Belgien wiederholt Heimsieg vom Dressur Nationenpreis in Lier
Belgiens Dressurreiter überlegen in Lier, deutsches „Junior-Team“ auf Rang drei
Zweiter Triumph für das belgische Team im heimischen Dressur Nationenpreis von Lier. Foto: FEI/Dirk Caremans Keine Frage, der Joker Zonik Plus mit Justin Verboomen war die Kirsche auf der Torte für die belgische Equipe beim Dressur Nationenpreis in Lier. Aber auch die Resultate der Teamkollegen des Europameisters konnten sich sehen lassen.
Das ging direkt los mit einer 71,630 Prozent-Bewertung für Wim Verwimp und Jedai de Massa, die schlussendlich gut genug war für Rang sechs. Charlotte Defalque und First-Step Valentin lieferten als zweites Paar fürs Team das Streichergebnis (69,848).
Die Neumünsteraner Weltcup-Sieger Larissa Pauluis und Flambeau waren mit 73,522 Prozent zweitbestes Paar der Prüfung. Und Justin Verboomen und Zonik Plus spielten mit 80,391 Prozent in einer eigenen Liga – wenn auch nicht fehlerfrei.
Verboomen hatte im Vorfeld angekündigt, dass Lier das letzte Turnier vor der WM in Aachen sein soll und dass er sich wünscht, das Gefühl von Zuhause, die gute Anlehnung und die Losgelassenheit im Galopp, mit in die Prüfung nehmen zu können. Das gelang ihm über weite Teile der Aufgabe. Allerdings zeigte der Hengst zu Beginn der Prüfung im versammelten Trab deutlich passageartige Tritte. Viel besser, weil (los)gelassener geworden sind zum Beispiel die Serienwechsel. Ein teures Missverständnis gab es auf der letzten Linie, als Zonik Plus bei X kurz zu denken schien, es sei Pirouette statt Piaffe gefragt.
Schlussendlich kam Belgien auf 225,543 Punkte, mit denen sie das britische Team hinter sich ließen (213,391) und Deutschland auf Rang drei verwiesen (211,804).
Drei Grand Prix-Küken für Deutschland
Doch, man kann von einem deutschen „Junioren-Team“ für Lier sprechen, zumindest auf Pferdeseite, denn drei der vier Paare des Teams waren im Dezember noch im Louisdor-Preis am Start. Semmieke Rothenbergers Farrington hat zwar reichlich Erfahrung, aber ein Start in einem Senioren-Nationenpreisteam war auch für sie Neuland. Die Premiere des Quartetts konnte sich sehen lassen.
Global Power mit viel Power
Den Anfang machten Evelyn Eger und Global Power heute. Die beiden hatten vor wenigen Wochen in Fontainebleau zum ersten Mal überhaupt einen internationalen Grand Prix bestritten und mit einer harmonischen Vorstellung große Hoffnungen geweckt. Man merkt, dass der erst neunjährige Oldenburger Wallach schon innerhalb dieser kurzen Zeit zwischen Fontainebleau und Lier an Kraft gewonnen hat und dadurch heute auch noch auf der letzten Diagonale im starken Trab richtig energisch losstiefelte. Auch die Anlehnung war insgesamt sehr schön, ebenso wie das Seitenbild.
Dass es trotzdem nicht mehr wurden als 68,391 Prozent, lag vor allem an Fehlern – einem sehr zögerlichen Rückwärtsrichten, einem kurzen Angaloppieren in der ersten Passage, einem Aussetzer in den – ansonsten sehr schönen Einern, einer etwas groß geratenen zweiten Pirouette.
Auf der Haben-Seite standen z. B. die Trabverstärkungen und die Passagen, wenn sie fehlerfrei waren, und die wie gemalte erste Pirouette nach links. Vor allem in den Piaffen, die vom Ansatz her klassisch korrekt sind, muss der Grey Flanell-Sohn noch an Sicherheit gewinnen.
Personal Best für Forster
Es geht nicht anders, man muss Tobias Nabbens Forster einfach mögen! Sicherlich ist der zierliche Rappe kein Pferd, das sofort alle Blicke auf sich zieht. Aber wenn er mit gespitzten Ohren losfedert, sieht man einfach: Dieses Pferd hat Spaß an seinem Job und Vertrauen zu seinem Reiter (kein Wunder bei der Geschichte). Aber er macht seinen Job nicht nur gerne, er macht ihn auch richtig gut.
