Isabell Werth gewinnt Hamburger Dressur-Derby im neuen Format mit Kür-Premiere von Viva Gold

Werth und Viva rocken Hamburger Dressurstadion

Dressur
Welch großes Talent Viva Gold für Piaffe und Passage mitbringt, zeigte er bereits 2025 bei der Louisdor-Preis Qualifikation. Foto: Thomas Hellmann Welch großes Talent Viva Gold für Piaffe und Passage mitbringt, zeigte er bereits 2025 bei der Louisdor-Preis Qualifikation. Foto: Thomas Hellmann
Das Deutsche Dressur-Derby 2026 ist entschieden. Die Siegerin heißt Isabell Werth. Sie hat den Titel nicht im Pferdewechsel gewonnen, sondern in der Kür, der ersten mit Viva Gold.

Das neue Derby-Team um Matthias Alexander Rath hatte für dieses Jahr beschlossen, das Deutsche Dressur-Derby nicht mehr im Pferdewechsel auszutragen, sondern den Sieger durch Addition der Ergebnisse aus Grand Prix und Kür zu ermitteln. Isabell Werth nutzte die Gelegenheit, um Viva Gold das erste Mal zu einer eigenen Musik zu präsentieren. Letztes Jahr hatte sich der zehnjährige Oldenburger Hengst auf dem Hamburger Viereck bei seinem ersten S***-Auftritt für das Louisdor-Preis Finale qualifiziert und holte später in Frankfurt den Titel. Ein gutes Omen für seine heutige Kür-Premiere? Jedenfalls war die sehr gelungen.


Neil Diamond für Viva Gold


Am Samstag erhielt Isabell Werth die Musik zu ihrer neuen Kür. Als Oberthema hatte sie sich den US-Künstler Neal Diamond ausgesucht. Damit rockten sie und Viva Gold heute das Hamburger Viereck.


Wenn man sagt, der Hengst piaffierte „wie ein Weltmeister“ ist das nicht im übertragenen Sinne, sondern wörtlich gemeint. Tatsächlich war die Piaffe-Passage-Arbeit, die der Vivaldi-Sohn zu Klassikern wie Song Song Blue und Sweet Caroline in den Hamburger Sand tanzte, von einer Qualität, wie man sie – wenn überhaupt – nur ganz selten zu Gesicht bekommen hat.


Als die beiden am Ende der Kür aus der Galopppirouette in die Piaffe-Pirouette parierten (obwohl das eigentlich etwas anders geplant war, siehe unten) und in erhabener Passage auf die letzte Linie abbogen, hatte man schon Gänsehaut. Und als der bildschöne Dunkelfuchs dann auf der letzten Linie nochmal all sein Können zeigte, stahl sich ein breites Grinsen auf das Gesicht seiner Reiterin. Da war es vorbei mit der vornehmen Dressurzurückhaltung auf den Zuschauerrängen. Rhythmisches Klatschen begleitete das Paar auf den letzten Passage-Metern zum Schlussgruß, dann gab es tosenden Applaus.


Es waren nur sechs Paare in der Kür am Start. Aber für diesen Ritt hatte sich der Eintritt gelohnt. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der Hengst zeitweise sichtbar die Zunge hochzog und selten mit geschlossenem Maul zufrieden kaute, wie man sich das eigentlich wünscht.


Die Richter vergaben für heutigen Auftritt 84,365 Prozent – vermutlich wären es mehr gewesen, gäbe es nicht den neuen Umgang mit dem Degree of Difficulty, bei dem es Abzüge gibt, wenn die gezeigten Lektionen nicht mit der gewünschten Harmonie gezeigt werden oder etwas nicht gelingt.


Letzteres war bei Werth und Viva heute gegen Ende der Prüfung der Fall, wie Werth berichtete: „Ganz am Ende habe ich eigentlich eine anderthalbfache Galopppirouette geplant. Da habe ich aber nur eine geritten, weil er – wohl wissend, dass die Piaffe kommt – schon mehr in die Piaffe gegangen ist. Da wollte ich ihn nicht durcheinanderbringen und nochmal angaloppieren. Deswegen die etwas längere Piaffe auf der Stelle, um wieder bei der Musik zu sein. Da hat er sicherlich einen kleinen Abzug bekommen, weil wir diesen Schwierigkeitsgrad nicht erfüllt haben. Aber damit konnte ich leben.“


Die weiteren Plätze


Hinter Isabell Werth und Viva Gold kam notenmäßig lange nichts und dann Werths EM-Mannschaftskollegin von Crozet, Ingrid Klimke. Statt des eigentlich geplanten Vayron hat sie ihre kleine, feine Fürstenball-Tochter First Class mit nach Hamburg gebracht, die ihr heute eine 77,040 Prozent Kür schenkte. Das war der zweite Platz vor den Weltcup-Finalisten Moritz Treffinger und Fiderdance, die heute mehrere kleine Fehler hatten, die die Wertung drückten. 76,252 Prozent blieben übrig.


Die drei weiteren Paare in der Kür von Hamburg um den Preis des Freiherrn von Jenisch, in dessen Park sich das alljährliche Hamburger Pferdefest namens Derby abspielt, waren die im niedersächsischen Hemmoor ansässige Britin Susan Pape auf Harmony’s V-Plus (74,620), die Niederländerin Marie-José Calis im Sattel der KWPN-Stute Limited Edition (72,930) und als Lokalmatador Felix Kneese aus San Simeon (69,610).


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


 


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