Jalisco – Vater von Quidam de Revel

Jalisco, Selle Français, geb., 1982 v. Almé, a.d Tanagra v. Furioso xx, Vater u.a. v. Quidam de Revel
- Name: Jalisco
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 1982
- Rasse: Selle Français
- Vater: Almé
- Muttervater: Furioso xx
- Züchter: Georges Sabras, Haras du Theillet
- Größte Erfolge: Sieg im Großen Preis von Paris, Olympiateilnahme mit Manuel Malta da Costa (POR)
Jalisco war ein Kraftpaket. Seine Gene finden sich in nahezu jedem Medaillengewinner im Springsport seit der Jahrtausendwende. Ihm verdankt die weltweite Pferdezucht Hengste wie Quidam de Revel, Nabab de Reve oder Vigo d’Arsouilles. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt.
1975 kam Jalisco zur Welt. Er entstammte dem vierten Jahrgang von Almé und damit einer Zeit, in der sein Erzeuger noch längst nicht den Ruf hatte, ein Vererber von Weltpferden zu sein. Jaliscos mütterlicher Großvater hatte genau diesen Ruf, denn Jaliscos Mutter Tanagra hatte den berühmten Vollblüter Furioso xx zum Vater. Das Beste vom Besten beim Selle Français zu dieser Zeit.
Olympisches Geblüt: Jalisco, erster Volltreffer von Almé
Als junges Pferd stand Jalisco im Schatten seiner Halbbrüder, allen voran Galoubet. Er war der kräftigste der Almé-Söhne, verfügte über die raumgreifendste Galoppade. Er hatte aber, so heißt es in Frankreich, nicht zu viel Respekt vor den Stangen. Seine Karriere begann dort, wo auch sein Vater gestanden hatte, bei Anaud Evain. Unter Xavier Leredde gewann Jalisco achtjährig den Großen Preis von Paris und zählte zum Olympiakader. Eine Verletzung verhinderte den Start 1984 in Los Angeles. Der Hengst wurde verkauft und nahm dann unter portugiesischer Flagge an den Spielen von Seoul 1988 teil. Anschließend kehrte er als Deckhengst nach Frankreich zurück.
Züchterischer Hauptgewinn
Die Nachfahren von Jalisco sollten schon bald Geschichte schreiben. Ohne ihn hätten viele Goldmedaillen in den schwersten Prüfungen anders verteilt werden müssen. Denn ohne Jalisco kein Quidam de Revel, kein Vigo d’Arsouilles, kein London. Und auch kein Hello Sanctos oder Kashmir van Schuttershof.
Am erfolgreichsten waren Anpaarungen von Jalisco mit Müttern, die das Blut von Nankin v. Fra Diavolo xx führten. Quidam de Revel stammt aus der Nankin-Tochter Dirka, Dollar du Muriel hat Uriel v. Nankin zum Muttervater.
Olympia im Blut: Quidam de Revel
Der 1982 geborene Quidam de Revel bescherte seinem Reiter Hervé Gordignon Platz vier bei den Olympischen Spielen von Barcelona 1992 sowie Team-Bronze. Später ging er unter dem Dänen Thomas Velin. Familie Velin zählte zu den ersten Hengsthaltern, die einen Klon ihres Starvererbers entstehen ließen. Sie setzten diesen intensiv und als 100-prozentigen Ersatz des Originals züchterisch eins. 2005 kam diese genetische Kopie zur Welt.
Zu diesem Zeitpunkt waren Nachkommen von Quidam de Revel schon längst eine feste Größe im internationalen Zucht- und Sportgeschehen. Viele seiner gekörten Söhne wetteiferten in internationalen Arenen miteinander. Dazu begründeten sie eigene Hengstlinien als bedeutende Zweige der Dynastie des Almé. Allen voran Nabab de Reve (1990–2015).
Nabab de Reve – Medaillen garantiert über Generationen
Der kalibrige Braune gewann unter dem Belgier Philippe LeJeune 2002 die Mannschafts-Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Jerez de la Frontera. Die Krönung von LeJeunes Reiterkarriere verdankt der Belgier ebenfalls Nabab de Reve: Mit Nababs Sohn Vigo d’Arsouilles wurde LeJeune 20210 Weltmeister der Springreiter in Kentucky.

