Moody gewinnt Grand Prix Special von Rotterdam, Marieke van der Putten die Kür
Moody und Van der Putten – alle Zeichen auf Rotterdamer Dressurviereck stehen auf WM
Auf bestem Weg nach Aachen: Becky Moody und Jagerbomb in Rotterdam.
Foto: CHIO Rotterdam/Captured by Valerie Grand Prix Special an die Britin
Becky Moody verzichtete auf ihre Lieblingsdisziplin Kür, um ihren Jagerbomb mal wieder in einem Grand Prix Special vorzustellen. Der letzte liegt schon eine Weile zurück, genauer gesagt fast zehn Monate. Denn der letzte Auftritt in der Prüfung, in der bei allen Championaten außer Olympischen Spielen der erste Satz Einzelmedaillen vergeben wird, war bei der EM 2025 in Crozet. Damals waren die beiden mit 77,796 Prozent Fünfte. Im Setting von Rotterdam reichten ihnen 77,575 Prozent für den Sieg.
Mit ihrem Grand Prix war Becky Moody nicht ganz zufrieden, obwohl sie dort Zweite wurden. Für heute hatte sie sich vorgenommen, eine Schippe draufzulegen. Der Knackpunkt bei den beiden ist Jagerbombs Gehfreude. Ihm kommt die elektrische Atmosphären der Kür entgegen, gibt ihm gewissermaßen Rückenwind. Doch heute präsentierte Moody ihren zwölfjährigen auch im Special mit ganz viel Go und Zug nach vorne, auch in den Piaffen.
Wunderschön anzusehen ist die mustergültige Verbindung vom Hinterbein zur Hand bei dem Wallach, die über den schwingenden Rücken und das nachgiebige Genick bis ins Maul geht. Das führt zu einer steten feinen Anlehnung, immer im passenden Rahmen zu den jeweiligen Tempi. Da können Verstärkungen dann auch mit echter Rahmenerweiterung gezeigt werden – wie viel schöner, als festgehaltenes Strampeln. Wunderschön gelangen den beiden auch die Serienwechsel, ebenso wie die Pirouetten.
Kurz: Es war eine richtig tolle Runde, mit der Weltcup-Siegerin Moody hoch zufrieden gewesen sein dürfte.
Van Lieres Mauro auf Rang zwei
Platz zwei ging mit 74,064 Prozent an Dinja van Liere und ihren erst neunjährigen Mauro Turfhorst. Vor wenigen Monaten erst hatte die Niederländerin mit ihrem zweifachen Dressurpferde-WM-Vierten ihr nationales Grand Prix Debüt gegeben. Das lief so gut, dass sie sich ad hoc für die WM in Aachen ins Gespräch brachten. In Rotterdam sicherten sie sich endgültig die formale Qualifikation für ein Championat. Dafür brauchen sie wenigstens zwei internationale Grand Prix oder Special Ergebnisse von 66 Prozent und besser bei unterschiedlichen Veranstaltungen. Die erste Quali erreichten sie Anfang Mai in Exloo, wo sie jeweils Zweite in Grand Prix und Special wurden. Beim heimischen CHIO in Rotterdam, loggten sie ihre Startberechtigung in Aachen bereits im Grand Prix ein und bestätigten sie heute noch einmal.
Man hätte dem schönen Rappen v. Zonik etwas mehr Biegung in der Linkstraversale gewünscht. Auch war die erste Verstärkung eher gelaufen, als aus dem tragenden Hinterbein entwickelt. Das funktionierte in den aus der Passage heraus entwickelten Verstärkungen besser – sofern Mauro nicht gerade versehentlich angaloppierte, wie es ihnen heute einmal passierte. Aber Dinja van Liere hatte die Sache schnell wieder unter Kontrolle. Schön zu sehen, wie gelassen der Hengst dann im Schritt losmarschiert. Ein Highlight waren auch die Piaffen, in der Vorhand noch etwas rückständig und damit auf die Schulter stützend, aber taktsicher, aktiv und mit guter Hankenbeugung. In der zweiten Piaffe kickte der Hengst aus unerfindlichen Gründen einmal nach hinten aus. Das war umso ärgerlicher, als da er danach einfach weiter piaffierte, als wäre nichts gewesen. Zu den Highlights der Galopptour zählten die locker durchgesprungenen Zweierwechsel, die Pirouetten und die Einerwechsel auf der Mittellinie.
Neumünster-Siegerin auf drei
Platz drei ging an ein wesentlich erfahreneres Paar: Larissa Pauluis und ihren Ampere-Sohn Flambeau, die für Belgien bei den Olympischen Spielen in Paris am Start gewesen waren, und dieses Jahr unter anderem die Weltcup-Etappe von Neumünster gewannen, aufs Finale in Texas jedoch verzichteten. In der WM-Vorbereitung stand also auch für die beide heute mal wieder ein Special auf dem Programm. Auch sie hatten diese Aufgabe zuletzt in Crozet bewältigt. Ein Personal Best von 73,830 Prozent dürfte Pauluis zufrieden stimmen hinsichtlich ihres Weges nach Aachen.
Vierte wurde Marieke van der Putten auf ihrer aktuellen Nummer zwei im Stall, dem elfjährigen Glamourdale-Sohn Kuvazs, der seinem Weltmeister-Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ist, nur etwas feingliedriger. Für die beiden war es die Grand Prix Special-Premiere, die sie mit Bravour meisterten: 73,106 Prozent.
Zantana überlegen in der Kür
Der vierte Platz im ersten Special für Kuvasz war nicht der einzige Grund zu strahlen für Marieke van der Putten am heutigen Tag. Mit ihrer Nummer eins, der zwölfjährigen Zonik-Tochter Zantana aus der Zucht von Paul Schockemöhles Gestüt Lewitz, der Halbschwester zu unter anderem Edward Gals Olympiapferd 2021, Total US, sicherte sie sich die Kür – und hatte dabei fast acht Prozent Vorsprung auf den Rest des Feldes.
84,580 Prozent sind das mit Abstand beste Ergebnis des Paares bislang in einer internationalen Kür. Tatsächlich bewegte die Stute sich in Rotterdam geschmeidiger durch den Körper, als man es früher schon von ihr gesehen hatte. Zudem kann sie in der Kür ihre Stärken in Piaffe und Passage voll ausspielen. Doch nicht nur die typischen Grand Prix-Lektionen überzeugten, auch im Schritt wusste die Stute mit Taktsicherheit, Losgelassenheit und Fleiß zu überzeugen.
Wieder einmal zeigte sich, Zantana bringt mit, was ein Dressurpferd für eine Einzelmedaille braucht. Aber sie muss innerlich und äußerlich noch losgelassener werden, damit van der Putten noch mehr zum Loslassen kommt. Und weniger Kandarenzügel wäre auch wünschenswert.
Die Platzierten
Hinter den überragenden Siegern verdrängte Frankreichs Corentin Pottier im Sattel von Gotilas du Feuillard als letzter Starter der Prüfung das niederländische EM 2025-Paar Rowena Weggelaar und Don Quichot auf Rang drei. Olympiareiter Pottier und sein Totilas-Sohn erhielten 76,635 Prozent für ihre Kür. Bei Weggelaar und ihrem 18-jährigen Star waren es 75,475 Prozent.
Die Dressur in Rotterdam findet ohne deutsche Beteiligung statt. Die Ergebnisse des niederländischen CHIO finden Sie hier.