Holsteiner Hengste unter den Stars der 20. Hengstschau im normannischen Saint-Lô

Saint-Lô: Hengstschau à la française

Zucht
In Bestform präsentierte sich Max Kühners einstiger Star Chardonnay beim Salon des Étalons in Saint-Lô. Foto: Timothée Pequegnot In Bestform präsentierte sich Max Kühners einstiger Star Chardonnay beim Salon des Étalons in Saint-Lô. Foto: Timothée Pequegnot
Mehr als 170 Hengste waren am letzten Wochenende für die 20. Hengstschau von Saint-Lô in die Normandie gereist. Zwischen französischen Promis fielen auch Holsteiner Hengste wie United Way, Chardonnay oder Cascadello I dem Publikum auf.

Mit mehr als 170 anwesenden Vererbern ist der Salon des étalons de sport im normannischen Saint-Lô, der Heimat des Selle Français, lange nicht mehr nur eine „normale“ Hengstschau, sondern eine wirkliche Hengstmesse. Dieses Ereignis, das zu den Highlights der Zuchtsaison in Frankreich zählt, feierte vom 20. bis zum 22. Februar seine 20. Ausgabe.


Früher wurden hier der dreifache Weltcup-Sieger Baloubet du Rouet, der Mannschaftswelt- und Europameister Diamant de Semilly sowie der ehemalige beste Vielseitigkeitsvererber im WBFSH-Ranking, Contendro I, dem Fachpublikum vorgestellt. Letztes Jahr hatte der legendäre Holsteiner Hengst Casall seinen letzten internationalen Auftritt in der großen Halle des Pôle Hippique von Saint-Lô.


Die Anlage weist darüber hinaus noch eine weitere Halle, sieben Außenplätze, 340 Boxen und eine Reitschule auf, die dem ehemaligen Haras national, dem Landgestüt, angegliedert sind.


Beim Salon des Étalons können die Züchter und Zuchtinteressierten die Hengste zum Teil unter Turnierbedingungen erleben. Foto: Timothée Pequegnot
Beim Salon des Étalons können die Züchter und Zuchtinteressierten die Hengste zum Teil unter Turnierbedingungen erleben. Foto: Timothée Pequegnot

Mylord Carthago als erster Ehrengast


Der Ehrengast zu Beginn des Freitagabends hatte eine kurze Anreise – er musste nur von seiner Box im ehemaligen Landgestüt hinüber zum Pôle hippique geführt werden: Mylord Carthago, der Vizemannschaftswelt- und Europameister von Pénélope Leprévost. Mit seinen 26 Jahren erschien der Carthago-Sohn frisch wie eh und je vor dem Publikum für eine kurze Ehrung. Und wie eh und je zog er die Zuschauer mit seiner legendären Präsenz in seinen Bann.


Darüber hinaus waren am Freitag die jungen Selle Français-Vererber dran. 17 Drei- und Vierjährige wurden an der Hand vorgestellt, bevor die Masters der jungen Selle Français-Hengste begannen. Dabei handelt es sich um eine Schauprüfung, bei der die vier-, fünf- und sechsjährigen Nachwuchsvererber ein Parcours mit sechs bis acht Hindernissen absolvieren und von einem Richtergremium des Zuchtbuches benotet werden. Dieses Jahr waren acht Pferde aus dem Jahrgang 2022 und 15 aus 2021 am Start. Dazu kamen einige Ponys sowie zwölf Sechsjährige, die ihre Prüfung am Samstagabend bestritten.


Viel Platz zum Springen haben die Hengste nicht. Sie teilen sich die Reithalle mit den Ausstellungsständen der Hengsthalter, die sich rund um den Parcours herum gruppieren. Trotzdem fand der „Große Preis“ für die sieben- und achtjährigen Hengste sowie für alle Ponys im Anschluss an die Junghengste großen Anklang beim Publikum auf den voll besetzten Tribünenrängen und den Stehplätzen, wo de Zuschauer sich dicht an dicht drängelten.


Saint-Lô applaudiert für United Way


United Way und Lukas Wenz machten Werbung fürs Holsteiner Pferd in Frankreich. Foto: Timothée Pequegnot
United Way und Lukas Wenz machten Werbung fürs Holsteiner Pferd in Frankreich. Foto: Timothée Pequegnot

Am Samstagnachmittag waren so viele Leute ins Pôle hippique de Saint-Lô gereist, dass Beobachter sagten, sie hätten die Parkplätze noch nie so voll gesehen. Wie jedes Jahr konnten die Hengste auch im Stall besichtigt werden. Mitarbeiter der verschiedenen Hengsthalter erwarteten die Besucher, um ihnen die Hengste ohne Decke zu zeigen oder Fragen zu ihren Schützlinge zu beantworten und Informationen zu geben.