Besonders in Piaffe und Passage punktet der Finest-Sohn mit seinen federnden, aktiven und absolut taktreinen Bewegungen. Er gleitet einfach von der Passage in die Piaffe und zurück. Nichts fällt ihm hier schwer.
Im Galopp wünschte man sich noch etwas mehr Pep. Im Ansatz ist alles gut und richtig, was mit Zeit, Kraft und Selbstbewusstsein noch reifen muss, ist die Aktivität. Vor der Rechtspirouette sprang der elfjährige Rappe einmal kurz um und das Rückwärtsrichten war auch hier nicht ganz durchlässig. Aber ansonsten lieferten die beiden einen Ritt aus einem Guss, der mit 71,152 Prozent bewertet wurde. Das ist das mit Abstand beste Ergebnis, das die beiden auf internationalem Parkett bislang erhalten haben.
Wechselknoten bei Wagner
Thomas Wagners Escolar’s Emil ist bei all seiner Wuchtigkeit eigentlich ein Pferd, das leichtfüßig und elastisch daher kommt und genau damit auch heute wieder Punkte sammeln konnte. Ein absolutes Highlight ist zum Beispiel der Starke Galopp. Unverständlich, warum zwei Richter hier nur eine 7 gaben.
Die Einerwechsel fingen gut an. Aber dann hatten die beiden einen Aussetzer und brauchten, bis sie den Rhythmus wiederfanden. Die erste Pirouette – auch dies eines der Highlights des Louisdor-Preis Zweiten – gelang gut. In der zweiten schien der Wallach einmal kurz abgelenkt, machte sich gerade und fest. Schade!
Insgesamt wünschte man sich noch mehr Handunabhängigkeit und deutlicheres von hinten nach vorne. 68,087 Prozent vergaben die Richter.
Die jüngste mit der meisten Erfahrung
Nein, in einem Senioren-Nationenpreisteam ist Semmieke Rothenberger noch nie geritten. Aber wie es sich anfühlt, unter Druck zu performen, das weiß sie ganz genau. Schließlich gehörte sie vom Pony- bis ins U25-Alter Jahr für Jahr zu den erfolgsverwöhnten deutschen Mannschaften und war meist das wichtigste Teammitglied. So auch heute, wo sie mit ihrem Farrington als Schlussreiterin ins Viereck musste.
Man kann sagen: Mission accomplished. Der letzte Turnierauftritt der beiden war die Kür in Hagen, wo der Fuchs sich nicht ganz spannungsfrei und recht fest in der Anlehnung zeigte. Das war heute viel besser. Semmieke kam immer wieder zum Nachgeben und Farrington wirkte ruhiger und losgelassener als noch in Hagen. Sehr schön gelang die erste Piaffe-Passage-Tour. Danach marschierte der 16-jährige KWPN-Wallach sofort locker und raumgreifend los und ließ sich sicher geregelt zurückführen in die Versammlung. So ging es weiter. Es war eine Prüfung aus einem Guss – bis auf die Einerwechsel. Da hatten auch die beiden heute einen kurzen, aber teuren Aussetzer. Schlussendlich kamen sie auf 72,261 Prozent und waren damit in der Einzelwertung Vierte.
Die zweitplatzierten Briten
Bestes Paar der Briten waren Susan Pape und ihre sehr lektionssichere KWPN-Stute Giulilanta mit 72,065 Prozent.
Die Hagen-Entdeckung Sadie Smith und Swanmore Dantina (hier gibt es die ganze Geschichte des Paares nachzulesen) hatten tolle Highlights in den Wechseltouren, aber in den Piaffen fehlt es noch an Sicherheit und Konstanz. Die sind derzeit noch nicht sicher im Takt und müssen auf Dauer noch mehr auf die Stelle kommen (71,239 Prozent).
Lewis Carrier und sein inzwischen 18-jähriger langjähriger Erfolgspartner Diego V erreichten mit 70,087 Prozent das beste Grand Prix-Ergebnis, das sie je bei einem CDI außerhalb ihrer britischen Heimat verbuchen konnten.
Laura Tomlinson und der selbstgezogene Fürstenball-Sohn Full Moon lieferten heute mit 68,913 Prozent das Streichergebnis der Mannschaft.
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