Heimspiel für Frederic Wandres in Qualifikation zur Louisdor-Preis Etappe von Hagen
Zum Anstoßen – Veuve Clicquot gewinnt Einlaufprüfung zum Louisdor-Preis in Hagen
Frederic Wandres und Veuve Clicquot. Foto: sportfotos-lafrentz.de „Die Chemie zwischen uns stimmt“, sagt Frederic Wandres über den gerade achtjährigen Hannoveraner Wallach Veuve Clicquot. Damit meint er nicht nur die Chemie zwischen ihm selbst und dem Vitalis-Sohn, sondern bezieht auch seinen Verlobten Lars Ligus mit ein. „Ville“ sei ein Gemeinschaftsprojekt, so Wandres. Ligus ritt den Fuchs aus der Zucht von Josef Bramlage (der auch Vitalos FRH gezogen hat, der allerdings bis auf Vater Vitalis keine Verwandtschaft zu Veuve Clicquot aufweist) 2024 zu Bundeschampionatssilber und stellte ihn 2025 in der kleinen Tour mit Nürnberger Burg-Pokal Qualifikationen vor. Den nächsten Schritt in Richtung Grand Prix hat er nun mit Wandres im Sattel gemacht. Anfang März gewann er seine erste Intermédiaire II in Ankum. Heute setzte er noch einen drauf.
Für seine acht Jahre zeigte sich Veuve Clicquot bereits bemerkenswert sicher in der Aufgabe. Was besonders positiv auffiel: Wandres kam zum Nachgeben, konnte der Hand hinterherreiten statt dem Wallach Stabilität geben zu müssen. So zeigte Veuve Cliquot Trabverstärkungen mit beeindruckender Schwungentfaltung dank zugelassener Rahmenerweiterung (besonders auf der letzten Diagonale). Insgesamt präsentierte Wandres den Fuchs in schöner Selbsthaltung und Anlehnung. Leider hielt das Hinterbein in seiner Aktivität nicht immer das, was das Vorderbein versprach. Das fiel insbesondere in der Piaffe-Passage-Tour ins Gewicht. In der Passage blieb das Hinterbein noch matt. In den Piaffen zum Teil ebenfalls und in der bei A musste Wandres ihn mit der Gerte einmal deutlich auffordern.
Der Schritt war taktrein, hätte aber etwas fleißiger sein dürfen. Der Mittelgalopp war an der untersten Grenze, aber der fliegende Wechsel bei X war schön herausgeritten. Die fliegenden Wechsel waren sicher und losgelassen durchgesprungen, außerdem schon sehr geradegerichtet. Die Pirouetten dürfen auf Dauer noch zentrierter werden.
Alles in allem eine sehr harmonische Runde, die mit 72,947 Prozent bewertet wurde. Der Sieg im ersten Louisdor-Anlauf für Ville.
Wandres sagt. „Unser Herzenspferd Veuve Clicquot. Diesmal war ich im Sattel. Er ist ja wirklich gerade erst acht geworden. Dafür war es mega! Er lässt sich unheimlich leicht präsentieren und strahlt einfach. Wenn man auf die Diagonale abbiegt, dann will er los. Ich lasse mich selten zu etwas hinreißen, aber bei Ville – da merkt man einfach, das ist besonderer als vielleicht bei dem einen oder anderen, den ich schon mal hatte …“ Und: „Ich hoffe, hoffe, dass wir eine schöne gemeinsame Zukunft haben!“
Wie auch immer die aussieht, nachdem Wandres zuerst gesagt hatte, er wollte es sich noch überlegen, ob er Sonntag reitet, bestätigte er später, dass er mit seinem Team inklusive Bundestrainerin Monica Theodorescu beschlossen hat, den Wallach Sonntag nicht zu reiten.
Wandres‘ Nummer zwei unter den Top drei
Ganz anders verhält es sich mit Wandres‘ zweitem Pferd im Rennen um die Louisdor-Preis Tickets, dem neunjährigen Oldenburger Wallach Imo Pectore v. Asgard’s Ibiza-Sir Donnerhall I. Ihn hat Wandres erst Ende vergangenen Jahres von „der Chefin“, also Bianca Kasselmann übernommen. „Sie hat mir nahegelegt, dass das doch ein sehr viel versprechendes Pferd ist und ich meinen Hintern doch mal in den Sattel bewegen sollte“, schmunzelt Wandres. Als er dann tat wie ihm geheißen, habe er sehr schnell gemerkt „Oh, da steckt wirklich was drin“.
Genug auf jeden Fall, dass der Wallach in wenigen Wochen das S***-Programm konnte. Turniermäßig war Imo Pectore in der vergangenen Saison noch von dem Dänen Valentin Munkedal vorgestellt worden, der damals im Stall Kasselmann arbeitete. Das heute war seine erste Intermédiaire II.
Der schicke Fuchs, in Farbe und Zeichnung vom Vater geprägt, präsentierte sich im versammelten Trab erhaben und ausdrucksvoll. Die Verstärkungen gerieten dem gegenüber etwas laufend. In den Traversalverschiebungen wurde der Wallach eng und kam deutlich hinter die Senkrechte. Takt und Abdruck in Piaffe und Passage bringt Imo Pectore reichlich mit. In den Piaffen stützt er jedoch vorne noch. Gut gelang die Schritttour. Die Serienwechsel waren sicher durchgesprungen. Die Einer dürfen auf Dauer noch lockerer durch den Körper gesprungen werden. Das gleiche gilt für die Pirouetten, in denen das Pferd sich aktuell noch etwas herumstemmt statt auch in der Hankenbeugung fleißig weiterzugaloppieren.
72,053 Prozent waren lange die Führung und wurden schließlich Rang drei in der Inter II-Premiere des Wallachs.
„Theo“ auf Rang zwei

Zwischen Wandres und seine Füchse schob sich Isabell Werths Stallreiterin Lisa Wernitznig auf dem imposanten Rappen Majestic Taonga, kurz Theo. Für den Toto Jr. Sohn war das heute die vierte Intermédiaire II. Die anderen drei hatte er alle gewonnen, zunächst zwei auf regionaler Ebene in Wickrath und Hamminkeln und dann zuletzt in Aachen beim internationalen Para-Turnier, das auch reguläre nationale Prüfungen anbot.
Theo kann seinen Großvater Totilas in Piaffe und Passage nicht verleugnen. Das Talent für diese Lektionen ist ihm offensichtlich in die Wiege gelegt. Leider blieb die Anlehnung praktisch während der gesamten Aufgabe fest, was der Hengst mit häufig deutlich geöffnetem Maul quittierte. 72,895 Prozent gab es für die Vorstellung.
Nachwuchspferd Nummer zwei aus dem Stall Werth hätte der Veneno-Sohn Valdiviani mit Niklaas Feilzer sein sollen. Er wurde auch auf dem Abreiteplatz geritten, aber dann zurückgezogen. Ein Grund wurde nicht genannt.
Weitere Paare, die auffielen
Hinter der soliden Vaida-Girl mit Bianca Nowag-Aulenbrock, die Ende vergangenen Jahres dank ihres reellen Gerittenseins schon Zweite im Nürnberger Burg-Pokal geworden war, und heute trotz eher matter Piaffe-Passage-Tour mit 70,447 Prozent Vierte wurde, reihte sich ein Paar aus Süddeutschland ein, das eigentlich nur mal gucken wollte, wo sie stehen: Nicole Casper und Zabalou. Der Zalando-Sohn bringt viel Talent für Piaffe und Passage mit, war heute aber leider häufig eng und deutlich rückwärts geritten, was sich auch auf das Gleichmaß in der Pi- und Pa-Tour auswirkte. Aber er hat drei außerordentlich gute Grundgangarten und zeigte sich trotz der engen Kopf-Hals-Einstellung sehr sicher in den Grand Prix-Lektionen. Aus dem „Mal-gucken-wo-wir-stehen“ wurden 69,711 Prozent und damit ein starker fünfter Platz.
Eines der talentiertesten und am schönsten vorgestellten Pferde des Feldes ist der Oldenburger Hengst Vitally PCH v. Vitalis aus der Weihegold. Auch er ist erst achtjährig. Aber ganz ähnlich wie auch der Sieger Veuve Clicquot sind er und seine Ausbilderin und Reiterin Anna Schölermann ein so eingespieltes Team, dass sie sich in besserer Selbsthaltung zeigten als das Gros des Feldes. Allerdings unterliefen dem Paar heute einige Schnitzer. In der ersten Passage musste der Dunkelfuchs äppeln, fand aber trotzdem den Übergang und den Takt in der Piaffe. In der Piaffe bei A verlor er an der „Bande“ etwas die Balance. Im Schritt kamen die beiden deutlich von der vorgesehenen Linie ab. Im Mittelgalopp ging der Hengst zunächst einige Sprünge gegen die Hand. In der Linkspirouette verlor er kurz den klaren Dreitakt und in den Zweierwechseln sprang er den vorletzten vorne einmal nicht mit. Auf der letzten Mittellinie schien ihm in der Passage etwas die Kraft ausgehen. Aber was für ein schön gerittenes Pferd, das in Sachen Elastizität, Fleiß, Geschmeidigkeit, Versammlungsbereitschaft und Leistungsbereitschaft alles mitbringt, was ein Grand Prix Pferd braucht. Heute wurden es genau 69 Prozent und Rang sieben.
Mit Spannung erwartet stets die Nachwuchspferde jener Reiter, die schon mal Championat für Deutschland geritten sind. Das traf heute auf Benjamin Werndl zu, der den neunjährigen For Romance I-Sohn Fosbury präsentierte. „Fussel“ gab seinem Reiter heute untypisch viel zu tun im Sattel. Auch dieser Oldenburger zeigt einiges Talent für die Grand Prix-Lektionen, war heute bei seinem ersten Auftritt vor großer Kulisse aber zu aufgeregt, um sein Potenzial auszuspielen. Mit 66,947 Prozent war er 13..
Hat es jemals einen Lusitano beim Louisdor-Preis gegeben? Vermutlich nicht. Aber dieses Jahr präsentierte Maxi Kira von Platen mit dem neunjährigen Nuelo das Lezirias einen wunderschönen Vertreter der portugiesischen Stierkampfrasse. Der Hengst ist nicht nur schön, er bringt ein für diese Rasse außergewöhnliches Bewegungspotenzial mit. Damit hatte er letztes Jahr im Juni in Hagen schon eine Intermédiaire I gewonnen und war dieses Jahr schon zweimal Intermédiaire II siegreich. Doch heute stand er zu stark unter Anspannung, als dass er sein ganzes Potenzial hätte ausspielen können. Darunter litt vor allem der Schritt. Als er dann angaloppierte, „stieß“ er sich einmal an der Kandare (wobei die Anlehnung sonst sehr fein war) und setzte zum Steigen an. Das überlegte er sich dann anders. Aber die Reiterin brauchte ein paar Sekunden, um den Vorwärtsgang zu finden. Sie wendete auf eine Volte und ritt die Aufgabe zu Ende. Dass die beiden dann noch echte Highlights wie die Serienwechsel in der Galopptour hatten, spricht für den Charakter des Hengstes. Doch der Moment nach dem Angaloppieren schlug sich auch in den Fußnoten wider. Hinzu kam der Abzug für die unvermeidliche Volte, so dass diesmal nicht mehr als 63,868 Prozent drin waren. Also auch mit diesem Paar kein Wiedersehen am Sonntag. Aber hoffentlich bei einer anderen Gelegenheit.
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