Jeder der ca. 170 Hengste wurde auch in der Halle, entweder an der Hand oder geritten, vorgestellt. Einziges Kriterium, um dabei sein zu dürfen: vom Selle Français – oder dem Poney Français de Selle, was die Ponys betrifft – zugelassen zu sein.


Der Holsteiner Chardonnay, Sechster bei den Weltreiterspielen 2018 mit Max Kühner, fiel vielen Beobachtern durch seine tolle Bergaufgaloppade auf, und der Holsteiner Verbandshengst United Way konnte noch mehr Herzen gewinnen. Er beendete seine Vorstellung unter dem Sattel von Lukas Wenz mit einem beeindruckenden Sprung über eien ca. 1,60 Meter hohen Steilsprung, für den es vom Publikum Szenenapplaus gab.


Aus Holstein war auch Cascadello I nach Saint-Lô gereist. Begleitet wurde er von einem französischen Pfleger des Stalls von Dirk Ahlmann, Raphaël Goffinet. Das war hilfreich bei der Verständigung mit den französischen Züchtern. Letztes Jahr wurde Cascadello I den französischen Züchtern erstmals angeboten und wurde mit 67 Stuten angepaart. Als Nummer 19 im WBFSH Sire Ranking wurde auch er in Saint-Lô für seine Verdienste um die Springpferdezucht ausgezeichnet.


Eine Stute unter den Hengsten


Man muss nicht dranschreiben, dass dies Thara de Nantuel, die Mutter von Scott Brashs Hello Folie, ist. Foto: Timothée Pequegnot
Man muss nicht dranschreiben, dass dies Thara de Nantuel, die Mutter von Scott Brashs Hello Folie, ist. Foto: Timothée Pequegnot

Tags darauf wurde zum ersten Mal eine Stute beim Salon des étalons geehrt – nicht irgendeine, sondern Thara Nantuel. Sie ist die Mutter der Löwin des Springsports, Scott Brashs Doppelvizeeuropameisterin Hello Folie de Nantuel, sowie von deren Vollbruder Candy de Nantuel, einem der meistfrequentierten Deckhengste Frankreichs. Außerdem brachte Thara Nantuel den französischen Meister der siebenjährigen Springpferde 2025, Indigo de Nantuel.


Wie Thara erblickten alle diese Pferde das Licht der Welt beim Élevage de Nantuel, das in der Region von Tours vom sympathischen Jacques Gouin gegründet wurde. Der 88-jährige ehemalige Zahnarzt war in Saint-Lô vor Ort, um den Applaus und die lobenden Worte für seine Thara zu hören, die von seiner Tochter und Nachfolgerin im Gestüt, Marie-Laure Deuquet, an der Hand vorgestellt wurde.


Wirtschaftlich wichtig


Auch wenn der Salon des étalons die Bühne für Ehrungen oder Schauprüfungen ist – seine wichtigste Aufgabe ist es, den Züchtern möglichst viele Hengste zeigen zu können und alle oder fast alle Akteure der französischen Springpferdezucht während dieser drei Tage an einem Ort zusammenzubringen.


Das Event bietet den Rahmen für spannende Diskussionen unter Pferdenthusiasten und ist auch wirtschaftlich von hoher Bedeutung. „Vor allem was die jungen Hengste betrifft, haben wir in der Regel fast keine Bedeckungen vor dem Salon“, sagte eine Hengsthalterin. Aber: „Wenn ein Hengst sich hier toll vorstellt, kann das Interesse sofort sprunghaft ansteigen.“ Laut dieser erfahrenen Expertin würden die französischen Züchter dazu neigen, eher weniger Stuten decken zu lassen.


Felix Flinzer: „Das Who’s who der französischen Zucht“


United Way – nicht nur am Sprung, sondern auch ohne Reiter überzeugend. Foto: Timothée Pequegnot
United Way – nicht nur am Sprung, sondern auch ohne Reiter überzeugend. Foto: Timothée Pequegnot

„Ich finde gewaltig, was hier für ein Fachpublikum unterwegs ist“, zeigte sich Felix Flinzer, der Geschäftsführer Auktion & Vermarktung bei der Hengsthaltung des Holsteiner Verbandes, begeistert. Er war zum zweiten Mal beim Salon des étalons dabei und resümierte: „Es ist wirklich das Who’s who der französischen Zucht. Außerdem werden die Pferde hier sehr reell gezeigt, sodass man sie gut beurteilen kann. Für uns ist es immer wertvoll, unsere Hengste hier zu zeigen (Anm. der Red.: letztes Jahr wurden neben Casall auch Uriko und Clarimo in Saint-Lô vorgestellt), damit die Züchter sie vor Augen haben. Dieses Jahr hat sich United Way toll präsentiert und seine Box war nachher sehr besucht. Viele französische Züchter kennen sich auch mit den Holsteiner Stutenstämmen sehr gut aus, und der von United Way ist einer der sportlich abgesicherten Stämme in Holstein.“


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