Kent Farrington gewinnt 1 Million Dollar Grand Prix von Wellington

Wellington: Großer Sport im Großen Preis mit Kent Farrington vorn und Vogel auf Platz drei

Springen
Absolute Weltklasse: Kent Farrington und Greya im 1 Million $ Grand Prix von Wellington. Foto: Wellington International // Cassidy Klein Absolute Weltklasse: Kent Farrington und Greya im 1 Million $ Grand Prix von Wellington. Foto: Wellington International // Cassidy Klein
Der 1 Million Dollar Grand Prix von Wellington hat alles geboten, was Springsport spannend macht und am Ende war die Nummer zwei der Welt die Nummer eins des Abends.

Was für ein Abend in Wellington! Die Tribünen gesteckt voll, das Starterfeld erstklassig, der Parcours fair aber schwer. Sehr schwer. Eines der ersten, die das zu spüren bekamen, waren die Olympiasieger Christian Kukuk und Checker. Sie kamen nur bis Hindernis zwei, die Mauer mit dem Emblem der Rolex Serie, die nichts mit dem Grand Slam zu tun hat, aber trotzdem für großen Sport steht. Checker kam mit der Mauer nicht zurecht, sprang einfach hindurch statt hinüber und Kukuk gab auf – so wie noch vier weitere Paare von Weltklasseformat wie Bertram Allan mit Pacino Amiro.


Es war eine Prüfung, die fast Derby-Charakter hatte – wer mit acht Fehlern durch den Parcours kam, wurde bejubelt. Der Parcours von des Brasilianers Guiherme Jorge war ein Geniestreich, der Akkuratesse von den Reitern und perfekt gymnastizierte Pferde verlangte. Einmal den Rhythmus verloren, einmal nicht absolut im Gleichgewicht gesessen, einmal nach dem Sprung nicht sofort wieder auf dem Hinterbein, es folgte unweigerlich ein Fehler.


Fünf Null-Fehler-Ritte im Umlauf


Am Ende waren es nur fünf Paare, die es ins Stechen schafften: Der erste, der null war, war der dreifache Olympiasieger Ben Maher mit dem athletischen Enjeu de Griesien. Der Ire Jordan Coyle mit Chaccolino folgte zwei Paare danach. Dann häuften sich die Fehler, bis Kent Farrington und die Colestus-Tochter Greya zeigten, wie es gemacht werden muss.


Die Stute sprang mit so viel Übersicht und Kraft und Farrington ritt sie so auf den Punkt, dass es keinen einzigen haarigen Moment gab. Ähnliches gelang im Anschluss auch dem Iren Darragh Kenny mit Eddy Blue, Nummer vier fürs Stechen.


Als vorletztes Paar nahmen Publikumsliebling Richard Vogel und sein fantastischer französischer Wallach Gangster Montdesir den Parcours in Angriff. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Wo andere zogen, vertraute Vogel darauf, dass Gangster auch aus der Vorwärtsdistanz einen sauberen Sprung zaubert. Das klappte. Null Fehler, was bedeutet, dass der Selle Français-Hengst nun bei jedem einzelnen der wenigen Fünf-Sterne-Auftritte, die er mit seinen zehn Jahren hatte, ins Stechen einziehen konnte. So auch heute.


Das Stechen


Doch es war klar, dass der noch junge Kannan-Sohn es gegen die viel erfahreneren Kollegen schwer haben würde. Auch wenn Jessica Kürten als Kommentatorin am Mikrophon meinte, Vogels Ehrgeiz würde das wettmachen.


Wie schwierig es werden würde, ließ sich schon nach der ersten Runde erahnen. Die kam von Ben Maher und seinem fantastisch springenden Enjeu de Grisien. Der Wallach hat einen raumgreifenden, aber flachen Galoppsprung, dazu eine Elastizität im Körper, die es ihm erlaubt, den Galoppsprung wenn nötig auch nach Belieben zu verkürzen. All das nutzte Maher, ließ den zwölfjährigen Toulon-Sohn auf den Galoppstrecken richtig gehen, konnte ihn aber für die zwei Wendungen, die das Stechen verlangte, auch kurz genug machen, um auf dem Teller herumzukommen. „Das wird schwer für die anderen“, war Kürten sich sicher, als der Brite und sein französischer Wallach nach 43,72 Sekunden fehlerfrei ins Ziel flogen.


Jordan Coyle und Chaccolino verschenkten die Chance auf den Sieg mit einem Abwurf und die Zeit hätte auch nicht gereicht.


Dann Auftritt Farrington/Greya. Die beiden verschenkten keinen Zentimeter, hatten auf das letzte Hindernis bereits so viel Vorsprung, dass Farrington die Stute auf der gebogenen Distanz etwas nach außen lenken konnte, um Platz zum Schlussoxer zu gewinnen, ohne Tempo rausnehmen zu müssen. Das Manöver gelang. Fehlerfrei, 42,99 Sekunden, ein Lehrstück in Sachen schnell Reiten der Nummer eins der Welt aus den USA.


Ob das zu toppen sein würde? Kürten dürfte alle Daumen gedrückt haben für ihren Landsmann Darragh Kenny, doch am letzten Hindernis fiel die Stange und die Zeit hätte auch nicht gereicht, um die beiden Führenden zu schlagen. Aber immerhin waren sie schneller als Coyle. Rang vier war ihnen also schon mal sicher.


Als Richard Vogel und Gangster Montdesir den Platz betraten, wurde es mucksmäuschenstill. Der Europameister hatte sein Gameface aufgesetzt, klopfte dem Braunen noch einmal aufmunternd den Hals, dann ging es los. Mit der ihm eigenen Balance im Sattel, einem unschlagbaren Gefühl für Rhythmus und Timing cruisten Vogel und Gangster durch den Parcours. „Er ist schneller“, stellte Kürten schon vor der letzten Linie sachlich fest. Sie hatte recht. Sogar deutlich schneller. Aber am letzten Sprung fiel die Stange. Kollektives Aufstöhnen des Publikums. Wie Kent Farrington später sagte: „Ich habe die Augen zugemacht, als er auf den letzten (Sprung) zuritt. Erst als ich die Zuschauer stöhnen gehört habe, habe ich sie wieder geöffnet.“ Um zu sehen, dass er gewonnen hatte.


Erfahrung gewonnen


Vogel sah enttäuscht aus, verständlich. Aber er klopfte dem Hengst dankbar den Hals. Gangster hatte alles gegeben. Wie Jessica Kürten sagte: „Das war eine Sache der Erfahrung. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass Oxer dieser Größenordnung aus diesem Tempo auf ihn zugekommen ist.“


Nun ist der Kannan-Sohn um eine Erfahrung reicher, die er demnächst in Texas nutzen kann. Er ist Vogels Kandidat für das Weltcup-Finale in Fort Worth. Heute wurde es Rang drei hinter dem Sieger Kent Farrington mit Greya und dem zweiten Nuller, Ben Maher mit Enjeu de Grisien. Darragh Kenny war Vierter mit Eddy Blue, gefolgt von seinem irischen Landsmann Jordan Coyle auf Chaccolino.


Der Weltranglisten-Erste vor dem dreifachen Olympiasieger vor dem Europameister und Weltranglisten-Vierten – das Podium sagte einiges über das sportliche Niveau im Grand Prix am letzten Wochenende der Frühjahrssaison in Wellington.


Sämtliche Ergebnisse finden Sie hier.


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