Prof. Heinz Meyer ist gestorben

Der Initiator der Rollkur-Debatte lebt nicht mehr

Szene
Prof. Dr. phil. Heinz Meyer. Foto: Kosmos Verlag Prof. Dr. phil. Heinz Meyer. Foto: Kosmos Verlag
Ende Januar 2026 verstarb im Alter von 89 Jahren ein großer Hippologe und Dressurkenner: Prof. Heinz Meyer, früher Chefredakteur des St.GEORG, später langjähriger freier Mitarbeiter, der unter anderem auf die Problematik der "Rollkur" als Trainingsmethode hingewiesen hat.

Prof. Dr. phil. Heinz Meyer lebte in Würselen bei Aachen. Er war das, was man einen Universalgelehrten nennt. Der junge Meyer studierte an den Universitäten Bonn, Köln, Aachen und Salzburg Philosophie, Psychologie, vergleichende Religionswissenschaft, Geschichte und Soziologie. Sein Studium der Psychologie schloss er mit dem Diplom ab. In Soziologie promovierte und habilitierte er.


Er lehrte an den Hochschulen in Aachen und Wuppertal und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Fachbeiträge. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Untersuchung der Beziehung zwischen Menschen und Tieren, insbesondere der zu Pferden. Unter anderem stellte er die Theorie auf, dass Mädchen deshalb so fasziniert von Pferden sind, weil sie hier den Kontrast zwischen dem großen, starken und scheinbar so mächtigen Tier auf der einen Seite und dessen Sanftmut auf der anderen Seite erleben. Er sprach vom „großen, warmen, weichen Leben“, das Mädchen fasziniert.


Der Pferdemann


Den Pferden war Meyer seit frühester Kindheit eng verbunden. Auf dem elterlichen Hof gab es immer Pferde und Meyer ritt erfolgreich Turniere in Dressur und Springen. Später stellte er auch die Pferde des anerkannten Ausbilders Hans Rüben auf Turnieren vor.


Prof. Meyer galt als profunder Kenner der Reitlehre und ihrer Zusammenhänge. Er hat darüber in der Literatur und in Fachzeitschriften geschrieben und hier auch den internationalen Turnier-, besonders den Dressursport begleitet. Von 1967 bis 1970 war er als Chefredakteur verantwortlich für den St.GEORG. Danach wechselte er für 15 Jahre als Fachberater zur Redaktion der Reiter Revue International, ehe die damalige St.GEORG-Chefredakteurin Gabriele Pochhammer ihn als freien Mitarbeiter zurückholte.


Rollkur und mehr


Hier veröffentlichte er einen Artikel, der die Betrachtung der Reiterei in den kommenden Jahrzehnten maßgeblich verändern sollte. Die Überschrift: „Roll-Kur“. Der Begriff ist inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch übergangen. Er war eine Erfindung von Chefredakteurin Gabriele Pochhammer. Doch der Inhalt des Artikels, der 1989 im St.GEORG erschien, stammte aus der Feder von Prof. Dr. Heinz Meyer.


Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die die Gefahren dieser Reiterei auch aus veterinärmedizinischer Sicht aufgezeigt hätte. Meyer war hier ein Vordenker – auch wenn es schon vor ihm kritische Auseinandersetzungen über Ausbildungsmethoden in der Reiterei gegeben hat. Er verfasste ein ganzes Buch zum Thema, für das er sich der Überschrift aus dem St.GEORG bediente. Unter dem Titel „Roll-Kur“ ist es bis heute im KOSMOS Verlag erhältlich. Ebenso das Werk „Die Skala und das System der Ausbildung: Eine kritische Interpretation“. Zahlreiche Aufsätze Meyers erschienen regelmäßig in dem veterinärmedizinischen Fachmagazin „Pferdeheilkunde“.


Denker mit Haltung


Meyer war ein Freidenker und als solcher unbestechlich. Josef Neckermann schickte ihm einst eine Kiste Wein zu Weihnachten. Meyer bedankte sich bei ihm mit den Worten: „Das Altersheim hat sich sehr gefreut.“ Er war keiner, der sich korrumpieren ließ, auch nicht von der Allgemeinheit. Wo alle Dr. Reiner Klimkes Ahlerich bewunderten, stellte Meyer fest, der Angelo xx-Sohn piaffiere mit einer Oberlinie „wie ein Küchentisch“.


Ende Januar verstarb Meyer nun in Brüssel im Krankenhaus. Er hatte schon länger ein Herzleiden. Trotzdem war er immer noch aktiv, reiste und hielt dabei stets Ausschau nach afrikanischen Antiquitäten, neben den Pferden eine weitere große Leidenschaft des Soziologen. Auf einer dieser Reisen musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo man ihm jedoch nicht mehr helfen konnte.


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