Neuregelung bei Anerkennung bereits gekörter Vererber: Hannoveraner Verband öffnet sich für europäische Hengste

Neuregelung bei Anerkennung bereits gekörter Vererber: Hannoveraner Verband öffnet sich für europäische Hengste

Zucht
Gerade für Springpferdezüchter spielt internationale Genetik bei der Vermarktung von Jungpferden und Fohlen eine große Rolle. Mit der neuen Zuchtpolitik beim Hannoveraner Verband wird es für dessen Züchter nun leichter, Hengste einzusetzen, die im europäischen Ausland bereits ein positives Körurteil erhalten haben. (Archivbild: Noblesse S v. Nevados, Siegerin der Dreijährigen beim Hannoveraner Freispringwettbewerb 2026). Foto Hannoveraner Verband Gerade für Springpferdezüchter spielt internationale Genetik bei der Vermarktung von Jungpferden und Fohlen eine große Rolle. Mit der neuen Zuchtpolitik beim Hannoveraner Verband wird es für dessen Züchter nun leichter, Hengste einzusetzen, die im europäischen Ausland bereits ein positives Körurteil erhalten haben. (Archivbild: Noblesse S v. Nevados, Siegerin der Dreijährigen beim Hannoveraner Freispringwettbewerb 2026). Foto Hannoveraner Verband
Hengste aus mehreren europäischen Populationen müssen zukünftig kein Kör-Procedere mehr vor einer Kommission des Hannoveraner Verbandes durchlaufen, um in den Hengstverteilungsplan aufgenommen zu werden. Die neue Regelung soll es den Züchtern erlauben, flexibler bei der Anpaarung agieren zu können.

Bislang war es beim Hannoveraner Verband so geregelt, dass ein Hengst nur in das Hengstbuch I und in den Hengstverteilungsplan des Hannoveraner Verbandes aufgenommen werden konnte, wenn er seitens des Verbandes ein positives Körurteil erhalten hatte. Das hieß, auch Hengste, die an anderer Stelle bereits gekört worden waren, mussten sich noch einmal dem Urteil einer Bewertungskommission des Hannoveraner Verbandes stellen. Dieses Verfahren gilt nun nicht mehr.


Mehr genetische Möglichkeiten für Hannoveraner Züchter


Der Hannoveraner Verband strebt an, den Züchtern eine einfachere Möglichkeit zu bieten, sich internationale Genetik zu verschaffen. Schon bislang galt, dass auch Nachkommen von Hengsten, die nicht im Hengstbuch I, sondern lediglich im Hengstbuch Ib verzeichnet waren, beim Hannoveraner Verband registriert werden konnten. Nur im Hengstverteilungsplan erschienen diese Väter dann nicht.


„Seid umschlungen Millionen…“


… schreibt Friedrich Schiller in seiner „Ode an die Freude“, von Ludwig van Beethoven unsterblich gemacht durch seine 9. Sinfonie, die „Europahymne“ („Freude schöner Götterfunken“). „Alle Menschen werden Brüder“, heißt es dort. Und so ähnlich soll es jetzt auch mit Hengsten aus den Sportzuchten Europas sein: Fortan soll in Hannover die Regelung gelten, dass Deckhengste, die beim dänischen Warmblutzuchtverband, dem belgischen BWP, dem Studbook Zangersheide, dem niederländischen KWPN, dem schwedischen Warmblutzuchtverband (SWB) und dem Selle Français gekört sind, automatisch auch von Hannoveraner Züchtern genutzt werden können.


Dabei müssen sie allerdings gewissen Kriterien entsprechen, beispielsweise den in Deutschland gültigen, tierärztlichen Anforderungen. Auch die Vollständigkeit der Abstammung muss gewährleistet sein:




Bestimmungen Hannoveraner Hengstbuch I


Er (der Hengst) muss mind. sechs Generationen gekörter und leistungsgeprüfter Väter im Pedigree vorweisen. Die Mutter und Großmutter des Hengstes müssen in das Hauptstutbuch eingetragen sein, die Urgroßmutter mind. im Stutbuch. Die Hengste müssen in der Bewertung der Selektionskriterien der äußeren Erscheinung zur Körung eine Gesamtnote von mind. 7,5 erreichen.




Kein Freifahrtschein


Auch weiterhin will sich der größte deutsche Warmblutzuchtverband Deutschlands aber ein Bild von den Hengsten machen, die zur Zucht von Hannoveraner Pferden eingesetzt werden. Konkret bedeutet das für diejenigen Hengste, deren Besitzer diese liberale Zuchtpolitik des Verbandes in Niedersachsen nun nutzen wollen, dass sie dennoch vor einer Bewertungskommission erscheinen müssen. Dann wird ein Linearprofil dieser Hengste erstellt. „Eine weitere Selektion dieser Hengste durch den Hannoveraner Verband findet dann nicht mehr statt“, so schreibt es der Zuchtleiter Ulrich Hahne in der Ausgabe 03/2026 des Verbandsmagazins DER HANNOVERANER. Das Linearprofil dient als weitere Information für interessierte Züchterinnen und Züchter. So können sie Kriterien des ins Auge gefassten Hengstes mit denen anderer, ihnen bekannter Hengste, vergleichen.


Insgesamt wird dieser Schritt als eine Möglichkeit bewertet, den Züchtern, die auch schwierigeren Marktsituationen gegenüberstehen, eine möglichst freie Hand bei der Wahl des Wunschpartners für ihre Stute zu gewähren.


Körung bleibt fester Bestandteil der Selektion


Als eine Absage an das klassische Körsystem möchte der Hannoveraner Verband die Neuregelung nicht verstehen. Vielmehr, so sagt Vorstandsmitglied, Hergen Forkert in DER HANNOVERANER, „gestalten wir die praktischen Abläufe für den Züchter schlanker und nachvollziehbarer“. Und, so ergänzt Vorstandsmitglied Arend Garrn „geben ihm für seine persönlichen Zuchtziele mehr Planungssicherheit“.


Das neue Procedere wurde bereits vom Zuchtausschuss und dem Präsidium des Hannoveraner Verbandes in Bezug auf die Hengstanerkennung als Änderung der Zuchtprogramme für Hannoveraner und Rheinländer beschlossen. Was jetzt noch aussteht, ist die Genehmigung seitens der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bei der dieser Vorschlag bereits eingereicht wurde.


Infos


Ähnliche Beiträge

Hannoveraner Secret Agent mit Charlotte Dujardin und weitere deutsche Pferde vertreten Großbritannien bei WM in Verden
Hannoveraner Secret Agent mit Charlotte Dujardin und weitere deutsche Pferde vertreten Großbritannien bei WM in Verden Zum Artikel
Zwei Holsteiner Verbandshengste als Sportpferde verkauft
Zwei Holsteiner Verbandshengste als Sportpferde verkauft Zum Artikel
Promi-Fohlen Nummer zwei bei Michael Jung geboren
Promi-Fohlen Nummer zwei bei Michael Jung geboren Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing