Auftakt zum Nürnberger Burg-Pokal in Hagen an J'Adore Dior H mit Patrik Kittel
Patrik Kittels J’Adore Dior H siegt im Hagener Burg-Pokal Auftakt
Patrik Kittel und J'Adore Dior H. Foto: sportfotos-lafrentz.de Man kann sagen, J’Adore Dior ist eine Vielfliegerin. Sieben Jahre jung ist die Oldenburger Stute. Wer die Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde verfolgt, erinnert sich an die Jovian-Tochter vielleicht von ihrem Auftritt in Ermelo 2024, damals unter dem Sattel des Spaniers Alvaro Conesa de Oliveira, der sie quasi aus dem Nichts auf Platz sechs im Finale der fünfjährigen Dressurpferde ritt. Besitzer war bereits damals der US-Reiter Steven Villar, der die Stute davor und danach wieder in den USA zeigte. 2025 verbrachte sie die gesamte Saison in den Staaten. Dieses Jahr begann sie ihre Saison Mitte März in Ankum, wo Patrik Kittel sie zum Sieg in ihrer ersten S-Dressur für Sieben- bis Neunjährige ritt. Danach ritt ihr Besitzer sie wieder in Florida und nun ist die Stute zurück in Deutschland, um heute in Hagen das Feld der Qualifikation zur Finalqualifikation für den Nürnberger Burg-Pokal 2026 aufzumischen.
Die Stute erinnert im Bewegungsablauf in Trab und Galopp sehr an ihren Vater Jovian – hoch elastisch, ganz viel Power und Abdruck, das Ganze nur in leichtfüßiger und eleganter. Der Schritt hingegen ist im starken Tempo eher knapp in Vor- und Übertritt, in der Versammlung noch geregelt. Die Schrittpirouetten gelangen. Sie schielte zwar während der Aufgabe immer wieder ins Geschehen, jenseits des Vierecks, blieb aber konzentriert bei der Sache.
In den Pirouetten zeigt J’Adore Dior H ihre Bereitschaft zur Lastaufnahme, die zweite war etwas schaukelnd. Die Serienwechsel glückten noch nicht ganz sicher auf der Linie. Das Halten auf der Mittellinie vor dem Rückwärtsrichten, die große Tücke des Prix St. Georges Special, gelang gut. Im Rückwärtsrichten selbst wurde die Stute deutlich eng.
74,171 Prozent erhielt das Paar und bis auf Dr. Evi Eisenhardt bei H, die das Paar an dritter Stelle sah, hatten alle Richter sie an der Spitze.
Mit Blick auf J’Adore Dior ebenso wie auf den auch als Vererber sehr erfolgreichen Zoom-Sohn Zanetti, den Kittel nach einer gelungenen Runde mit kleinen Hakern als erstes Pferd der Prüfung auf Rang fünf ritt (71,049) kommentierte der Schwede aus Dülmen bei Münster:
„Beide Pferde sind unglaublich lektionssicher für ihr Alter, machen toll mit und bringen viel Qualität mit. J’Adore Dior H hatte im versammelten Schritt einen Moment, da sprang irgendwo im Springstadion wohl jemand Null und plötzlich wurde es laut. Ansonsten gab es Kleinigkeiten hier und da – aber insgesamt bin ich sehr glücklich. Schon morgen beide Pferde in so einem starken Starterfeld wieder reiten zu dürfen ist einfach cool.“
Fänomen de Malleret auf Rang zwei
Wenn J’Adore Dior H die elegantere Version ihres Vater ist, muss man sagen, der achtjährige Oldenburger Hengst Fänomen de Malleret ist in vielerlei Hinsicht das Ebenbild seines Vaters Foundation – Statur, Bewegungsablauf erinnern sehr an Matthias Raths ehemaligen Grand Prix-Hengst, der ja inzwischen auf der Hengststation Schockemöhle angesiedelt ist. Tatsächlich kam auch Fänomen de Malleret auf dem Schockemöhle Gestüt Lewitz zur Welt. Er ist ein ehemaliges PSI-Pferd, stand fünfjährig bei Helen Langehanenberg, wurde dann zwischenzeitlich von der belgischen Grand Prix-Reiterin Larissa Pauluis geritten und ist seit dem Winter im Beritt von Frederic Wandres. Die beiden passen gut zusammen.
Fänomen de Malleret verfügt über spektakuläre Bewegungsmöglichkeiten. Die Verstärkungen waren ergiebig über viel Boden und mit Power. Auffällig gut gelangen aber zum Beispiel auch die Schrittpirouetten. Insgesamt hatte Wandres den Hengst recht gut vor den treibenden Hofen, außer in den Serienwechseln, wo es dann auch prompt Fehler gab. Den starken Galopp danach konnte Wandres nutzen, um den Hengst vor der letzten Linie noch einmal vor sich zu bekommen. Das gelang recht gut und die schwierige Mittellinie dann auch. 72,463 Prozent erhielten die beiden.
