Tierschutz: ehemaliger Championatsreiter für Dänemark Jon D. Pedersen wegen Prügelvideos in Beitrag von TV 2 entlassen, Dänischer Reitsportverband ermittelt

Erneut erschüttert Dressur-Prügelskandal Dänemark

Szene
Wieder Dänemark, wieder Dressur, wieder ein Championatsreiter. Gegen den dreifachen Olympiareiter Jon D. Pedersen sind nach der Veröffentlichung von Prügelvideos auf dem dänischen Fernsehsender TV 2 Ermittlungen wegen tierschutzrelevanten Verhaltens eingeleitet. Auch die Politik reagiert.

Der Fernsehsender TV 2 aus Dänemark hat am Sonntag einen Beitrag ausgestrahlt, in dem der ehemalige dänische Championatsreiter Jon D. Petersen zu sehen sein soll, wie er mit einer Peitsche vom Boden aus auf verschiedene Pferde einschlägt. Entstanden sein sollen diese Aufnahmen im Dalumgaard Rideclub in der Nähe von Odense im dänischen Landesteil Fynen. Pedersen ist dort seit 40 Jahren tätig.


Bilder von Prügelvideos erinnern an Charlotte Dujardin


Die Bilder sollen innerhalb von drei Wochen aufgenommen werden worden sein. Offenbar sollen die Pferde lernen, zu piaffieren. Das Bildmaterial, das der Sender frei verfügbar auf seiner Webseite in Ausschnitten zeigt, weist Ähnlichkeiten zu dem Video auf, das 2024 von Charlotte Dujardin erschienen war, auf. Damals hatten die Aufnahmen von der „Handarbeit“ der Olympiasiegerin zu einer mehrjährigen Sperre geführt.


Die Namen derjenigen, die in Dänemark die Misshandlungen gefilmt haben, werden anonym gehalten. In dem TV-Beitrag werden aber nicht alle Zeugen unkenntlich gemacht. So kommt eine Zeugin der mutmaßlichen Misshandlungen zu Wort. Janne Margarita Lundgren, die bis vor kurzem in dem Verein beschäftigt gewesen sein soll, sagt: „Ich habe Angst vor Jon und ich fürchte mich vor Jon. Man widerspricht Jon nicht. Man tut, was einem gesagt wird“.


Reitverein entlässt Championatsreiter nach Prügelvideos


Der Reitverein hat mittlerweile die Zusammenarbeit mit dem mehrfachen Championatsreiter (s.u.) beendet und auf seiner Website ein Statement veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem, der Verein würde konkrete Maßnahmen eingeleitet haben. Demnach sollen alle Schulpferde der Reitschule von einem unabhängigen Tierarzt untersucht werden, um sicherzustellen, dass die Pferde gesund und fit sind und dass die Pferdehaltung des Vereins den „höchsten Standards für den Tierschutz und einen verantwortungsvollen Betrieb“ entspricht. Darüber hinaus schreibt der Vorstand, er wolle die täglichen Abläufe im Verein überprüfen, um sicherzustellen, dass sich ähnliche Situationen nie wieder ereignen können.


Schriftliches Statement der Vereinsführung


Vor laufender Kamera wollte sich laut TV 2 niemand äußern. Die Vorsitzende Signe Søndergaard habe in einer schriftlichen Antwort an TV 2 die Vorkommnisse bedauert: „Wir nehmen die Kritik und die Informationen ernst, auch die Bilder und Videoaufnahmen, die aufgetaucht sind. Deshalb haben wir beschlossen, die Zusammenarbeit mit Jon Pedersen mit sofortiger Wirkung zu beenden. Ich weiß, dass auch er mit dem Vorstand darin übereinstimmt, dass dies der richtige Schritt ist. Wir bedauern, dass dies in unserem Reitverein passiert ist, den wir ansonsten als einen fantastischen Ort betrachten.“


Pedersen gibt sich kooperativ


Der mutmaßliche Tierquäler hat indirekt eingestanden, dass er es ist, der auf den Videobildern zu sehen ist. Nachdem der Verein die Zusammenarbeit mit ihm eingestellt hat, erklärt sich Jon D. Pedersen auf der Webseite seines ehemaligen Arbeitgebers: „Ich bedauere zutiefst die Situationen und das Training, die in den Videos zu sehen sind. Ich kann gut nachvollziehen, dass die Bilder heftige Reaktionen hervorrufen, und es tut mir aufrichtig leid, welche Belastung diese Angelegenheit sowohl für die Pferde als auch für den Verein, die Mitglieder und den Reitsport im Allgemeinen bedeutet hat. Ich akzeptiere die Entscheidung des Vorstands und möchte keine weitere Unruhe um den Reitverein Dalumgaard verursachen.“


Der Vorstand des Vereines arbeitet mit dem dänischen Reitsportverband Dansk Ride Forbund (DRF) zusammen.


