Heidemarie Dresing holt die erste Medaille in der Para-Dressur für Deutschland bei der WM Aachen – Gold im Grade II

Heidemarie Dresing ist Weltmeisterin

Heidemarie Dresing und Poesie auf dem Weg zu ihrem ersten WM-Titel.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Heidemarie Dresing und Poesie auf dem Weg zu ihrem ersten WM-Titel. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Heidemarie Dresing und Poesie fügen ihrer erklecklichen Medaillensammlung nun auch noch Weltmeisterschaftsgold hinzu.

Heute wurden die ersten Einzelmedaillen in der Para-Dressur an die Reiter der Grades I bis III verteilt. Deutschland war in Grade II vertreten durch Heidemarie Dresing und ihre Fürstenball-Tochter Poesie. Die beiden traten als Europameister und damit Favoriten an und der Rolle wurden sie voll gerecht. Mit 75,483 Prozent setzte sich die 71-Jährige, die mit 50 die Diagnose Multiple Sklerose erhielt, wie schon bei der Euro gegen die Dänin Katrine Kristensen auf Goerklintgaards Quater durch. Hier wurden es 75,31 Prozent. Bronze ging an die Britin Jemima Green im Sattel von Fantabulous, einer Oldenburger Foundation-Tochter (75,241). Damit war es exakt das EM-Podium.


Dass es so knapp war, lag vor allem daran, dass just bei der Grußaufstellung ein lauter Krach außerhalb des Prüfungsvierecks ertönte und Dresings Poesie sich furchtbar erschrak. An Halten war nicht zu denken, Poesie legte den Rückwärtsgang ein. Doch sie vertraut ihrer Reiterin offenbar so sehr, dass diese sie überzeugen konnte, bei ihr zu bleiben und die Prüfung zu beginnen – nicht einfach, wenn man schon Schwierigkeiten hat, die Balance im Sattel zu halten. Aber Dresing sagt: „Zum Glück habe ich dann schnell ihr Vertrauen wiedergewonnen, weil ich sie inzwischen wirklich sehr gut kenne. Ich mache alles mit meinem Pferd: Ich reite sie nicht nur, sondern pflege sie auch. Ich gehe mit ihr spazieren, so weit wie mir das eben möglich ist.“


Grade III Gold für van der Horst, Silber für Joergensen, Bronze für Salvadé


Rixt van der Horst und Eisma’s Royal Fonq N.O.P. gewannen mit 77,534 Prozent die Goldmedaille in Grade III – zugleich eine persönliche Bestleistung des Paares und der insgesamt sechste WM-Goldtitel der niederländischen Reiterin. Als dreifache Europameisterin war van der Horst als eine der Favoritinnen an den Start gegangen; sie startete als zweites Paar und setzte früh die Messlatte. 17 weitere Paare folgten, bevor feststand, dass ihr Ergebnis reichen würde. „Das war wirklich nervenaufreibend“, gestand die 34-Jährige. Van der Horst hatte ihren elfjährigen Westfalen-Fuchshengst Eisma’s Royal Fonq N.O.P. vor drei Jahren im Stall von Dinja van Liere entdeckt. „Er hat ein Herz aus Gold“, sagte sie über ihren Partner. „Für die erste Prüfung bin ich mehr als happy damit, wie wir beide das gemeistert haben.“


Silber ging an den dänischen zweifachen Paralympics-Sieger von Tokio 2021, Tobias Thorning Joergensen. Mit Jolene Hill hatte er 2022 in Herning zusätzlich Doppel-Gold bei den Weltmeisterschaften gewonnen sowie jeweils Doppel-Gold bei den Europameisterschaften 2019 in Rotterdam und 2023 in Riesenbeck. In Aachen trat der 25-Jährige erstmals mit dem zehnjährigen Oldenburger Hengst Blue Hors Zackorado an und erzielte 75,100 Prozent.


Bronze sicherte sich die 37-jährige Francesca Salvadé aus Italien mit Escari (74,767 Prozent). Für die seit ihrer Geburt mit Spina bifida lebende Reiterin war es die zweite internationale Einzelmedaille nach EM-Kür-Bronze 2025 in Ermelo, wo sie mit Escari ebenfalls erstmals eine Championatsmedaille gewonnen hatte. Salvadé startete bereits 2012 bei den Paralympischen Spielen in London.


Grade I: Vonderheyden gewinnt Gold zum Geburtstag


Die US-Amerikanerin Marie Vonderheyden gewann die Goldmedaille in Grade I mit 76,709 Prozent – bei ihrem WM-Debüt und an ihrem Geburtstag. Silber ging an die Britin Mari Durward-Akhurst mit Athene Lindebjerg (74,542 Prozent). Bronze sicherte sich die routinierte Italienerin Sara Morganti mit Bond Girl (74,459 Prozent).


Vonderheyden, die einst erfolgreich für Frankreich in der Vielseitigkeit startete, bestritt ihren ersten WM-Start auf dem erfahrenen Fan Tastico H, der bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris noch Roxanne Trunnell zu drei Goldmedaillen getragen hatte. Für die 46-Jährige hat dieser Sieg eine besondere persönliche Bedeutung: Nach einem schweren Reitunfall vor elf Jahren lag sie zwei Monate im Koma und kämpft bis heute mit erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. „Mein Pferd ist so ein toller Kerl“, sagte die Siegerin. „Mit meiner Prüfung bin ich sehr zufrieden – auch wenn es natürlich immer noch Dinge gibt, die wir verbessern können.“


Durward-Akhurst hatte Athene Lindebjerg bereits bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris geritten, wo das Paar Bronze in der Kür gewann – ihr bis dahin größter internationaler Erfolg. Die schwarze Stute hatte zuvor mit Sophie Christiansen 2016 in Rio Paralympics-Gold gewonnen.


Sara Morganti ist eine der prägenden Figuren des Para-Dressursports: Die 49-jährige Toskanerin, die seit ihrem 19. Lebensjahr mit Multipler Sklerose lebt, hat vier WM-Titel in Grade I gewonnen und zählt zu Italiens erfolgreichsten Para-Athletinnen überhaupt. In Tokio 2021 gewann sie mit Royal Delight Doppel-Bronze, in Paris 2024 mit Mariebelle Silber in der Kür. In Aachen präsentierte sie erstmals die erst siebenjährige Bon-Coeur-Tochter Bond Girl auf einem Championat.


Ausblick


Am Donnerstag starten die Reiter und Reiterinnen der Grades IV und V in ihren Einzelwertungen. Hier die Startzeiten der deutschen Reiterinnen:


09.42 Uhr Helen Brandt und Vulkan Vegas IB (Grade IV)

10.24 Uhr Anna-Lena Niehues und Vive L’amour (Grade IV)

14.24 Uhr Regine Mispelkamp und Highlander Delight’s (Grade V)


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