WM Aachen Dressur: Frederic Wandres bringt Deutschland in Führung im Grand Prix, Großbritannien Zweite vor Australien
Frederic Wandres führt mit Bluetooth nach Tag eins der Dressurweltmeisterschaft in Aachen
Frederic Wandres, der „Goldjunge“ des Tag eins bei der WM Dressur in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de Großer Jubel brandete auf als Frederic Wandres und Bluetooth in die Arena kamen. Gemessen Schrittes ritten sie gen Viereck. Schon das Halten war eines mit Ausrufezeichen (8,1)! Der Oldenburger traversierte geschmeidig, hielt sicher. Das Rückwärtstrichten war im letzten Tritt etwas schleifend in der Vorderhand.
Ein bisschen schüchtern, aber fehlerfrei
In der ersten Piaffe fehlte zunächst etwas Energie: Dann erhöhte Wandres die Frequenz. Dadurch trat der der Bordeaux-Sohn etwas Vorwärts. Auch in der zweiten Piaffe gab es keinen idealen Einstieg. Dabei rutschte Bluetooth am Ende kurzfristig hinter die Senkrechte mit der Nasenlinie.
Piaffen nicht ganz in Bluetooth-Brillanz
Ein rundum glücklicher Frederic Wandres – „ich sag mal fast 76 Prozent…“ – wusste auch gleich, woran es lag. Gerade die Piaffen am Platz zählen bei Bluetooth normalerweise zu den hochbewerteten Lektionen. „Dass sich auf der Leinwand ein Pferd bewegte. Das hatten wir in der Familiarization (dem Training, in dem sich die Pferde ans Stadion gewöhnen können) so nicht“. Der Wallach sei etwas „zurückgekommen“. „So nach dem Motto, hier läuft hier noch ein anderes Pferd mit.“
Diese leichte Schüchternheit wirkte sich auf die ersten Piaffen aus. „Die ersten zwei Piaffen, das geht noch besser. Das können wir zu Hause wirklich, brillant zeigen. Und wenn ich sage brillant, mein ich auch brillant, er kann das perfekt. Allerdings ist es immer so: Im Viereck muss man es halt dahin bekommen. Es ist für alle gleich und das kann ich auf jeden Fall noch improven. Da war er so ein bisschen schüchtern unterwegs, trotzdem erstmal eine saubere, fehlerfreie Runde und ein super Ergebnis einfach für die Mannschaft.“
Tolle Galopptour
Highlights der Prüfungen waren die Serienwechsel. Sei es zu zwei Tempi oder von Sprung zu Sprung – Bluetooth lieferte: Gerade, bergauf, losgelassen mit einem Selbstverständnis wie sie kaum ein anderes Paar an diesem ersten WM-Tag im Viereck gezeigt hatte.

Die Pirouetten gelangen dem Paar ordentlich, sie sind nicht die Königslektionen der beiden.
Druck war zu spüren
„Bei Bahnpunkt G (dem Punkt des abschließenden Grußes) liegt ein riesengroßer Stein. Das ist mein Stein. Der ist da runtergefallen. Also ich war gut fertig mit den Nerven, als ich da ankam, einfach weil so viel Druck auch wieder auf den Schultern liegt.“ Frederic Wandres machte aus seinem Herzen keine Mördergrube in seinem ersten Fazit. Natürlich legt man eine Heim-WM nicht einfach so ad acta. Und als er das erzählte, da strahlte er.
Bei allem Fokus habe er schon beim Abreiten mitbekommen, dass Becky Moody, Großbritanniens Reiterin Nummer zwei, nicht die ideale Runde hatte. Am Bildschirm auf dem Abreiteplatz habe er mitbekommen, „dass da was war.“ Moody war kurz vor Wandres in der Arena und hatte zwei Fehler. „Ich will jetzt nicht sagen, dass das einen befreiter reiten lässt, aber es ist natürlich schon eine bessere Ausgangslage, als wenn da steht 78 Komma… Aber das heißt natürlich auch: Sie ist eine sehr erfahrene Reiterin. Sie schien irgendwelche Probleme gehabt zu haben. Da gehen natürlich bei mir die Alarmglocken auch an. Okay, sie ist erfahren, das Pferd ist erfahren. Sieh mal zu, dass es dir nicht auch so geht.“
Auftakt für Team Deutschland gelungen
Mit 75,963 Prozent führt Frederic Wandres nicht nur nach Tag eins in der Einzelwertung, auch Team Deutschland hat die Pole Position inne. Morgen steht auf dem Stundenplan von Bluetooth „frei“. Eigentlich – denn zur Siegerehrung, die wohl zu Pferde stattfindet, muss er dann doch noch einmal kurz ran.
Wochen im Voraus durchgeplant
Die Trainingszeiten für den 16-Jährigen werden minutiös geplant, verrät Wandres: „Vom Rhythmus her wäre morgen jetzt für ihn ein freier Tag. Wenn wir jetzt wissen, heute ist Grand Prix, dann rechne ich das immer alles schon ganz früh zu Hause rückwärts. Da kriegt Monica (Theodorescu) schon bestimmt drei Wochen vorher einen Plan, wo Montag, Dienstag, Mittwoch… dann alles steht. Kann sich hier mal ändern, aber grob ist der Plan schon so, dass wir dann ab Donnerstag wieder gezielte Special-Arbeit machen. Das heißt an den langen Seiten mal ein bisschen noch mal den Schub entwickeln. am richtigen Bahnpunkt angaloppieren, aus dem Schritt anpiaffieren. Allerdings alles nicht ermüdend, einfach nur noch mal abfragen, noch mal ein bisschen so spielerisch irgendwas abzurufen.“
Für Bundestrainerin Monica Theodorescu war es „einer, wenn nicht vielleicht der beste Grand Prix“ des Paars. „Frisch und fehlerlos“, bilanziert sie begeistert.
Zwischenstand Einzelwertung Grand Prix WM Aachen 2026
Die Teams – Zwischenstand
Weil in der Zwischenwertung der jeweils schlechtere Ritt als potenzielles Streichergebnis gewertet wird, führt Deutschland vor Großbritannien. Dritte sind die Australier, deren stärkste Kombination, Simone Pearce und Will Marq auf Platz vier hinter Raphael Netz liegt (72,391). Hauchdünn dahinter sind die Schweden, die dank Therese Nilshagen mit dem Grand Prix-Neuling Navarro (72,376) gut in die WM gestartet sind. Einzelheiten zu diesen Ritten finden Sie hier.
Zwischenstand Mannschaftswertung Weltmeisterschaften Dressur Aachen 2026