und das kann man gut gebrauchen, wenn es beim morgendlichen Füttern fünf Grad warm ist.
Schnell noch ein Blick auf die anstehende Woche. Sportlich gibt es, mindestens, zwei Highlights. Bei der Weltmeisterschaft der Jungen Vielseitigkeitspferde im französischen Lion d’Angers ist die Crème de la Crème am Start und der Dressur-Weltcup in Herning(DEN) verspricht auch einen Auftakt nach Maß.
Derweil ist in deutschen Stallgassen das Surren der Schermaschinen wieder öfter zu vernehmen. Und die Frage nach der richtigen Decke. Davon kann Don Hitmeyer ein Lied singen, zumindest im Rückblick auf den vergangenen Winter …
In diesem Sinne – bis kommenden Montag
Jan Tönjes
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Dieser Text wurde erstmals am 12. Oktober 2026 veröffentlicht. Immer montags kommentiert Jan Tönjes auf EQUI PAGES das Geschehen in unserem wöchentlichen Newsletter.
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