Weitere Eindrücke von Teil eins des Grand Prix bei der Weltmeisterschaft in Aachen

Auftakt der Mannschaftsweltmeisterschaft der Dressurreiter – Eindrücke aus der ersten Gruppe

Dressur
Nadja Aaboe Sloth und Favour Gersdorf
Foto: sportfotos-lafrentz.de Nadja Aaboe Sloth und Favour Gersdorf Foto: sportfotos-lafrentz.de
Nachdem Raphael Netz Deutschland in Führung gebracht hat im Grand Prix der WM Aachen – wie hat die Konkurrenz performt und wer fiel sonst noch auf? Einige Eindrücke.

Von den favorisierten Mannschaften der Konkurrenz legten die Dänin Nadja Aaboe Sloth und ihr Favour Gersdorf am besten vor. Der Ritt des Paares, das vergangenes Jahr bei der EM in Crozet sein Championatsdebüt gegeben hatte, war eine Runde Sache. Der 13-jährige Foundation-Sohn präsentierte sich losgelassen und zufrieden und mit Höhepunkten in der Piaffe-Passage-Arbeit. Mit 71,956 Prozent konnten sie sowohl ihr EM-Ergebnis im Grand Prix (71,227) als auch das ihres letzten Aachen-Auftritts beim CHIO 2025 (70,848) verbessern – wenngleich sie auch schon Grand Prix-Ritte mit über 73 Prozent hatten.


Grund dafür war ein (doppelt) teurer Fehler in den Einerwechseln. „Im 13. von den 15 …“, seufzte Nadja Aaboe Sloth später bedauernd. Trotzdem war sie super zufrieden. „Wir haben im Vorfeld an Details gearbeitet, daran alles ein bisschen weicher zu bekommen, ihn runder über den Rücken zu bekommen. Das hat sich heute ausgezahlt. Es war das beste Gefühl, das ich je in einer Prüfung hatte.“


Fiona Bigwood und Donna Bella


Eine auf dem Kontinent noch völlig unbekannte Größe sind die Britin Fiona Bigwood und die zehn Jahre junge Donna Bella. Elf Jahre ist es her, dass die Britin mit der Mutter dieser Fuchsstute, der Oldenburger Stute Atterupgaards Orthilia, EM Silber gewonnen hat. Nun kehrte sie mit deren Tochter Donna Bella zurück und lieferte eine ansprechende, aber noch sehr „grüne“ Vorstellung. Bigwood forderte die Stute nur minimal, Donna Bella gab ihr Bestes, piaffierte engagiert, diagonal und im Takt mit Lastaufnahme, aber insgesamt wünschte man sich einen schwingenderen Rücken und bei aller Lastaufnahme hat sie noch nicht ganz zur Selbsthaltung gefunden. Auch hätte man sich mehr Geschmeidigkeit in Stellung und Biegung gewünscht. Außerdem hing der Kandarenzügel links durch.

In England haben die beiden Grand Prix-Ergebnisse bis 74,609 Prozent erzielt. Davon waren sie heute recht weit entfernt. 69,348 Prozent wurden es, wobei die Richterurteile recht unterschiedlich ausfielen, von 67,174 Prozent bei B (Ulrike Nivelle) bis 71,522 Prozent bei H (Alice Schwab/AUT).


Personal Best für Österreich


Felicita Simoncic und Four Legends. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Felicita Simoncic und Four Legends. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Allen Grund zu jubeln hatte die Österreicherin Felicita Simoncic mit ihrem 16-jährigen KWPN-Hengst Four Legends. Simoncic ist 21 Jahre jung. Letztes Jahr waren sie und der 16-jährige KWPN-Hengst Four Legends noch bei der U25 Europameisterschaft am Start. Im Herbst gaben sie ihr Debüt im „richtigen“ Grand Prix. Und heute erzielten sie mit 70,730 Prozent ein Personal Best bei ihrer ersten Weltmeisterschaft – und das voll verdient. Es klappte alles, richtige Fehler hatten sie nicht. Vor allem ist es schön zu sehen, was für einen Happy Athlete die junge Österreicherin, die erst vor zehn Jahren mit dem Reiten begonnen hat, aus diesem Rappen gemacht hat, der als Youngster einmal Sechster und Vierter bei Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde war. Nach dem letzten Gruß flogen Simoncics Arme in die Luft – wie schön, eine solch verdiente Freude zu sehen.


