Becky Moody mit zwei teuren Fehlern im Grand Prix für die Dressur Mannschaftswertung der WM 2026 Aachen und mehr
WM Grand Prix, Konkurrenzbeobachtungen Teil zwei – Becky Moody und mehr
Die schönsten Piaffen, Passagen und Übergänge des Tages lieferten Becky Moody und Jagerbomb.
Foto: sportfotos-lafrentz.de 4,3! Ein Angaloppieren im ersten starken Trab, so hatte sich Becky Moody, die zweite britische Teamreiterin nach Fiona Bigwood, den Auftakt ihres Ritts mit Jagerbomb sicherlich nicht vorgestellt. Dabei sind die Trabverstärkungen doch eigentlich eine der Toplektionen des Dante Weltino-Sohns. Die zweite gelang dann auch deutlich besser (7,6), aber das musste sie auch. Erst dank der ersten Piaffe und vor allem den gleitenden Übergang in die Passage war die Note dann zumindest knapp wieder im 70-Prozent-Bereich.
Die Silhouette des wuchtigen Braunen in der zweiten Piaffe – amazing, sagt man das so auch im Britischen?
Die Zweierwechsel waren minimal schwankend, so auch die fliegenden Galoppwechsel von Sprung zu Sprung. Aber alles herrlich im Fluss, der Schweif nur leicht durch den Fahrtwind und die leichte sommerliche Brise im Aachener Stadion bewegt. Aber dann: noch eine Unsicherheit. Beim Herausreiten aus der zweiten Pirouette drohte Jagerbomb die Balance und auch den Rhythmus zu verlieren. Becky Moody musste mit breit führender Hand „gegenlenken“ (6,9).
Die letzte Piaffe auf der Mittellinie war dann wieder eine aus der Kategorie „Jagerbomb“. Kein spektakuläres Beine-Hochreißen, dafür die Hinterhand abgesenkt, der Takt wie von einem Metronom gesteuert und ein Hinübergleiten in die Passage.
Dank generöser 75-Prozent-Bewertungen der Richter bei K (Michael Osinski, USA, 75,761 Prozent) und M (Ulrike Nivelle, GER, 75,00) übernahm Becky Moody mit einem Vorsprung von 0,482 Prozent die zwischenzeitliche Führung – bis Frederic Wandres kam.
„Es war nicht unsere beste Runde, aber wir hatten auch viel Gutes“, sagte Becky Moody nach ihrem Ritt. „Er war doch ein bisschen aufgeregt angesichts der Stadionatmosphäre“, so die amtierende Weltcup-Siegerin. „Und dann hat er das Gleichgewicht im starken Trab verloren.“ (JT)
Immerhin hat Moodys Ergebnis aber gereicht, um die Briten vorerst in Silberposition zu bringen – übrigens vor Australien, wo Simone Pearce heute gut vorgelegt hatte.
Und Dänemark?

Das zweite Paar für die dänischen Titelverteidiger war eines der erfahrensten, Carina Cassøe Krüth und Heiline’s Danciera. 2019 ging die 15-jährige Fürstenball-Tochter ihren ersten internationalen Grand Prix. Und man muss sagen: Das sah man heute. Die einst so strahlende und elastische Rappstute wirkte matt, war in den Verstärkungen zum Teil nicht ganz gleichmäßig. In der Galopptour konnte sie dann wieder Punkte gutmachen. Unter dem Strich wurden es 72,174 Prozent. Das reichte, um sich knapp vor ihre Teamkollegin Nadja Aaboe Sloth zu bringen, aber nicht um Dänemark in Medaillennähe zu halten. Die Mannschaft liegt derzeit an fünfter Stelle – wobei hier freilich noch alles offen ist.
Belgische Ziele …

