Dressur Grand Prix Kür GCT WIen: Sieg für Viva Gold und Isabell Werth unter Flutlicht, Moritz Treffinger mit Personal Best und Katharina Hemmer mit 76-Prozent Debüt

Wien: Viva Gold gewinnt mit Isabell Werth unter Flutlicht, Moritz Treffinger mit Volltreffer und Katha Hemmer mit Aha-Effekt

Dressur
Isabell Werth und Viva Gold in Wien. Foto: © EQWO.net | Petra Kerschbaum Isabell Werth und Viva Gold in Wien. Foto: © EQWO.net | Petra Kerschbaum
Von wegen Wiener Klassik – vor dem Schloss Schönbrunn begleiteten Neil Diamond, die Backstreet Boys und Aha sehenswerte Leistungen bei einem rein deutschen Podium.

Wie veredelt man pures Gold? Mit einem Diamanten! Neil Diamonds Welthits von „Song, song blue“ über „Forever in Blue Jeans“ bis, natürlich, „Sweet Caroline“ (dessen Kult-Refrainzeile „oh, oh, ooooh“ anzustimmen Isabell Werth das Publikum nach der Kür mit Nachdruck aufforderte) passen zu dem Piaffe-Passage-Talent des OIdenburgers Viva Gold. Dass der Vivaldi-Sohn auch „Flutlicht kann“, hat er spätestens heute vor der Kulisse des Schlosses Schönbrunn unter Beweis gestellt. Technisch fehlerfrei, Piaffen und Passagen mit der Leichtigkeit und vor allem demselben Selbstverständnis wie sie einst seine Großmutter Weihegold zeigte.


86,56 Prozent erhielt das Paar für die Kür, in der der Hengst zwar hier und da kurze Momente von Spannung zeigte, sich aber danach stets sofort wieder konzentrierte. So konnte Isabell Werth beispielsweise die Tempounterschiede im Schritt trotz der Atmosphäre vor den vollbepackten Rängen deutlich herausarbeiten. Auch der schwierige Übergang von der Galopppirouette in die Piaffe gelang. Den Trabverstärkungen wünschte man mehr Elastizität und Rückentätigkeit.


Der Baden-Württemberg/Brandenburger Bub und die Backstreet Boys


Gestern war Cadeau Noir, der Rapphengst, dem Moritz Treffinger unter anderem Goldmedaillen von der U25-EM verdankt, nicht davon zu überzeugen, beim Gruß stillzustehen. Die Lösung? Musik an! Mit den Klängen der Backstreet Boys („Everybody…“) stand der Hannoveraner Beschäler aus dem Brandenburger Gestüt Bonhomme. Und zwar sowohl zum Auftakt wie auch zum Abschluss der Kür. Viele Höhepunkte, vor allem im Galopp, ließen die B-Noten von 78 bis 89 Prozent hochschnellen. Mit 76,63 Prozent lagen die beiden Bonhomme-Boys zwar knapp zehn Prozent hinter der Siegerin, sie erreichten aber ihre persönliche Bestleistung in einer „Senioren Grand Prix Kür“.


Katha Hemmer setzt auf den Aha-Effekt


Wenn der Norweger Morten Harket sein Falsett bei „Take on me“ erschallen ließ, kämpften in den 1980er Jahren viele Mädchen und junge Frauen mit der Ohnmacht. Warum diesen Frauenschwarm nicht für eine Kür nutzen? Das dürfte wohl das Kalkül von Mannschaftsweltmeisterin Katharina Hemmer bei der Auswahl ihrer Musik gewesen sein. Zu Klassikern wie  „The sun always shines on TV“ oder dem Schmachtfetzen „Hunting high and low“ (zum Schritt) zeigte Hemmer den San Amour-Sohn Special Gold PCH wie schon beim Grand Prix am Freitag deutlich gereifter.


Lektionen sitzen


Die Lektionen sitzen – 21 Einerwechsel auf zwei Halbdiagonalen sprechen für sich. Was der Rappe, ein direkter Sohn von Weihegold, noch braucht: Kraft. In einigen Galopppirouetten war er kurz davor, den klaren Galoppsprung im Hinterbein zu verlieren. Im Verlauf der Prüfung verbesserte sich das aber. Passage und Piaffen legte „Katha“ manchmal etwas deutlicher im Vorwärts an, was dem harmonischen Gesamteindruck guttat.


Noch ein Aha-Effekt kurz vor Schluss


Eine clevere Choreographie-Idee am Ende: Auf der letzten Mittellinie Übergang von (geraden) Zweier- in Einerwechsel bis kurz vorm Schlussgruß. Mit 76,08 Prozent in der allerersten Grand Prix Kür des 2025 noch Viertplatzierten im Finale des Louisdor Preis, setzt Katharina Hemmer ein Ausrufezeichen. Ein fettes, denn dass hier noch die berühmte „Luft nach oben“ en masse vorhanden ist, war offenkundig. Mit zunehmender Kraft und Routine dürfte der zehnjährige Special Gold alles haben, um sich im Windschatten von Denoix im Viereck systematisch nach vorne zu arbeiten.


Lisa Müller wurde mit D’Avie Fünfte (72,795). Die beiden waren als erstes Starterpaar in die Arena in Wien geritten.


Ergebnisse Grand Prix Kür, GCT Wien 2026


 


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