Dorothee Schneider/Barcelo und Lisa Wernitznig/Majestic Taonga für Louisdor-Preis qualifiziert

Dorothee Schneiders Barcelo souverän in Hamburgs Louisdor-Preis Qualifikation

Dressur
Dorothee Schneider und Barcelo. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Dorothee Schneider und Barcelo. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de
Gestern waren die äußeren Bedingungen nicht dazu angetan, die Pferde im Louisdor-Preis von Hamburg zur Höchstform zu inspirieren. Das war heute ganz anders, wie man bei Dorothee Schneiders Barcelo sehen konnte.

Das windige, nasskalte Wetter am Samstag, dazu Unruhe auf den sowieso sehr dicht am Dressurviereck platzieren Tribünen machten Barcelo in der Einlaufprüfung zur Louisdor-Preis Qualifikation offensichtlich Angst. Heute schien die Sonne – und Dorothee Schneiders zehnjähriger Bon Coeur-Sohn aus der Cassidy-Vollschwester strahlte ebenfalls. Mit 72,851 Prozent und Platz eins von allen Richtern war es ein unumstrittener Triumph.


Alles auf dem richtigen Weg


Bis auf einen Aussetzer in den Einerwechseln zeigte Barcelo sich äußerst lektionssicher, konstant in der Anlehnung, sicher vor den treibenden Hilfen seiner Reiterin und mit Höhepunkten in den Verstärkungen, den Traversalen, den Passagen und den Pirouetten. In den Serienwechseln hielt er sich ingesamt noch etwas fest. Die Piaffen sind im Ansatz genau richtig – diagonal abfußend mit deutlicher Lastaufnahme und genügend Fleiß. Für noch mehr Ausdruck braucht Barcelo einfach noch Zeit zum Reifen. So forderte Dorothee Schneider auch stets nur so viel, wie Barcelo zu geben bereit war.


Das hob auch 5*-Richter Hans-Christian Matthiesen, der die Prüfung kommentierte, besonders lobend hervor: „Das war super kontrolliert, ohne zu viel Druck zu machen. Das sieht supergut aus, ein sehr schönes Bild“, fasste der Däne zusammen.


„Mein Herz schlägt für dieses Pferd“


Dorothee Schneider war überglücklich, auch weil Barcelo sich heute so viel besser konzentrieren konnte, als noch gestern: „Er war so so viel mehr bei mir.“ Was sie aber vor allem beglückt, ist das große Ganze bei Barcelo. „Das ist so ein wundervolles Pferd! Ich darf ihn ausbilden seit er siebenjährig ist und das ist einfach nur ein Vergnügen.“


An dieser Stelle bedankte sie sich nochmal explizit bei Pferdebesitzer Maik Kanitzky, der ihr das Pferd anvertraut hat, das ursprünglich mal für Tessa Frank vorgesehen war und mit dieser auch Bundeschampion wurde.


Mit Dorothee Schneider hat danach bereits den Nürnberger Burg-Pokal gewonnen. Aus Sicht der Reitmeisterin noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. „Von meinem Gefühl her wird das ein ganz tolles Grand Prix-Pferd. Mein Herz schlägt für dieses Pferd, also drücken Sie mir die Daumen, dass es klappt!“


Theo fährt nach Frankfurt


In Hagen hatten Lisa Wernitznig und der neunjährige KWPN-Hengst Majestic Taonga v. Toto Jr. („Theo“) das Ticket nach Frankfurt knapp verpasst. Heute hat es geklappt. Und auch das war unumstritten. Alle fünf Richter sahen den imposanten Rappen auf Platz zwei.


Auch hier war im Vergleich zu gestern eine deutliche Steigerung in Sachen Konzentration zu erkennen. Die Trabtour des Rappen zeichnet sich durch viel Ausdruck und Dynamik aus. Das Talent für Piaffe und Passage sowie Pirouetten hat er von Großvater Totilas geerbt. Allerdings war er nicht immer losgelassen und zufrieden in der Anlehnung. 71,383 Prozent vergaben die Richter.


Ein Satz von Hans-Christian Matthiesen beschrieb Majestic Taonga ziemlich gut: „Wenn an als Richter bei C sitzt und diese Vorderbeine auf einen zukommen, muss man hohe Noten geben.“ Lisa Wernitznig sagte: „Hier die Atmosphäre ist schon Wahnsinn für die Pferde, vor allem die jungen Pferde. Aber ich kriege immer mehr Ruhe rein und ich versuche dann einfach mich von Lektion zu Lektion zu konzentrieren. Ich glaube, das ist uns heute sehr gut gelungen. Das Pferd bringt alles mit. Der braucht einfach nur Zeit, muss wachsen und sich an solche Kulissen gewöhnen. Dann kann es richtig gut werden.“


Fantastisch elastisch


Ein richtig toller Ritt gelang auch Friederike Tebbel und ihrem zehnjährigen San Amour-Sohn Serious heute. Gestern stand der Wallach sichtlich unter Starkstrom, hob zeitweilig sein rechtes Hinterbein geradezu hahnentrittartig an. Das war heute nur ein einziges Mal andeutungsweise zu sehen. Insgesamt zeigte der Wallach aus der Zucht von Dr. Corinna Flothow sich jedoch nicht nur losgelassen, sondern auch ausdrucksvoll mit herrlicher Piaffe-Passage-Tour, sicher in der Anlehnung und mit einer ausgesprochen sicheren und leichtfüßigen Piaffe-Passage-Tour, die in der Machart sehr an die junge Dalera erinnert. Ein Stolperer in der Pirouette, ein verzögertes Durchparieren aus dem Galopp in den Trab kosteten Punkte. Aber 69,150 Prozent gab es. Aber da dürfte noch einiges mehr drin sein. Auch Fünf-Sterne-Richter Matthiesen sprach von einem „Dalera-Vibe“. Da gibt’s Schlechteres.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


Ähnliche Beiträge

Werth und Viva rocken Hamburger Dressurstadion
Werth und Viva rocken Hamburger Dressurstadion Zum Artikel
Feine Bella NRW zum Burg-Pokal Finale
Feine Bella NRW zum Burg-Pokal Finale Zum Artikel
Wernitznig trotzt dem Wetter in der Louisdor-Preis Einlaufprüfung von Hamburg
Wernitznig trotzt dem Wetter in der Louisdor-Preis Einlaufprüfung von Hamburg Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing