Kent Farrington und Toulayna. Foto: FEI/Shannon Brinkman
Auftakt zum Weltcup 2026 im Zeitspringen mit US-Reitern in Top-Form, zwei Deutschen mit Traumrunden und zwei weiteren, die den letzten Sprung vermutlich gerne abgeschafft hätten.
Es waren nur wenige Zuschauer um 14 Uhr Ortszeit in die Dickies Arena von Fort Worth gekommen, um dem Zeitspringen zum Auftakt des Weltcup Finales 2026 beizuwohnen. Aber die paar, die da waren, bekamen einiges geboten mit vier heimischen Paaren unter den Top Ten (neben dem Sieger Lillie Keenan/Kick On, 4., Jacob Pope/Highway FBH, 5., Aaron Vale/Carissimo, 6.).
Das ging schon los mit dem ersten Reiter der Prüfung, Aaron Vale auf dem Holsteiner Cascadello-Sohn Carissimo, der mit fehlerfreien 64,32 Sekunden einen souveränen Auftakt lieferte. Dass es dann doch nicht ganz so einfach war, wie Vale und Carissimo es aussehen ließen, zeigte sich schon beim nächsten Paar.
Das waren Willem Greve und Pretty Woman van’t Paradijs, der Niederländer, der als Führender der Westeuropa-Liga nach Texas gereist war, mit der Stute, die zwei Etappen auf dem Weg in die USA gewonnen hatte. Davon war heute allerdings nichts zu sehen. Sie beendeten den Parcours mit vier Abwürfen, umgerechnet zwölf Strafsekunden. Völlig untypisch. Aber ähnlich sollte es noch weiteren Favoriten gehen, wie beispielsweise Laura Kraut mit zwei Abwürfen auf Tresen Bien Z – sehr zum Bedauern ihrer zahlreichen Fans in der Halle.
Überragender Kent Farrington
Zu den Favoriten, die enttäuschten, gehörte nicht Kent Farrington. Die Nummer zwei der Weltrangliste, jüngst Sieger im Rolex Grand Prix von Wellington mit Greya, hatte heute seine zwölfjährige Toulon-Tochter Toulayna gesattelt. Die fegte durch den Parcours wie an der Schnur gezogen – keine unnötige Zeit in der Luft verschwendend, kaum auf den Beinen schon wieder im Vorwärts und mit blitzschnellen Reflexen. Und Kent Farrington ritt wie immer – exakt, kontrolliert und unaufwändig wie eine Maschine. Bei 62,03 Sekunden stoppte die Uhr. Das sollte heute keiner mehr unterbieten, auch wenn Daniel Deußer nah dran war.
Farrington nach seinem Ritt: „Es lief alles mehr oder weniger nach Plan. Ich habe großes Vertrauen in dieses Pferd und konnte genau das umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte.“
Toulayna hat nun frei. Ab morgen wird Farrington sein Toppferd Greya satteln. Was ihm der Sieg heute bedeutet? „Das war ein guter Start. Aber es ist noch ein lange Weg und schaut euch an, wer da alles hinter mir kommt, das sind die Besten der Welt.“
Superritt von Daniel Deußer mit Otello in Bestform
Daniel Deußer und Otello de Guldenboom, ein zwölfjähriger Sohn seines Tobago Z, der gerade erst auf dem Weg ist, den Zenit seiner Karriere zu erreichen. Foto: FEI/Shannon Brinkman
Da dachte Kent Farrington wohl vor allem an das Paar auf Rang zwei, Daniel Deußer und Otello de Guldenboom. Auch ihnen gelang ein Parcours aus dem Lehrbuch mit viel Übersicht und einem Otello (der ja ein Sohn von Daniel Deußers Erfolgshengst Tobago ist), dem man ansieht, wie er mitdenkt und mitkämpft. Am Ende kamen die beiden bis auf 0,18 Sekunden an die Siegerzeit heran.
„Otello hat es mir heute leicht gemacht“, resümierte der Finalsieger von 2014 nach seinem Ritt. „Es ist noch ein langer Weg, aber das Gefühl war sehr gut“, hielt auch er sich bedeckt, was die kommenden Tage angeht.
Guerdat mit der Chance, Geschichte zu schreiben
Iashin Sitte sei ein Pferd, das oft unterschätzt wird, sagt Steve Guerdat über den Bamako de Muze-Sohn, der dem Schweizer eine gute Ausgangsposition für seine Mission vierter Weltcup-Sieg verschafft hat. Foto: FEI/Shannon Brinkman
Rodrigo Pessoa, Marcus Ehning, Meredith Michaels-Beerbaum – sie gehören zu den Topstars des Springsports, die drei Weltcup-Finals gewinnen konnten. Auch Olympiasieger Steve Guerdat gehört zu diesem erlauchten Kreis. Aber er hat dieses Jahr als einziger die Chance, in die Geschichte einzugehen als erster Reiter, der vier Finals gewinnt.
