Die Weltcup-Etappe der Springreiter von Basel 2026 ging nach Deutschland

Richard Vogel und United Touch S mit Epaillards Unterstützung zum Weltcup-Erfolg in Basel

Springen
Das von Julien Epaillard geliehene Hackamore war der Schlüssel zum Erfolg im Weltcup-Springen von Basel für Richard Vogel und United Touch S. Foto: FEI/Martin Dokoupil Das von Julien Epaillard geliehene Hackamore war der Schlüssel zum Erfolg im Weltcup-Springen von Basel für Richard Vogel und United Touch S. Foto: FEI/Martin Dokoupil
Richard Vogel und United Touch S haben es einmal mehr geschafft. In der Weltcup-Etappe von Basel ließen die Europameister die Konkurrenz alt aussehen. Geholfen hat einer der Konkurrenten.

Nicht viele Reiter können von sich behaupten, am zweiten Wochenende des Jahres schon drei Turniere auf zwei Kontinenten bestritten zu haben – wenn es außer Richard Vogel überhaupt einen gibt. Und das auch noch hoch erfolgreich. Heute in Basel sicherte sich der Europameister und Weltranglisten-Sechste den vierten Weltcup-Etappensieg seiner Karriere und sprang damit zugleich an die Spitze des Rankings. Er saß im Sattel seines Toppferdes United Touch S. Anders als sonst hatte er diesmal ein Hackamore als Zaum gewählt. Aus guten Gründen und auf einen guten Rat hin, wie er später erklärte. Aber erst einmal stand Arbeit an.


Sieben Paare hatten es ins Stechen des Weltcup-Springens geschafft. Als eine Klippe des ersten Umlaufs hatte sich das vorletzte Hindernis erwiesen, eine Planke direkt an der Bande – also dicht an den Zuschauern – und nach der kräftezehrenden dreifachen Kombination, in der nach zwei Steilsprüngen ein mächtiger Oxer alles an Springvermögen von den Pferden forderte. All das war für United Touch S kein Problem. An Vermögen mangelt es ihm nicht und die Linien des Parcours kamen seinem großen Galoppsprung eher entgegen. Souverän gesellten sich die beiden zu unter anderem der Siegerin im Großen Preis, Kim Emmen auf Imagine, Weltcup-Titelverteidiger Julien Epaillard mit Donatello d’Auge und Martin Fuchs mit L&L Lorde ins Stechen.


Entscheidung im Stechen


Den Anfang im Stechen machten die britischen EM-Silbermedaillengewinner Donald Whitaker und seine wunderbare Schimmelstute Millfield Colette, die diesmal untypische acht Strafpunkte hatte. Als nächster versuchte Johan-Sebastian Gulliksen für Norwegen sein Glück. Er hatte schon vor dem Stechen gesagt, dass Harwich VDL v. Arezzo VDL nicht der schnellste ist. Was er nicht gesagt hatte, war, dass dieser Fuchs immer alles für seinen Reiter versuchen würde. Und so machte es nichts, dass Gulliksen in der Wendung hin zu der bereits erwähnten, an der Bande stehenden Planke (die man fürs Stechen gegen eine Stange ausgetauscht hatte) seine Zügel verlor. Harwich VDL hatte alles im Griff. Sie kamen fehlerfrei ins Ziel, waren allerdings mit 46,85 Sekunden nicht die schnellsten.


Nächstes Paar waren die Sieger des Großen Preises, Kim Emmen und ihr wunderbarer Schimmel Imagine, der immer so aussieht, als ginge ihn das alles gar nichts an, der aber im entscheidenden Moment immer voll da ist. So auch heute. Lässigst flog der Cassini Gold-Sohn in flotten 41,55 Sekunden ins Ziel. Das war schon eher eine Zeit, die den nachfolgenden Paaren Angst machen musste.


Der Traum vom Heimsieg endete für Martin Fuchs im Sattel des von ihm selbst ausgebildeten L&L Lorde an besagtem Steilsprung an der Bande mit einem Abwurf. Dann kam das Paar, das wohl von den meisten als einer der heißesten Anwärter auf den Sieg gehandelt worden war: Frankreichs Julien Epaillard und Donatello d’Auge, die beiden, die letztes Jahr in Basel das Weltcup-Finale gewonnen haben. Doch sie waren nicht nur langsamer als Fuchs und Lorde, sie hatten ebenfalls einen Abwurf.


Dann Auftritt Richard Vogel und United Touch S als vorletztes Paar im Stechen. Vogel muss seinen Hengst nicht auseinanderjagen, um Zeit über die Frequenz gut zu machen. Das erledigt sein nun 14-jähriger Untouched-Sohn mit seinem bodenfressenden Galoppsprung. Vogel konnte sich darauf konzentrieren, die besten Linien zu nehmen. In einer Wendung trug es ihn etwas weit nach außen. Das verschaffte ihm allerdings Raum, um die nachfolgende 180 Grad-Wendung auf die Mauer in Form eines Schweizer Käses auf kleinstmöglichem Raum zu nehmen. Die restlichen Hindernisse aus großen Distanzen waren dann kein Problem mehr, da musste United nur noch drüber fliegen. Ergebnis: fehlerfrei, 40,12 Sekunden, das roch schon stark nach Sieg.


Lediglich der Schweizer Shooting Star Gaëtan Joliat mit Just Special VK hätte ihnen den Erfolg noch streitig machen können. Letztes Jahr hatte der 20-Jährige – wie in den Jahren zuvor – noch zum Schweizer Nachwuchsteam bei den Europameisterschaften der Jungen Springreiter gezählt. Dn Winter hatte er sich mit Platzierungen in den Weltcup-Springen von Oslo und London bereits für größere Aufgaben empfehlen können. Seine souveräne Nullrunde im ersten Umlauf zeigte bereits, dass das kein Zufall war. Doch im Stechen fielen dann zwei Stangen. Platz sieben für die beiden. Und der Sieg für Richard Vogel vor Kim Emmen und Imagine.


Die weiteren Plätze


Mit Platz zwei heute im Weltcup-Springen nach ihrem ersten Sieg in einem Fünf-Sterne-Grand Prix am Freitag konnte die sympathische Niederländerin Kim Emmen sich über einen mega Abschluss dieses Wochenendes freuen. Es dürfte eines der erfolgreichsten ihrer bisherigen Karriere sein.


Mindestens ebenso groß war die Freude beim Drittplatzierten, dem Norweger Johan-Sebastian Gulliksen, der nicht damit gerechnet hatte, so weit vorne zu landen.


Dahinter platzierten sich in dieser Reihenfolge Martin Fuchs und L&L Lorde, Julien Epaillard mit Donatello d’Auge, Donald Whitaker auf Millfield Colette vor Gaëtan Joliat und Just Special.


Außer Richard Vogel waren noch zwei weitere deutsche Paare am Start, die mit der Entscheidung allerdings nichts mehr zu tun hatten. Hans-Dieter Dreher und Elysium hatten einen Abwurf im ersten Umlauf. Zwei wurden es bei Pia Reich und PB Löwenherz.


Ein guter Rat


„Der Kluge lernt von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser“, heißt es. Richard Vogel gehört offensichtlich zu den Klugen. Auch wenn er in Basel nicht von gerade von einem Jedermann gelernt hat, sondern im Gegenteil vom Top-Pferdemann Julien Epaillard.


Nach seinem heutigen Triumph berichtete der Europameister im Interview, United sei auf den vergangenen Turnieren zwar gut gesprungen, habe aber immer auch mal einen Fehler gehabt. Das war in Stuttgart so und auch in Genf. Darüber sprach er mit Julien Epaillard und der Franzose meinte, er solle es doch mal mit einem Hackamore, also einer gebisslosen Zäumung probieren. Epaillards Pferde gehen fast alle auf Hackamore – Donatello d’Auge ebenso wie vor ihm Dubai du Cedre und Caracole de la Roque. Vogel hatte aber kein Hackamore. Epaillard konnte aushelfen.


Im Großen Preis setzte Vogel es erstmals ein. Hier hatte das Paar noch einen Abwurf. Danach habe er noch an der Feinjustierung gearbeitet, so Vogel. Und heute hat sich seine Experimentierfreude ausgezahlt. „Ich schulde Julien großen Dank“, betonte der Europameister.


Weltcup-Ranking


Mit seinem heutigen Sieg hat Richard Vogel sich an die Spitze des Weltcup-Rankings katapultiert. Er führt mit 56 Punkten vor Willem Greve (52) und Julien Epaillard (46). Damit dürfte Vogel das Ticket für das Finale in Fort Worth ziemlich sicher in der Tasche haben. Gleiches gilt für Daniel Deußer an sechster Stelle. Derzeit sind die beiden die einzigen Deutschen mit Aussicht auf einen Platz unter den besten 18 der Westeuropa-Liga, die sich für das Finale qualifizieren.


Das Weltcup-Ranking finden Sie hier.


 


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