Weitere bedeutende Söhne von Nabab de Reve waren Guidam und Kashmir van Schuttershof. Kashmir zeugte Peder Fredricsons (SWE) All in, das Pferd, das das Kunststück bewerkstelligte, sowohl 2016 in Rio als auch 2021 in Tokio im olympischen Einzelfinale die Silbermedaille zu gewinnen. Außerdem gewannen die Schweden Gold in Tokio. 2017 konnte der kleine Braune seinen Reiter vor Heimpublikum zum Europameistertitel tragen, 2022 zählten die beiden zur schwedischen Equipe, die bei der WM die Goldmedaille in Herning gewann.
Mit Gazelle siegte eine Kashmir-Tochter unter dem US-Amerikaner Kent Farrington weltweit in schwersten Konkurrenzen, unter anderem im Großen Preis von Aachen.
London und Hello Sanctos
Der Fuchshengst London, von einigen Zuchtverbänden auch unter seinem ursprünglichen Namen Carembar de Muze geführt, ist ebenfalls ein Sohn von Nabab de Reve. Unter Gerco Schroeder (NEDI) gewann der kräftige Belgier bei den Olympischen Spielen-Silber 2012 die Team- und Einzel-Silbermedaille und wurde Mannschaftsweltmeister in Caen 2014. Im selben Jahr hatte das Paar das Weltcup-Finale gewonnen.
Als Muttervater findet sich Nabab de Reve bei dem Wallach Hello Sanctos v. Quasimodo van de Molendreef, der unter Scott Brash (GBR) als erstes Pferd den Grand Slam of Showjumping, die millionenschwere, vom Uhrenhersteller Rolex gesponserte Kombination der anspruchsvollsten Großen Preise des Springsports, gewonnen hat. Außerdem zählen der Mannschaftsolympiasieg in London, der Sieg in der Team Teamwertung der Europameisterschaft in Herning 2013, wo das Paar Bronze im Einzel gewann, zu den Meriten.
Weitere Quidam de Revel-Söhn
Herausragende Erfolge konnten auch die Quidam de Revel-Söhne Quel Homme, Sterrehof’s Calimero, Quaprice du bois Margot, Quidams Rubin oder Verdi feiern. Verdi gewann unter Maikel van der Vleuten (NED) sowohl in Tokio als auch in Paris 2024 die olympische Einzel-Bronzemedaille im Springen. Der Quidam-Enkel Quintero v. Quantum Rolf Göran Bengtsson stand dreimal im Weltcup-Finale.
Für eine Handvoll Dollars mehr
Die Liste der genauso erfolg- wie einflussreichen Jalisco-Nachkommen wäre unvollständig, wenn nicht auch Dollar de la Pierre, der später unter dem Namen Tlaloc la Silla zum Einsatz kam, genannt werden würden. Er wurde 2002 Mannschaftsweltmeister unter Reynald Angot (FRA) und gewann 2003 bei der EM Teamsilber. Als Hengst zeugte er Rebozo, mit dem Rodrigo Pessoa (BRA) Vierter der Weltmeisterschaft in Kentucky 2010 und Achter bei Olympia 2012 in London wurde.
Der „zweite Dollar“, Nachname „du Murier“ (Mutter v. Uriel-Ibrahim) bescherte Eric Navet (FRA) Einzelsilber und Teamgold bei der WM in Jerez 2002, wo 22 Prozent der startenden Springpferde auf Almé zurückgingen. Unter den zehn besten Kombinationen im Finale führten sogar 40 Prozent auf Almé zurück. Myrtille, die „Blaubeere“, mit der Roger Yves Bost 2013 Europameister in Herning wurde, ist eine Tochter von Dollar du Murier. Und auch „Bostis“ sehr erfolgreicher Hengst Ideal de la Loge hat Dollar du Murier zum Vater.
Und noch einen historischen Meilenstein verdankt die Springwelt Jalisco: Als Alexandra Ledermann 1999 als erste Frau der Geschichte die Europameisterschaft gewinnen konnte, saß sie im Sattel eines Jalisco-Sohns: Rochet M. Das Paar hatte bei den Olympischen Spielen von Atlanta 1996 die Bronzemedaille in der Einzelwertung gewonnen.