Dänischer Reitsportverband untersucht Prügelvideos


Die dänische Dachorganisation hat in einer Pressemitteilung auf die Bilder des TV-Beitrags reagiert: „Das Wohlergehen der Pferde ist ein absolut entscheidendes Fundament des Pferdesports. Die Handlungen und der Umgang mit Pferden, die aus dem Material hervorgehen sind, nach Ansicht des dänischen Reitsportverbandes völlig inakzeptabel und in keiner Weise mit den Werten, ethischen Richtlinien oder der grundlegenden Auffassung des Verbandes zum Wohlergehen der Pferde vereinbar“. DRF und der dänische Berufsreiterverband haben den Fall gemeinsam erörtert und kommen, so die Pressemitteilung, zur selben Einschätzung der Vorfälle.


Außerdem hat der Disziplinarausschuss des DRF mitgeteilt, dass auch er den Fall zum Gegenstand von Untersuchungen machen möchte und dafür einen Ausschuss ins Leben gerufen hat.


Wer ist der dänische Championatsreiter Jon D. Pedersen?


Jon D. Pedersen ist 69 Jahre alt und zählte von 1989 bis 2004 zum dänischen Dressur-Team. Sein bekanntestes Pferd war der Wallach Esprit de Valdemar, mit dem er an den Olympischen Spielen von Sydney (2000) und Athen (2004) teilnahm. Außerdem war er auch bei den Weltreiterspielen in Rom (1998) und Jerez de la Frontera (2002) mit Esprit de Valdemar am Start. Mit dem Pferd Bravo hatte er 1989 sein Championatsdebüt bei den Europameisterschaften im Mondorf in Luxemburg gegeben. Im folgenden Jahr zählte Jon D. Pedersen mit Bravo zur Mannschaft, die bei den Weltreiterspielen im schwedischen Stockholm an den Start ging. Das letzte, internationale Turnier, das der mutmaßliche Tierquäler bestritten hat, ist laut der Ergebnisdatenbank des Weltreiterverbandes FEI das CDI in Donaueschingen im Jahr 2014 gewesen.


Dänische Politik reagiert


Die Vorkommnisse in Odense beschäftigen nicht nur die Sportgerichtsbarkeit. Die für Tierschutzfragen Zuständigen der konservativen Partei und der Sozialdemokraten zeigten sich gegenüber TV 2 geschockt von dem Videomaterial.


Eigentlich hätten in Dänemark Verstöße gegen das Tierschutzgesetz stärker als bisher geahndet werden sollen. Die Vereinbarung „Gemeinsam für die Tiere“ war im Februar 2024 von einem breiten Bündnis aus Parteien der unterschiedlichsten politischen Couleurs formuliert worden. 31 Punkte waren benannt worden, darunter auch eine Verdreifachung der Strafe für schwere Fälle. Dies wurde jedoch nie beschlossen, weil vorgezogene Neuwahlen in Dänemark stattfanden bevor es zu einer Abstimmung über den Gesetzentwurf im Parlament gekommen war.


Erinnerungen an den Fall Helgstrand werden wach


Das Jahr 2024 dürfte kein Zufall sein. Es ist nicht das erste Mal, dass in Dänemark ein prominenter Dressurausbilder durch tierschutzrelevantes Fehlverhalten in die Schlagzeilen geraten ist. Der Fall Helgstrand Dressage, ebenfalls dokumentiert von TV 2, hatte Ende 2023 für Aufsehen gesorgt. Damals hatte sich eine Undercover-Redakteurin als Pflegerin getarnt von Helgstrand anstellen lassen. Sie hatte Videomaterial, das systematische Tierquälerei in dem Verkaufsstall dokumentierte, angefertigt. Außerdem berichtete sie von Verletzung im Sporen- und Maulbereich, die bei vielen Pferden an der Tagesordnung gewesen sein sollen.


Sperren gegen dänische Championatsreiter


Der dänische Reitsportverband hatte seinerzeit reagiert und den CEO des Unternehmens, Andreas Helgstrand, für 13 Monate gesperrt. Mittlerweile ist diese Sperre verbüßt. Helgstrand war 2025 Teil der dänischen Equipe bei den Europameisterschaften in Crozet.


Ein Video der Dänin Carina Cassøe Krüth mit Heiline’s Danciera, das kurz vor den Olympischen Spielen 2024 publik wurde, zeigte ebenfalls Prügelszenen in einer Halle, die der Dressurausbildung diente. Daraufhin war die Dänin aus dem Olympiakader gestrichen worden. Auch die gegen sie verhängte Disziplinarstrafe ist mittlerweile abgebüßt, sodass sie in diesem Frühjahr eigentlich hätte am Dressur Weltcup Finale im US-amerikanischen Fort Worth hätte teilnehmen wollen.


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