Die US-Nachrückerin


Das US-Team war im Vorfeld der WM von zwei Ausfällen betroffen. Zeletzt kam die Nachricht, dass Genay Vaughn und Gino nicht starten können. Am Samstag klingelte das Telefon der zweiten Reservistin, Meagan Davis. Am anderen Ende die Teamführung mit der Nachricht, dass sie und ihr Totilas-Sohn Toronto Lightfoot nachrücken. „We were ready“, sagt Davies. Sie hätten sich vorbereitet, als gehörten sie zum Team und haben auch die gleiche Betreuung genossen. Also brauchte sie nur noch zu packen, aufzuladen und loszufahren. Und dann waren sie und ihr Totilas-Sohn erst einmal platt. „Es ist für uns beide das erste Mal vor so einer Kulisse“, berichtete sie. Daheim in Florida konnten die beiden sich schon mit Ergebnissen von 72 Prozent im Grand Prix hervortun, und dieses Jahr gehörten sie zu der Mannschaft, die im Nationenpreis von Wellington sensationell Deutschland besiegte. Von den 72 Prozent waren sie heute recht weit entfernt. 67,624 Prozent wurden es. Die 36-Jährige war trotzdem überglücklich. So sehr, dass die liegen. Was die USA sich für diese WM vorgenommen haben, lässt sich schnell zusammenfassen: „unser Bestes geben“. So gesehen hat sie ihr Ziel heute bereits erreicht. Und die Mannschaft muss sich – anders als andere – auch keine Gedanken über eine Olympiaqualifikation machen. Als gastgebende Nation sind sie gesetzt für LA 2028.


Spanien mit neuen Kombinationen


Ein Paar, das schon beim Nationenpreisturnier in Hagen mit schönen Ritten auf sich aufmerksam machte, waren die Spanierin Lucia Gallardo und ihr KWPN-Wallach Hip by Johnson. Bereits dort gehörten sie zum Team und heute haben sie um 8.51 Uhr die WM für Spanien für einer sehr soliden Runde ohne Lektionsfehler eröffnet, die mit 68,370 Prozent bewertet wurde.

Als nächstes gingen Severo Jurado Lopez und die zwölfjährige Foundation-Tochter Flaconi W ins Viereck. Das W steht für Familie Wittig, die die Stute gezogen hat und bei der sie durch Kira Wulferding und Brigitte Wittig auch bis Grand Prix ausgebildet wurde. Seit Anfang des Jahres hat der inzwischen in Riesenbeck stationierte Severo Jurado Lopez, der früher als Bereiter bei Helgstrand Dressage gearbeitet hat, die Stute nun unter dem Sattel. Aachen ist das vierte internationale Turnier, das erste Championat. Sie beendeten ihr Debüt mit 68,913 Prozent.


Simone Pearce macht Eindruck


Eine gelungene Vorstellung war die der australischen Mannschaftsreiterin Simone Pearce mit ihrem spanischen Sportpferdewallach Will Marq. Auch der ist erst zehnjährig und wird von Pearce seit vergangenem Herbst international geritten. Ihre WM-Premiere endete im Grand Prix mit starken 72,391 Prozent. Der Braune ist eine richtige „Piaffe-Passage-Maschine“ und macht hier keinen falschen Tritt. Die erste Hälfte der Prüfung gelang mit großer Selbstverständlichkeit in Balance und Selbsthaltung. In der Galopptour hätte man sich das Umstellen nach rechts in den Zick-Zack-Traversalen geschmeidiger gewünscht. Die Einerwechsel waren fehlerfrei, aber schwankend. In den Pirouetten machte der Rosario-Enkel (v. Rio Marq) sich noch fest und stemmte, statt auf kleinem Kreis weiter durchzuspringen. Dennoch, eine schöne Runde, den Finnin Maria Colliander bei M noch vor Raphael Netz und Camelot sah.


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