Schreckgespenst Pferdesteuer: Beschließt Reutlingen Abgabe für Pferdehalter?

Politiker in Reutlingen wollen Pferdesteuer einführen

Szene
Eine Allianz von sieben Parteien überlegt in Reutlingen in Baden-Württemberg eine Pferdesteuer erheben zu wollen. 50.000 Euro erhoffen sich die Haushaltspolitiker zu erwirtschaften.

Finanzierungslücken, klamme Kassen – in Situationen wie diesen kommt manch einer mit politischer Verantwortung auf die Idee, eine Pferdesteuer zu erheben. Jüngstes Beispiel: Die Stadt Reutlingen auf der Schwäbischen Alb. Dort macht sich eine in der Presse als „GaGroKo“ (ganz große Koalition) beschriebene fraktionsübergreifende Gruppe Gedanken über einen Doppelhaushalt für die kommenden Jahre.


Dabei wurden Einsparungspotenziale, beispielsweise von Stellen in der Verwaltung, betrachtet. Aber es wurde auch über zusätzliche Einnahmen nachgedacht. Höhere Parkgebühren allein reichen wohl in den Berechnungen der GaGroKo-Vertreterinnen und Vertreter nicht aus, um dringend benötigte Zusatzerlöse zu erwirtschaften. Deshalb steht auf der „Liste der Grausamkeiten“, wie die Grundlage des Doppelhaushalts bezeichnet wird, auch eine Pferdesteuer.


Pferde-Kommune Reutlingen


50.000 Euro Einnahmen versprechen sich die Ideengeber von der Einführung einer Pferdesteuer in Reutlingen. In Reutlingen und Umgebung gibt es viele Reiterhöfe, Schulbetriebe und Turnierställe. Auch das Haupt- und Landgestüt Marbach, Deutschlands ältestes Staatsgestüt, in der Gemeinde Gomadingen liegt im Landkreis Reutlingen. Der Pferdezuchtverband Baden-Württemberg hat ebenfalls dort seinen Sitz. Seit über 100 Jahren besteht der Reitverein Reutlingen. Gotthilf Riexinger, ehemaliger internationaler Dressurrichter, war dort lange im Vorstand engagiert.


Pleitenprojekt Pferdesteuer


Vor mehr als zehn Jahren hatten viele Kommunalpolitiker bundesweit ein Auge auf die Geldbeutel von Pferdehalterinnen und -haltern geworfen. Deutschlandweit war es zu Protesten gegen die Pferdesteuer gekommen, weil sie unter anderem den ohnehin nur mit viel Idealismus zu führenden Reitschulen die Existenz nahezu unmöglich machte. Der Landtag in Schleswig-Holstein hatte der Pferdesteuer eine generelle Absage erteilt.


Negativbeispiel Hessen


Schlagzeilen hatte die Pferdesteuer im hessischen Bad Sooden-Allendorf gemacht, wo sie trotz großer Proteste von der Lokalpolitik durchgesetzt worden war. 2021, nachdem 150 Kindern die Möglichkeit genommen worden war, zu reiten, weil zwei Betriebe hatten aufgeben müssen, wurde die Steuer wieder aufgegeben.


Pferdesport Deutschland/FN schon aktiv in Reutlingen


Auf Nachfrage von EQUI PAGES bestätigte die bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zuständige Referentin Pferdesportentwicklung und Interessenvertretung, Anna-Sophie Laurenz, dass es bereits einen Austausch zwischen Warendorf und dem zuständigen Landespferdesportverband gibt. Erste Stellungnahmen gegen die Pferdesteuer seien versendet sowie Gespräche geführt worden.


Nur eine Gemeinde in Deutschland erhebt derzeit Pferdesteuer


Aktuell gibt es mit Schlangenbad nur noch eine Gemeinde in Hessen, die die Pferdesteuer tatsächlich erhebt. In Münzenberg, ebenfalls in Hessen, gab es im Mai 2025 eine größere Aktion gegen die Pferdesteuer. Dort demonstrierten über 300 Personen mit Unterstützung der FN. Und das mit Erfolg! Die Stimmen der unterschiedlichen Interessenvertreter aus Verbänden aus Sport und Zucht bis zum örtlichen Reitverein wurden gehört. Die Einführung der Pferdesteuer konnte erfolgreich abgewehrt werden.


Diskussionen in vier Gemeinden


Neben Reutlingen schielen Kommunalpolitikerinnen und -politiker derzeit noch in Potsdam (Brandenburg), Mülheim an der Ruhr (NRW) sowie Lüdersdorf (Mecklenburg-Vorpommern) nach dem Geld derjenigen, die Pferde halten. Auch hier sei Pferdesport Deutschland aktiv. Beratung und bei Bedarf Unterstützung vor Ort werden angeboten.


Seit der ersten großen Pferdesteuer-Diskussion in Hessen im Jahr 2012 haben bundesweit etwa 500 Kommunen die Einführung einer Pferdesteuer diskutiert. Sollten auch in der eigenen Kommune solche Gedanken laut werden, ist Engagement angesagt. Wie man vor Ort argumentieren kann, hat die FN in einem Dokument zusammengefasst.


Die Proteste gegen die Pferdesteuer waren in vielen Kommunen in den 2010er Jahren erfolgreich.
Die Proteste gegen die Pferdesteuer waren in vielen Kommunen in den 2010er Jahren erfolgreich.

 


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