Belgien gewinnt EEF Nationenpreis von Lier – undankbarer vierter Platz für Deutschland
Sekundenbruchteil-Krimi im EEF-Nationenpreis von Lier
Dreamteam: Paula de Boer-Schwarz und My Miss Marple. Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Wie in Mannheim war auch der EEF-Nationenpreis in Lier nichts für schwache Nerven. Am Ende war es ein Drama in Zehntelsekunden. Sieg der Belgier vor Großbritannien, Tschechien und Deutschland. Aus deutscher Sicht: Platz vier, dort, wo gerade noch Platz eins zum Greifen nah schien.
Co-Bundestrainer Ralf Runge hatte ein bewusst gemischtes Team aufgeboten, erfahrene Reiter mit teils noch unerfahrenen Pferden: Debütantin Paula de Boer-Schwarz mit der Mylord Carthago-Tochter My Miss Marpel OLD, Maurice Tebbel mit dem Wallach Crazy EP v. Cornet Obolensky, Tom Schewe mit dem erst neunjährigen Wallach Congress Blue PS v. Congress, und Kendra Claricia Brinkop mit ihrem französischen Hengst Gatsby Le Magnific v. Action-Breaker.
Runde eins – weiße Weste
Im ersten Umlauf ging die Saat auf. Drei deutsche Nullrunden, Brinkops Ritt mit einem Abwurf wurde Streichergebnis. Damit wäre andernorts schon eine Vorentscheidung gefallen – nicht aber in Lier. Belgien, Großbritannien und Tschechien marschierten ebenfalls ohne Fehl und Tadel durch die erste Runde. Vier Mannschaften, vier weiße Westen.
Vier Null-Fehler-Teams – und nochmal alles offen
Dann kam der zweite Umlauf und es ging quasi noch einmal von vorne los. Zunächst leistete sich jede der vier Spitzenequipen einen Fehler. Knapp fünf Stunden Nationenpreis lagen schon hinter Reitern, Pferden und Publikum, als sich die Entscheidung schließlich auf die letzten beiden Ritte zuspitzte.
Als vorletzter Reiter ritt das belgische Ausnahmetalent Gilles Thomas (25) in den Parcours. Mit dem neunjährigen Comme il Faut-Sohn Riesling van’t Roosakker lieferte er, was das heimische Publikum sehen wollte: eine Traumrunde, fehlerfrei. Damit lag der Druck nun komplett auf der deutschen Schlussreiterin. Kendra Brinkop musste null bleiben, um Belgien wenigstens noch ins Stechen zu zwingen. Doch der Fehler passierte. Vier Strafpunkte.
Damit wäre noch Platz zwei drin gewesen, denn auch Großbritannien und Tschechien standen am Ende bei vier Strafpunkten. Doch beide Teams hatten in der Addition der drei besten Zeiten aus Runde zwei knapp die Nase vorn. So rutschte Deutschland von potenziell ganz oben auf Rang vier.
Nachvollziehbare Enttäuschung
Die Enttäuschung war im deutschen Lager nicht zu verhehlen, trotz reiterlich starker Leistung des Quartetts. Ralf Runge wollte sie aber auch nicht überbetonen. „Das war hochklassiger Sport, alle sind toll geritten, schließlich trennten uns nur Zehntel-Sekunden von einem Podestplatz. Es war einfach Pech im Spiel.“ So spricht jemand, der gerade ganz knapp einen Sieg verloren hat – und der den größeren Plan im Kopf behält.
Bühne für die, die sonst keine bekommen
Denn die EEF-Serie hat einen besonderen Reiz. Hier können sich Nationen miteinander messen, die keinen Platz in der Longines League of Nations des Weltverbands FEI haben. Wer dafür nicht qualifiziert ist, findet in der EEF-Serie einen wichtigen Vorbereitungsplatz auf das Jahres-Highlight, die Weltmeisterschaften im Sommer in Aachen. Genau deshalb schickte die Konkurrenz ihre erste Garde nach Lier.
Auch für Runge liegt darin das große Plus der EEF-Nationenpreise. „Das ist die Herausforderung der EEF-Serie, noch recht jungen Reitern und Pferden Erfahrung und Vertrauen zu geben, gleichzeitig Paare für den Spitzensport aufzubauen und auf Turnieren mit guten Leistungen zu überzeugen.“
Von daher kann er trotz der Enttäuschung sehr zufrieden sein – drei Nullrunden im ersten Umlauf, Doppelnull von Debütantin Paula de Boer-Schwarz und dem erst neunjährigen Congress Blue PS mit Tom Schewe – darauf lässt sich aufbauen.
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