Noch nie hat Belgien eine Mannschaftsmedaille in der Dressur bei einem Championat gewonnen. Aber das galt bis zum vergangenen Jahr auch für die Einzelwertung und Weltcup-Etappen. Bis zuerst Justin Verboomen und Zonik Plus Doppeleuropameister in Crozet wurden und dann Larissa Pauluis die Weltcup-Station von Neumünster für sich entschied. Mit diesen beiden Paaren im Rücken dürfte das Ziel für Belgien klar sein: unter die ersten sechs kommen und sich damit für Olympia 2028 qualifizieren. Davon ist das Team derzeit weit entfernt – was sich freilich morgen ändern kann. Aber heute fiel die belgische Bilanz gemischt aus – Jeroen Devroe und der zehnjährige KWPN-Wallach Lestor lieferten als erstes Paar eine 69,690 Prozent-Vorstellung, was ungefähr den Vorleistungen entspricht (wobei sie im Grand Prix von Hagen auch schon mal über 70 Prozent erhalten hatten).
Anderssah es bei Wim Verwimp und seinem Halblusitano Jedai de Massa aus (einem von drei Pferden aus dieser Zucht, die in Aachen am Start sind). Der zwölfjährige Don Juan de Hus-Sohn war bei seinem letzten Turnier vor Aachen, dem CHIO Rotterdam mit 72,239 Prozent aus dem Viereck gekommen. Die Form konnten die beiden heute nicht abrufen. Sie hatten tolle Momente, insbesondere in Piaffe und Passage, aber zu viele Patzer. Mit 68,121 Prozent werden sie wohl das Streichergebnis sein. In der Teamwertung rangiert Belgien momentan an zehnter Stelle.
Therese Nilshagens Navarro – immer sicherer

Ein Pferd, das in dieser Saison einen kometenhaften Aufstieg hatte, ist der zehnjährige Rapphengst Navarro mit der Schwedin Therese Nilshagen. Auch heute ging der Hannoveraner Negro-Sohn gut – mit Einschränkung der Maultätigkeit insbesondere in der Trabtour. Immer mal wieder war das Maul deutlich offen und im Schritt verkantete er sich. Das wurde aber in der Galopptour besser und hier hatte er noch echte Höhepunkte, wie zum Beispiel die Zick-Zack-Traversalen. In der Linkspirouette verlor Navarro die Balance, aber die nach rechts war viel besser und offenbarte einiges Potenzial. In den Piaffen wird der Rappe noch rückständig mit der Vorhand und dann zu eng in der Basis. Aber er piaffiert diagonal im Takt und kommt sowohl in die Piaffe rein als auch wieder heraus. In der Passage darf das Sprunggelenk auf Dauer deutlicher unter den Schwerpunkt arbeiten. Aber das sind Feinheiten, an denen die beiden im Laufe der nächsten Jahre feilen können. Die Ausgangslage stimmt. Mit 72,376 Prozent reihte das Paar sich ganz knapp hinter Australiens Simone Pearce auf Will Marq ein und brachte Schweden damit auf Rang vier in der Zwischenwertung.
Mr. Magnum – ein Pferd mit Zukunft für die Niederlande
Erst neunjährig ist der KWPN-Hengst Hexagons Mr. Magnum N.O.P.T., den Thamar Zweistra für die Niederlande vorstellte. Vor zwei Jahren war der Expression-Sohn noch Fünfter im Finale der Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Dies ist seine erste Grand Prix-Saison.
Die beiden begannen wunderbar – der Hengst leichtfüßig, schwungvoll, schön im Seitenbild, leicht in der Anlehnung. Fließend traversierte er nach rechts, geschmeidig ließ er sich umstellen, genauso kadenziert ging es um vorwärts-seitwärts nach links weiter. Bis Mr. Magnum kurz vor Erreichen des Hufschlags etwas erspähte, was ihn kurz zur Seite zucken ließ. Doch er ließ sich schnell korrigieren. Auch die Piaffe-Passage-Tour war im Ansatz gut und versprach für die Zukunft einiges. Heute piaffierte der Hengst noch nicht ganz losgelassen. Aber das dürfte auch eine Frage zunehmender Kraft sein. Die Probleme begannen mit der Galopptour, wo die Fehler sich häuften – ein hin- und herwechseln beim Aufnehmen aus dem starken Galopp, Einerwechsel, die nicht funktionierten, Zick-Zack-Traversalen, mit denen der Hengst in diesem Moment noch überfordert schien.
Es wurden nur 65,342 Prozent. Aber da dürfte in Zukunft noch einiges mehr drin sein.
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