Wandres hat ein klares Ziel für diese Saison: „Das Finale in Frankfurt sollte in diesem Jahr schon auf dem Zettel stehen. Wann, wo und wie sich das ergibt, wird man sehen. Für morgen lassen wir uns überraschen. Aber ich glaube, im Laufe der Saison ist er definitiv ein Kandidat dafür. Und wenn man so ein Pferd unter sich hat, dann denkt man schon: Das kann und sollte auch einmal in Frankfurt gehen. Er hat ein gutes Temperament, kann im Stall gegenüber seinen Kollegen durchaus ein bisschen hengstig sein. Wenn er durch die Stallgasse läuft, gibt er schon gern den kleinen Macho. Aber in dem Moment, in dem man drauf sitzt, ist alles ganz unkompliziert.“
Hemmers Etro-Bruder Dritter
Ein rundum sympathisches Paar sind Katharina Hemmer und der Westfale Escanciador v. Escolar-Lanciano, Vollbruder zum Grand Prix-Pferd Etro ihres Stallkollegen Anush Agarwalla und seit dreijährig in ihrem Besitz. Escanciador ist optisch ein typischer Sohn seines Vaters und man merkt, dass er und seine Reiterin ein eingespieltes Team sind. Den beiden gelang eine runde Prüfung ohne Schnitzer, bei der die reelle Ausbildung des Braunen deutlich wurde. Er verfügt über gute Elastizität und man hat den Eindruck, er arbeitet gerne mit. Auf Dauer wünschte man sich noch etwas mehr Geschlossenheit und aktiveres Durchfußen. 72,042 Prozent vergaben die Richter.
Katharina Hemmer war hoch zufrieden mit ihrem Wallach: „Damit habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Emil ist mein eigenes Pferd — ich habe ihn Anfang dreijährig gekauft — und dass er sich hier heute so präsentiert, bei seinem ersten Übernachtungsturnier und vor dieser Kulisse, hat mich wirklich begeistert. Er ist ja schon seit Dienstag mit dabei und war mit Denoix und Special Gold in bester Gesellschaft – offenbar hat er sich gedacht: Was die können, kann ich auch.
Dass er die Qualität hat, weiß ich natürlich. Aber dass er das heute hier unter diesen Bedingungen so souverän gezeigt hat, hat mich wirklich gefreut. Morgen kann ich vielleicht hier und da noch etwas mehr riskieren. Gerade in den Verstärkungen hatte ich heute eher noch auf Sicherheit gesetzt, obwohl er eigentlich gut nach vorne wollte. Da versuche ich morgen vielleicht noch ein bisschen mehr herauszuholen. Aber ich bin in jedem Fall rundum glücklich.“
Stilpreisverdächtig
Ein weiteres Paar, auf das man sich am Sonntag freuen kann, sind zum Beispiel Franziska Haase und der achtjährige Alissimo v. Asgard’s Ibiza-Belissimo M, die mit 70,098 Prozent Siebte wurden. Der Fuchs zeigte sich sehr geschlossen und aktiv im Hinterbein, dabei ganz stet und sicher in der Anlehnung. Highlights waren die Pirouetten des Paares, im Schritt und im Galopp, wo der Fuchs sich schon sehr schön auf dem inneren Hinterbein ausbalancierte. Leider mochte er sich heute so gar nicht rückwärtsrichten lassen.
Embolo & Co.
Mit Spannung erwartet wurde der Auftritt von Benjamin Werndls Embolo, der als Dreijähriger Preisspitze der westfälischen Elite-Auktion war und nach Aubenhausen gelangte. Dies ist die erste Saison in der schweren Klasse für den siebenjährigen westfälischen Escamillo-Sohn. Von sechs Prüfungen in Stadl Paura hat er vier gewonnen und war zweimal Zweiter. Hinzu kam ein dritter Platz bei einem Auftritt in München. Das waren schon mal Vorschusslorbeeren. Tatsächlich begannen die beiden mit Wow-Trabverstärkungen bei echter Rahmenerweiterung und schönen Traversalen. Doch im Schritt ist der Wallach begrenzt. Immerhin war er aber klar im Takt im starken Schritt und dehnte sich auch an die Hand heran. Den versammelten Schritt ritt Werndl jedoch quasi in Zeitlupe. Probleme im Schritt sind bekanntlich doppelt teuer. Das gilt auch für Fehler in den Pirouetten, bei Werndl und Embolo heute in der nach links, wo der Wallach umsprang. Hinzu kamen dann auch noch Balanceprobleme in den Serienwechseln und zu wenige Tritte beim Rückwärtsrichten auf der letzten Mittellinie. Mit 67,805 Prozent wurden die beiden 14. Die besten zwölf Paare von heute treten am Sonntag in der Finalqualifikation an.
Der verhinderte Bundeschampion San to Alati v. Secret, dem sein Titel als Vierjähriger wegen verbotener Medikation aberkannt worden war, wird inzwischen von seiner Besitzerin Bernadette Brune selbst geritten. Die hatte heute das Pech, dass nicht nur sie einen Hengst unter dem Sattel hat, sondern dass auch vor ihr ein Hengst in der Bahn gewesen war. Als der eine das Viereck verließ und der andere kam, tauschten sich die beiden lautstark wiehernd aus. Ob das der Grund war, jedenfalls stand San to Alati heute unter Starkstrom, worunter die ganze Aufgabe litt. 66,683 Prozent wurden es, Platz 20.
Ein Pferd, das wie San to Alati schon WM Luft geschnuppert hat und hier als Fünfjähriger mit Platz vier sogar hoch platziert war, ist der achtjährige St. Schufro-Sohn Skyline to B. Damals vertrat der hochgewachsene schmale Rappe noch den Zuchtverband Schweden und hatte mit Carl Hedin auch einen schwedischen Reiter. Dann verliebte Yara Reichert sich in den Hengst mit den großen Bewegungsmöglichkeiten und übernahm ihn sechsjährig. Nun ist er in der Klasse S angekommen. Nicht angekommen war er heute im Viereck von Hagen. Die ganze Vorstellung litt unter der Anspannung und Umweltorientiertheit des Hengstes. Er war sehr hoch und eng eingestellt, hatte Lektionsfehler und dann vergaß Reichert auch noch die Pirouetten. Es war nicht der Tag der beiden. Nach Abzug kamen sie auf 65,146 Prozent und wurden 20.
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