Die Entscheidung 2025 in Basel in seiner Schweizer Heimat hatte er aufgrund seiner Rückenprobleme verpasst. Fast hätte er es auch nicht nach Fort Worth geschafft. Er konnte nur drei Qualifikationen reiten, aber von denen gewann er zwei, beide mit dem ebenfalls zwölfjährigen Bamako de Muze-Sohn Iashin Sitte, von dem Guerdat sagt, er möge Hallen eigentlich nicht. Davon war weder bei seinen Siegen in Leipzig und Helsinki noch heute etwas zu merken.
Es sieht wenig spektakulär aus, was Iashin Sitte im Parcours macht – sein Galopp ist begrenzt im Raumgriff und sein Lebensmotto scheint zu sein, dass ein gutes Pferd nur so hoch springt, wie es muss. Aber das tut er sehr zuverlässig und verschenkt damit keine unnötige Zeit. Zudem ist er wendig wie ein Go Cart. Auf die Art und Weise landeten sie in 62,49 Sekunden auf Rang drei.
Tolle Leistung, aber Perfektionist Guerdat sah eher unglücklich aus, als er die Halle verließ. „Ich war nicht ganz zufrieden mit meiner Runde, ich hätte es besser machen können. Aber das Gute ist, dass noch Luft nach oben ist. Und was Iashin angeht, bin ich wunschlos glücklich.“
Er hatte gehofft, unter die Top fünf zu kommen. Dass er nun Dritter ist, sei natürlich umso besser. „Ich bin erleichtert. Das Table C-Springen (das Zeitspringen, mit dem Championate eingeläutet werden) ist eine Prüfung, die man hinter sich haben will. Da kann man viel verlieren.“
Der verfluchte letzte Sprung
Davon können unter anderem Patrick Stühlmeyer und Baloutaire sowie Richard Vogel und Gangster Montdesir ein Liedchen singen. Beide hatten einen Abwurf am letzten Hindernis.
Stühlmeyer war den Parcours rhythmisch und systematisch angegangen. Hauptsache null zum Auftakt, schien seine Devise zu sein und es sah alles so aus, als würde das klappen. Auch auf den letzten Sprung, den man sowohl mit sechs als auch mit sieben Galoppsprüngen auf gebogener Distanz angehen konnte, passte alles perfekt. Es sah fast lässig aus, wie „Stühli“ und der 15-jährige OS-Hengst v. Balou du Rouet im genau richtigen Abstand und Moment abdrückten. Trotzdem fiel die Stange. Bitter! Am Ende wurden die beiden 21.
Und ja, auch einem Richard Vogel gelingt nicht immer alles. Er hatte seinen zehnjährigen Nachwuchsstar Gangster Montdesir mit nach Fort Worth gebracht. Der Kannan-Sohn hat in den sechs 1,60 Prüfungen, die er vor dem heutigen Tag in seinem Leben bestritten hat, jedesmal das Stechen erreicht. Erst wenn es gegen die Uhr ging, unterlief ihm schon mal ein Fehler. So auch heute.
Vogel hatte sich etwas vorgenommen. Das war vom ersten Hindernis an zu sehen. Aber schon bei der Wendung nach der Kombination 4ab auf Hindernis 5, wo die Reiter eine Lücke zwischen zwei Hindernissen treffen mussten, verloren sie wertvolle Sekunden. Doch sie arbeiteten sich im weiteren Verlauf des von dem Mexikaner Anderson Lima entworfenen Parcours wieder immer weiter an die Zeit des führenden Farrington heran. Zumindest für Rang vier hätte ihr Auftritt gereicht. Aber nicht mit den zusätzlichen drei Strafsekunden, die sie für den Abwurf am letzten Sprung kassierten, Platz 14.
Dittmer und Cody ganz cool
Sehr viel besser lief es bei René Dittmer und seinem Casall-Sohn Cody zum Auftakt ihres ersten Weltcup-Finales. Dittmer ritt den von Sören von Rönne aus der Linie von dessen legendärer Landgraf I-Stute Taggi gezogenen Fuchs mit Ruhe und Übersicht fehlerfrei ins Ziel und verschaffte sich als Elfter eine gute Ausgangsbasis. Denn wie die vorne Platzierten schon sagten – es ist noch ein weiter Weg.
Der nächste Meilenstein an diesem Weg ist am Freitagabend um 19 Uhr Ortszeit, also 2 Uhr morgens hiesiger Zeit, die zweite Wertungsprüfung über 1,60 Meter mit Stechen.
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