Para-Dressur WM Aachen: Niehues und Mispelkamp holen Silber und Bronze in den Grades IV und V

WM Aachen Para-Reiter: Silber für Anna-Lena Niehues, Bronze für Regine Mispelkamp – und eine Amerikanerin, die alle in den Schatten stellt

Regine Mispelkamp und Highlander Delight's holten WM Bronze im Grade V.
Foto: sportfotos-lafrentz.de/Houou Tomita Regine Mispelkamp und Highlander Delight's holten WM Bronze im Grade V. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Houou Tomita
Neben dem Springen im Hauptstadion stand im Dressurstadion Tag zwei für die Para-Reiter an. In den Grades IV und V ging es nicht nur um die ersten Medaillen im Grand Prix A Einzelfinale, sondern auch um Tickets für die sogenannte Grand Prix Kür. Am Ende durften sich gleich zwei deutsche Reiterinnen über Edelmetall freuen – auch wenn die Goldmedaillen nach Idaho und Großbritannien gingen.

2024 entdeckte Kate Shoemaker, 39-jährige Tierärztin aus Idaho, die zehnjährige Vitalis-Tochter Vianne im Stall von Cathrine Laudrup-Dufour. Es war ein Match. Kurz darauf holten sie Bronze bei den Paralympics in Paris. Das konnten sie heute nochmal toppen. Und zwar deutlich. Bereits früh in der Prüfung übernahmen Shoemaker und ihre Schimmelstute mit satten 78,889 Prozent, persönliche Bestleistung, die Führung. Und sollten sie bis zum Schluss nicht mehr hergeben. Für das abschließende Halten gab es sogar eine 10. „Wir waren heute wirklich eine Einheit. Alles hat sich leicht und selbstverständlich angefühlt“, freute sich Shoemaker, die mit Muskelschwäche, Spasmen und motorischen Einschränkungen der rechten Körperseite lebt. Nun ist sie Weltmeisterin.


Anna-Lena Niehues: Silber zum Einstand


Über die Silbermedaille konnte sich Anna-Lena Niehues freuen. Wir hatten schon über die 41-jährige Pferdewirtin berichtet, die auch im Regelsport erfolgreich ist. Auch bei ihr und ihrer Westfalen-Stute Vive l’Amour wurde es ein Personal Best: 74,639 Prozent. Niehues erzählte schon zu Beginn der WM, dass sie lange gebraucht hat, um das Vertrauen von Vive l’Amour zu gewinnen. „Meine Stute ist sehr sensibel. Daher bin ich sehr stolz, wie sehr sie sich in dieser Atmosphäre auf mich konzentriert hat.“


Bronze in Grade IV ging an die vollständig erblindete Nicola Naylor (GBR), die sich im Viereck allein anhand akustischer Orientierungspunkte, Rhythmus und den Bewegungen ihres Pferdes zurechtfindet. Sie erhielt 73,861 Prozent und war überglücklich: „Ich hätte niemals zu träumen gewagt, dass das einmal für mich möglich sein würde“, so die 65-Jährige.


Brandt bei Premiere platziert


Keine Medaille, aber eine Platzierung gab es für die WM-Debütantin Helen Brandt mit ihrem Fuchs Vulkan Vegas IB. Mit 70,028 Prozent wurden die beiden Achte.


Gold für Wells …


Auch in Grade V setzte sich eine prominente Britin durch: Sophie Wells, vierfache Paralympics-Siegerin, Welt- und Europameisterin. Sie hat die zehnjährige Fuchsstute MSJ Gold Standard mit nach Aachen gebracht. Sie hat die Stute erst seit Anfang des Jahres unter dem Sattel. Gezogen wurde die Stute von Emma Blundell im Gestüt Mount St. John. Die Großmutter ist die von Nadine Plaster ausgebildete Württemberger Dacaprio-Tochter FBW Dejavu. Die beiden waren gleich das zweite Paar auf der Starterliste und lieferten mit 74,949 Prozent direkt ein Ergebnis, das heute keiner mehr überbieten sollte. „Die Zeit des Wartens war nervenaufreibend“, gab die 36-Jährige zu. Aber sie war ohnehin happy über die Performance ihrer Stute: „Sie wird von Mal zu Mal besser.“


Silber holte mit 73,154 Prozent die 25-jährige Niederländerin Britney de Jong auf dem KWPN-Wallach Caramba N.O.P. – WM-Debüt, und zugleich der letzte Championats-Auftritt für ihren 19-jährigen Sportpartner. „Vor dem Gruß habe ich ihn noch einmal geklopft und gesagt: Einmal machen wir das noch.“ Und damit Silber geholt.


… Bronze für Mispelkamp


Und dann, mit der Bronzemedaille um den Hals: Regine Mispelkamp. „Hier in Aachen vor meinem Heimpublikum an den Start zu gehen – damit erfüllt sich ein Traum“, sagte die dreifache Europameisterin, die mit Multipler Sklerose lebt. Mit ihrem langjährigen Partner Highlander Delight’s kam sie auf 72,974 Prozent.


Ab morgen geht es im Para-Dressurstadion um die Mannschaftsentscheidung. Heidemarie Dresing macht im Grade II wieder den Anfang. Samstag werden die Medaillen verteilt.


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